Gewerbeverein lehnt Testphase ab
Widerstand gegen Fußgängerzone

Senden -

Von April bis Ende Oktober soll versuchsweise die Herrenstraße zwischen Geiping und Schwalbe zur Fußgängerzone umgewidmet werden. Der Gewerbeverein lehnt den Testlauf ab, da er nicht ergebnisoffen und als Einstieg in flächendeckende Maßnahmen gedacht sei. Die Händler fürchten, abgekoppelt zu werden.

Montag, 15.02.2021, 17:33 Uhr
Vorsitzender des Gewerbevereins: Manfred Tiemann.
Vorsitzender des Gewerbevereins: Manfred Tiemann. Foto: sff

Beim Gewerbeverein schrillen die Alarmglocken. Sie wenden sich mit klarer Mehrheit gegen eine Fußgängerzone auf der unteren Herrenstraße. Zwischen Bäckerei Geiping und Bücher Schwalbe sollen keine Autos mehr fahren – so sieht es ein „Verkehrsversuch“ vor. Der Zeitraum für die Testphase, die vom 1. April bis zum 31. Oktober dauern soll, steht quasi kurz bevor.

Manfred Tiemann , Vorsitzender des Gewerbevereins Senden, reagiert ungewohnt ungehalten. Mit den Voten seiner Mitglieder im Rücken appelliert er, den Testballon erst gar nicht aufsteigen zu lassen. „Wir müssen was dagegen setzen, sonst gehen wir unter“, gibt Tiemann im Gespräch mit der WN-Lokalredaktion als Devise aus.

Wir müssen was dagegen setzen, sonst gehen wir unter.

Manfred Tiemann fürchtet massive wirtschaftliche Einbußen durch eine Fußgängerzone

Er führt einen ganzen Strauß von Argumenten gegen den Vorstoß an, der schon seit Jahrzehnten diskutiert und von Teilen der Bürgerschaft auch begrüßt wird. Der Evergreen auf der politischen Agenda kommt jetzt aber zu einem besonders heiklen Zeitpunkt. Tiemann führt drei Faktoren an, deren Folgen sich für Händler, Dienstleister und den Ortskern selbst jeweils verschärfen: Corona, Fußgängerzone und das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK). Unternehmen, die in der Pandemie-Phase mit Lockdown und Flaute kämpfen müssen, fürchten um die Erreichbarkeit für ihre Kundschaft. Dass manche von ihnen tatsächlich einen Bogen schlagen, wenn die Geschäfte schlechter anzusteuern sind, haben auch Stellungnahmen in der Debatte auf der größten Sendener Facebook-Gruppe bestätigt, in der das Thema mit weit über 200 Kommentaren die Gemüter stark beschäftigt. Zustimmende Statements zu der Testphase finden sich aber ebenfalls einige.

Sorge: Kundenströme verlagern sich

Dass sich die ohnehin nicht üppigen Kundenströme verlagern – ins Internet oder in Nachbargemeinden – fürchten die Gewerbetreibenden, wie sie den WN schildern. Nicht zuletzt mit Blick auf ältere Kunden oder Mütter mit Kindern sei es wichtig, dass Geschäfte mit dem Auto anzufahren seien.

Das von der Gilde selbst ermittelte Stimmungsbild ist eindeutig: In der letzten von drei durchgeführten Befragungen bei 20 betroffenen Unternehmern in der Herrenstraße lehnten 18 im vorigen November eine Fußgängerzone ab, zwei befürworteten es, die Autos komplett zu verbannen.

Fußgängerzone auf Probe: Zwischen Geiping und Schwalbe solle Autos tabu sein.

Fußgängerzone auf Probe: Zwischen Geiping und Schwalbe solle Autos tabu sein. Foto: Siegmar Syffus

Tiemann führt überdies die Einschätzungen von Verkehrsplanern (die von der Gemeinde beauftragt worden waren) aus den Jahren 2009 und 2016 an, die von der Einrichtung einer Fußgängerzone abraten.

Der Gewerbevereins-Vorsitzende hadert aber auch mit dem Prozedere: Er fürchtet, dass die Testphase nicht ergebnisoffen durchgeführt werde und dass die untere Herrenstraße für die neue Rathausmehrheit nur der Einstieg in eine großflächige Auto-Tabuzone ist: „Da soll ein Tor geöffnet werden“, so Tiemann. Er begrüßt, dass mit der IHK ein externer Blick auf das Thema gerichtet werde, weshalb der Gewerbeverein mit der Kammer und den Ratsfraktionen bei der Online-Befragung von Händlern, Anliegern und – später – den Kunden kooperiert. Die Pressemitteilung der Gemeinde Senden, die am Montag in den WN veröffentlicht wurde, erwecke aber einen Eindruck von „Friede, Freude, Eierkuchen“, so Tiemann wörtlich. Was nicht dem Tenor des Gewerbevereins entspreche.

„Was uns unheimlich ärgert“, so der Gilden-Chef, sei die Tatsache, dass vor der Entscheidung des Bauausschusses im November „wiederum über uns, aber nicht mit uns als direkt Betroffene geredet worden ist“. Tiemann, der beteuert, dass die Gilde offen für Kompromisse gewesen wäre, zweifelt das Einfühlungsvermögen der politischen Mandatsträger an: „Wie viele Ratsmitglieder erhalten jeden Monat pünktlich Gehalt beziehungsweise Rente, wie viele müssen Monat für Monat um Kunden und Umsatz kämpfen? Das Verhältnis ist eindeutig. Das Hineinversetzen in die Lage der Geschäftsleute ist ihnen also nur sehr schwer möglich.“

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