Klaus Gilleßen sagt Rathaus nach 38 Jahren Adieu
Wahl-Sendener aus vollem Herzen

Senden -

Mit Klaus Gilleßen verlässt ein Verwaltungs-Urgestein das Rathaus der Gemeinde Senden. Dass er dort so lange, so große Zahnräder drehen würde, war anfangs gar nicht klar.

Samstag, 01.05.2021, 10:44 Uhr aktualisiert: 01.05.2021, 10:50 Uhr
Umringt von Kindern fühlt sich der vierfache Vater und achtfache Großvater Klaus Gilleßen wohl. Allein schon von daher hatte der scheidende Hauptamtsleiter stets ein besonders offenes Ohr für die Anliegen der Kitas und Schulen.
Umringt von Kindern fühlt sich der vierfache Vater und achtfache Großvater Klaus Gilleßen wohl. Allein schon von daher hatte der scheidende Hauptamtsleiter stets ein besonders offenes Ohr für die Anliegen der Kitas und Schulen. Foto: Siegmar Syffus

Als Klaus Gilleßen am 1.11.1983 seinen Dienst im Rathaus der Stevergemeinde antrat, war er ein waschechter, gebürtiger Münsteraner, der in Senden lediglich arbeiten wollte. „Damals hieß es“, erinnert sich der heute 63-Jährige schmunzelnd, „man möge dem jungen Mann nahelegen, in Senden zu leben.“ Das geschah dann 1989: Mit seiner Frau Annette, Tochter Kathrin und Sohn Alexander zog er an den Hagenkamp. Ganz aus freien Stücken und mit voller Überzeugung: „Durch meine Arbeit hatte ich viele Kontakte. Und es entwickelte sich der Wunsch, Teil dieser Gemeinde zu sein“, sagt der Hauptamtsleiter, der nach 38 Jahren bei der Gemeinde Senden am 1. Mai offiziell aus dem aktiven Dienst scheidet.

Rathauskonzerte und Maifest

Klaus Gilleßen ist längst ein Lokalpatriot im allerbesten Sinne, der sich für „seine Gemeinde“ sowie die Städtepartnerschaft mit Jessen und Koronowo in den vergangenen fast vier Jahrzehnten in vielfältiger Weise ins Zeug gelegt hat. Zu Beginn seiner Laufbahn war er im Kulturamt Mitinitiator unter anderem der Rathauskonzerte, des Maibaumaufstellens, des Maifestes und des Lichterabends.

1992 übernahm er die Leitung des Sozialamtes. „Diese Zeit war sehr prägend für mich“, sagt Gilleßen mit ernster Miene. „Mir wurde damals deutlich, dass wir auch ein Senden haben, das von Sorgen und Nöten betroffen ist.“ Seinerzeit suchten zahlreiche Flüchtlinge, Aus- und Übersiedler Wohnraum und eine neue Heimat in der Stevergemeinde. „Bei unserer Arbeit ging es nicht allein darum, den Menschen materielle, sondern vor allem auch lebenspraktische Hilfe zu leisten“, erklärt Gilleßen, unter dessen Amtsleitung mit Ina Kupske zum ersten Mal im Sendener Rathaus eine Sozialarbeiterin eingestellt wurde.

Für ein anderes, sehr umfangreiches Aufgabenfeld übernahm Klaus Gilleßen 1999 die Verantwortung. Denn als Leiter des Hauptamtes musste er die Bereiche Schule und Kindergarten, Fremdenverkehr sowie das Personalwesen, die IT-Abteilung im Rathaus sowie die Geschäftsführung für den Rat und diverse Ausschüsse managen.

Kinder-Wohl am Herzen

In ganz besonderer Weise lag dem mit Lukas und Johanna, zusammen mit Kathrin und Alexander insgesamt vierfachen Familienvater (und mittlerweile achtfachen stolzen Opa) das Wohl der Kinder am Herzen. „Um dieses Ziel zu erreichen, müssen sich Politik, Verwaltung, Schulen und Kitas im Zuge des gesellschaftlichen Wandels gemeinsam großen Herausforderungen stellen“, so Gilleßen. Schon vor circa 15 Jahren zeichnete sich der Bedarf nach Übermittagsbetreuung und zunehmend nach offenen Ganztagsangeboten ab. „Wir nahmen damals eine gewisse Vorreiterposition im Kreis Coesfeld ein. Ich war gemeinsam mit Ulrich Röttger, dem damaligen Leiter der Marienschule, in einigen Nachbarkommunen, um das sogenannte ,Sendener Modell‘ vorzustellen, das war zunächst die verlässliche Schule von 8 bis 13 Uhr“, erinnert sich Klaus Gilleßen.

Ganztag etabliert sich

Während sich der Ganztagsbetrieb an allen Sendener Schulen etablierte, setzte das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) durch den Rechtsanspruch auf Betreuung unter Dreijähriger eine Neustrukturierung der Kindergärten und die Schaffung zahlreicher (kleiner) Kita-Gruppen in Gang. In Kooperation mit dem DRK entstanden daher die neuen Kindergärten Buskamp, Steverspatzen, Davertgeister und Huxburg, wurden unter anderem die katholischen Kitas St. Urban und St. Johannes erweitert. Ein wenig stolz ist Klaus Gilleßen in diesem Zusammenhang darauf, „dass wir beim Neubau unseres gemeindeeigenen Kindergartens ‚An der Drachenwiese‘ schon vor dem Rechtsanspruch auf Betreuung von unter Dreijährigen als erste im Kreis einen Schlafraum eingerichtet haben.“ Die Einrichtung war am 1. Mai 2005 durch Brandstiftung zerstört und im Anschluss komplett neu errichtet worden.

Ein Teil des Ganzen

Genau 16 Jahre nach diesem in seinem Berufsleben einschneidenden Ereignis tritt Klaus Gilleßen jetzt die Freistellungsphase seiner Altersteilzeit an. „Ich bin glücklich und zufrieden, ein Teil des Ganzen gewesen zu sein und Positives in das Gefüge eingebracht zu haben“, resümiert er im Rückblick auf die Entwicklung Sendens und fügt dankbar hinzu: „Das gelang nur gemeinsam mit meinen engagierten Kolleginnen und Kollegen in einer von Vertrauen und Verlässlichkeit geprägten Zusammenarbeit.“

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