St. Laurentius zeigt Flagge: Homosexuelle Paare segnen
„Alle Menschen gleich wertschätzen“

Senden -

In der katholischen Kirchengemeinde St. Laurentius werden auch homosexuelle Paar gesegnet. Das entspreche der Lebenswirklichkeit der Menschen, betont Pfarrer Klemens Schneider und bezieht damit eine Gegenposition zum Vatikan. Darauf weißt eine Regenbogen-Fahne am Sendener Gotteshaus hin.

Freitag, 26.03.2021, 06:00 Uhr
Mit der Regenbogen-Fahne bezieht die Kirchengemeinde St. Laurentius eine Gegenposition zu einer Stellungnahme des Vatikan: „Bei uns werden alle Menschen gleich wertgeschätzt, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung“, sagt Pfarrer Klemens Schneider
Mit der Regenbogen-Fahne bezieht die Kirchengemeinde St. Laurentius eine Gegenposition zu einer Stellungnahme des Vatikan: „Bei uns werden alle Menschen gleich wertgeschätzt, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung“, sagt Pfarrer Klemens Schneider Foto: Siegmar Syffus

Die Kirchengemeinde St. Laurentius bekennt Farbe und zeigt zugleich Flagge. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Seit Donnerstag (25. März) ist eine große Regenbogenfahne an der Mauer des Sendener Gotteshauses aufgespannt.

„Das Symbol des Regenbogens, der in Vielfalt erstrahlt, steht für die Vielfalt menschlicher Lebensformen. Es gilt die Lebenswirklichkeit der Menschen anzuerkennen, auch der von Lesben, Schwulen, bisexuellen und transsexuellen Menschen. Die Fahne zeigt: Sie gehören dazu“, erklärt Pfarrer Klemens Schneider , welches Zeichen gesetzt werden soll. Die Durchführung der Aktion sei im Seelsorgeteam „sehr ausführlich“ erörtert und gemeinsam entschieden worden. Die Fahne sei zwar nur an der zentralen Kirche der Pfarrei angebracht worden. Die Aussage gelte jedoch für alle vier Teilgemeinden – für Senden, Bösensell, Ottmarsbocholt und Venne.

Anstoß für die Initiative gab eine Stellungnahme der vatikanischen Glaubenskongregation vom 15. März, dass homosexuelle Paare nicht gesegnet werden dürfen. „Gott könne Sünde nicht segnen“, hieß es darin. „In unserer Kirchengemeinde werden auch gleichgeschlechtliche Paar gesegnet. Das gilt schon seit Jahren. Mit der Fahne wollen wir unserer Haltung Ausdruck verleihen, dass wir alle Menschen gleich wertschätzen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung“, bezieht Klemens Schneider eine klare Gegenposition. So sei schon die Segensfeier zum Valentinstag ganz offen gestaltet worden – für alle Paare, die in einer Beziehung leben.

Dasselbe gelte für die von Pastoralreferentin Ulla Büssing-Markert initiierten und organisierten Reihe „Ein Jahr für uns“, die 2019 durchgeführt wurde. Alle Paare, egal ob hetero- oder homosexuell, konnten bei den angebotenen Veranstaltungen ihre Beziehung auf wertschätzende Art in den Blick nehmen und festigen.

„Ein Regenbogen entsteht meist nach einem kräftigen Regen und einem Gewitter, wenn danach die Sonne rauskommt“, hofft der Geistliche, dass die theologische Meinungsverschiedenheit im Sinne der Menschen geklärt werden kann. „In Nicht-Corona-Zeiten segnen wir Autos, Fahrräder, Tier und ich weiß nicht was“, führt der Gemeindepfarrer an. „Und was ist mit Menschen, die sich lieben? „Manchmal frage ich mich im stillen Kämmerlein“, gesteht Klemens Schneider mit ernster Miene: „Woher weiß Rom, was Gottes Wille ist?“

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