Friseure öffnen wieder ab Montag
Termine fast schon ausgebucht

Senden -

Ab Montag öffnen wieder die Friseure. Einen Termin in Senden zu ergattern, ist aber zumindest in den ersten beiden Wochen nach dem Ende der Zwangspause schwierig.

Montag, 22.02.2021, 17:52 Uhr aktualisiert: 22.02.2021, 18:16 Uhr
Ursula Saleh freut sich, in ihrem Friseursalon in Senden auf der Herrenstraße bald wieder Kunden bedienen zu können.
Ursula Saleh freut sich, in ihrem Friseursalon in Senden auf der Herrenstraße bald wieder Kunden bedienen zu können. Foto: di

Ursula Saleh ist Friseurmeisterin und Unternehmerin. Dass ihr Team und sie seit dem 16. Dezember nicht zu Schere und Kamm greifen dürfen, hat aber nicht nur finanzielle Folgen, sondern auch menschliche. „Man lebt den Job“, sagt die Inhaberin des Salons „Hair Line“ an der Eintrachtstraße. Ihre Belegschaft sei nicht deprimiert geworden, aber jetzt auf jeden Fall froh, dass es am Montag (1. März) wieder los geht. „Gott sei Dank“, sagt die Sendenerin. Und ihre Kunden pflichten ihr wohl bei.

Man lebt den Job.

Ursula Saleh fehlt die Arbeit am Kunden

Denn: Der Andrang, einen Termin zu ergattern, ist jedenfalls enorm – was für alle Friseursalons in Senden gelten dürfte, hat die Stichprobe der WN-Redaktion ergeben. Am Tag nach dem „Corona-Gipfel“ am 10. Februar stand das Telefon bei Ursula Saleh nicht still, von morgens um acht bis abends um acht riefen Kunden an. Der Kalender für die ersten beiden Märzwochen weist praktisch keine Lücken mehr auf. Und das, obwohl an der Eintrachtstraße in zwei Schichten geschnitten, gefärbt und geföhnt wird. Womit von 8 bis 21 Uhr in dem Salon Frisuren in Fasson gebracht werden.

Branche erfüllt hohe Hygienestandards

Nur noch vereinzelte Zeitfenster für die zwei Wochen ab der Wiedereröffnung meldet auch Gerd Stephany . Über 200 Termine, so der Friseurmeister, habe er allein für die erste Märzwoche an der Herrenstraße vergeben. Mit der Entscheidung der Politik, dass die Salons schließen mussten, hadert Stephany. Denn er sieht kaum Infektionsrisiken: Die Branche erfülle hohe Standards bei Hygieneschutz und Rückverfolgung der Kunden – „der Aufwand war schon grenzwertig“. Und mit denselben Auflagen geht es in den Neustart.

Das Team von "Schnittich" hält auch online Kontakt mit den Kunden.

Das Team von "Schnittich" hält auch online Kontakt mit den Kunden. Foto: di

Doppelt schwer: Arbeitsverbot und kaum staatliche Hilfe

Diese Branche trifft es doppelt hart: Anders als andere Handwerkssparten wurden die Friseure zu einer zweieinhalbmonatigen Zwangspause vergattert. Erschwerend kommt hinzu, dass Fördertöpfe für diese Betriebe verschlossen bleiben. „Man verbietet das Arbeiten und gibt keine Unterstützung“, kritisiert deshalb Ulrich Müller, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Coesfeld, gegenüber der WN-Lokalredaktion.Zwar sei im vorigen März Soforthilfe auch für Friseure geflossen, von der Dezemberhilfe seien sie aber ausgeschlossen. Anträge könnten hingegen für die Überbrückungshilfe III gestellt werden, doch diese decke lediglich Fixkosten ab, ohne dass ein Unternehmerlohn angesetzt werde. Unterm Schnitt: „Das bringt fast nichts“, so Müller wörtlich.Diese Konstellation „bringt viele Friseurbetriebe im Kreis an ihre Grenzen“, schilder der Kammer-Hauptgeschäftsführer. Er spricht von einzelnen „dramatischen“ Situationen. Dass einzelne Salons nach Corona für immer schließen, sei die Folge, erwartet Müller. Die Dichte der Salons in Senden sei aber prinzipiell auskömmlich; so buhlten in Dülmen oder Lüdinghausen mehr Friseure relativ zur Einwohnerzahl um die Gunst der Kunden. Allerdings sei in Senden die Zahl der Pendler hoch, die am Arbeitsort ihr Haar stutzen lassen können.Müller rät: Ab jetzt mehr Trinkgeld zu geben. (-di-)

...

Mit dem Ende der Zwangspause sind auch für die beiden Standorte von „Schnittich – Ihr Hairstylist“ alle Termine für die ersten beiden Wochen ausgebucht, die angesichts einer Zehn-Quadratmeter-pro-Kunde-Regel anzubieten sind. Die Lockdown-Phase habe der Betrieb durch Gutscheinaktionen und Produktverkäufe, die nach Hause geliefert wurden, „einigermaßen überbrücken können“, resümiert Inhaberin Kristina Kuhlmann, die mit ihrem Team unter anderem Online-Kanäle genutzt hat, um die Verbindung mit ihren Kunden zu halten. Was die Unternehmerin grämt und Kraft raubt, sind bürokratische Hürden. Dabei gehe es nicht mal um spezielle Programme, sondern um die Erstattung von Kurzarbeitergeld, das sie erst vorstrecken muss. „Man telefoniert ständig hinterher.“ Hinzu komme, dass der Antrag für Überbrückungsgeld III sehr kompliziert sei. Andere Töpfe standen gar nicht zur Verfügung. „Die Puffer, die man sich erarbeitet hat, sind jetzt aufgebraucht“, bedauert Kuhlmann. Sie gesteht: „Das ist schon traurig.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7832822?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F166%2F
Nachrichten-Ticker