Umgestaltung der Herrenstraße rückt näher
„Traumtänzer“ bald ausgeträumt

Senden -

Der Platz für Traumtänzer, den die Künstlerin Anke Kahner mit Schülern der Edith-Stein-Schule und der Burgschule umgesetzt hatte, soll im Zuge der Umgestaltung der Herrenstraße weichen. Dadurch dass die Reihenfolge der Bauabschnitte verändert wird, rückt der Abschied jetzt bald näher. Die Künstlerin bedauert, dass sie über anstehende Schritte noch nicht informiert worden ist.

Montag, 05.04.2021, 16:34 Uhr aktualisiert: 05.04.2021, 16:36 Uhr
Wird um Zuge der Neugestaltung "rückgebaut": Der Platz der Traumtänzer soll weichen.
Wird um Zuge der Neugestaltung "rückgebaut": Der Platz der Traumtänzer soll weichen. Foto: di

Ausgeträumt: Der „Platz für Traumtänzer“ soll weichen. Im Zuge der Neugestaltung der Herrenstraße ist eine neue Planung für diese Fläche vorgesehen – wie diese genau aussieht, ist noch offen. Klar ist aber, dass sich das neue „Corporate Design“ in Sendens Ortskern – Fischgrät-Pflaster mit grauem Betonband – weiter ausbreiten wird. Die bunten Beton-Throne und die beiden bekrönten Schafe benötigen wohl einen neuen Standort. Dass darauf alles hinausläuft, ist auch Künstlerin Anke Kahner bewusst. Aber Informationen, was mit ihrem Projekt geschehen soll, hat sie noch nicht erhalten.

Was ist das für eine Art des Umgangs, mich noch nicht einmal anzusprechen.

Künstlerin Anke Kahner

„Was ist das für eine Art und Weise des Umgangs, mich noch nicht einmal anzusprechen“, bedauert die professionelle Künstlerin. Dadurch dass die Reihenfolge der Bauabschnitte verändert wird, rückt der Abschied jetzt bald näher.

Anke Knoke-Kahner mit ihrem Schafprojekt in ihrem Atelier in Ottmarsbocholt.

Anke Knoke-Kahner mit ihrem Schafprojekt in ihrem Atelier in Ottmarsbocholt. Foto: sff

Nach jüngsten Äußerungen der Bauverwaltung im Zuge der Diskussion um die zeitliche Verlagerung des Verkehrsversuchs Fußgängerzone zeichnet sich ab, dass der Baustart auf der unteren Herrenstraße (zwischen Bäckerei Geiping und Bücher Schwalbe) Anfang 2022 erfolgen könnte.

Dass die „Traumtänzer“-Installation sich einen neuen Standort suchen muss, ist spätestens seit dem einstimmigen Beschluss des Gemeindeentwicklungsausschusses vom 1. Oktober, die Neugestaltung der Herrenstraße einzuleiten, klar (die WN berichteten). Kahner – „ich bin die Künstlerin, ich habe Rechte an den Dingen“ – ist enttäuscht über die fehlende Kommunikation und erkennt im Vorgehen von Politik (manche Ausschussmitglieder fanden drastische Worte ihrer Geringschätzung des Platzes) und Verwaltung auch eine „mangelnde Wertschätzung“ gegenüber den Schülern der Edith-Stein- und der Burgschule, die sich bei der Realisierung des Platzes erheblich engagiert hätten. „Die waren so stolz“, erinnert sich Kahner.

Verweis auf soziale Bedeutung von Kunst

Sie weiß, dass das Platz-Projekt im Herzen Sendens von Anfang zeitlich befristet worden war. Der Kulturausschuss hatte 2012 beschlossen: Die „Traumtänzer“-Gestaltung bei Optik Dalinghoff solle „zunächst für einen Zeitraum von zwei Jahren umgesetzt werden“, wie es im Protokoll heißt. Ob und wie es weitergehen sollte, dafür sollten „Reaktionen der Bevölkerung gesammelt und ausgewertet werden“. Diesen Teil der Verabredung sieht die Künstlerin noch nicht als erfüllt an. Sie sieht sich als von der Politik ungeliebte Prophetin im eigenen Land. Diffuse Meinungsäußerungen in der Anfangsphase des Platz-Projektes entsprächen nicht einem Ermitteln und Auswerten eines echten Stimmungsbildes in der Bevölkerung, so Kahner.

Außerhalb Sendens sei ihre Arbeit „hoch geachtet“, andere Kommunen und Privatleute hätten schon Interesse an den Objekten bekundet. Doch für Kahner wäre es wichtig, wenn die beiden Schafe an zentraler Stelle stehen bleiben könnten. Denn sie verweisen auf das vom Land preisgekrönte Projekt „Viele Schafe – eine Herde“, das der Ökumenische Jugendtreff mit der Künstlerin auf die Beine gestellt hatte. Das Echo war enorm. Und der Beitrag für das Wir-Gefühl in Senden auch, weist Kahner auf einen sozialen Aspekt der Kunst hin. Sie kritisiert: Für Sendens Politiker „darf es nichts sein, dass der normale Bürger schön findet“.

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