Kreis Steinfurt
Alte Loks ziehen aus dem Tief

Montag, 22.12.2008, 16:12 Uhr

Kreis Steinfurt / Ibbenbüren . „Jochen Engel ist ein Paradebeispiel“, sagt Ralph Jenders , stellvertretender Geschäftsführer des Ibbenbürener Begegnungszentrums für Ausländer und Deutsche. Engel lächelt, das Kompliment macht ihn ein wenig verlegen. Aber es passt: Der 40-Jährige war einer der ersten Teilnehmer des Feldbahn-Projektes, einer Maßnahme des Begegnungszentrums in Kooperation mit dem Münsterländischen Feldbahnmuseum e.V. in Rheine. Heute ist Jochen Engel stellvertretender Projektleiter.

Das Feldbahn-Projekt wird im Auftrag von STARK (Steinfurt Arbeitsförderung kommunal) seit 2006 in Ibbenbüren durchgeführt. Die Teilnehmer sind Alg II-Empfänger und werden vom Fallmanagement der Stadt Ibbenbüren und von der GAB (Gemeinsam für Arbeit und Beschäftigung) aus der gesamten Region in die Maßnahme vermittelt.

In der alten Werkhalle der ehemaligen Anlage „ Marianne Schacht “ der RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH wird eifrig gewerkelt: Alte Loks, geliefert vom Münsterländischen Feldbahnmuseum e.V., stehen in der Halle und werden wieder auf Hochglanz gebracht. Die 18- bis 56-jährigen Teilnehmer, die als noch nicht beschäftigungs- bzw. ausbildungsfähig gelten, säubern, schweißen und streichen. So verwandelt sich eine rostige Lok in ein echtes Schmuckstück. Eines soll im Frühjahr am Ibbenbürener Aasee aufgestellt werden und an die Anfänge des Ibbenbürener Bergbaus erinnern.

Andere Loks bleiben beim „Marianne Schacht“. Es gab bisher zwei Tage der offenen Tür beim Feldbahn-Projekt. Dann erzählen Eltern und Großeltern ihren Kleinen vom Bergbau, von ihrem Beruf unter Tage. An solchen Tagen fährt auch tatsächlich eine Feldbahn. Noch ist ihr Weg nicht lang an der ehemaligen Schachtanlage, aber „da sind wir dran“, versichert Jenders.

Ziel der Maßnahme ist neben der Restaurierung der Feldbahnen und der Verlegung von entsprechenden Gleisanlagen auch, die Teilnehmer fit für den ersten Arbeitsmarkt zu machen. 35 bis 40 Prozent sind nicht nur fit genug, sie bekommen auch einen Job im Anschluss an ihre vier- bis sechsmonatige Zeit in der ehemaligen Schachtanlage „Marianne Schacht“.

Einige Teilnehmer, die engagiert und motiviert sowie interessiert an den Arbeiten sind, haben die Möglichkeit, einen Schweißerschein zu absolvieren. „Leute mit diesem Schein haben gleich einen Job“, versichert Ralph Jenders.

Problematisch ist in manchen Fällen das Sozialverhalten der Teilnehmer. „Manche haben nie ein Vorbild gehabt“, sagt Karin Steingröver, Geschäftsführerin des Begegnungszentrums, haben psychische Probleme oder sind suchtkrank. Andere sind gewaltbereit und lernen erst im Feldbahn-Projekt, dass man Schemen akzeptieren muss. Oft fehlt die Lebensperspektive, meint Projektleiter Thomas Stark. Jenders ist überzeugt: „Wenn der Tag Struktur kriegt, hat man eine Perspektive.“

Dann stehen auch Bewerbungsschreiben auf dem Tagesprogramm. Dabei helfen Jenders und Steingröver im Begegnungszentrum. Die beiden sind auch die Ansprechpartner, wenn die Teilnehmer Schwierigkeiten haben, die die Projektleiter nicht lösen können. „An das Begegnungszentrum sind Beratungsinstanzen angedockt“, erläutert Jenders. „Wir helfen auch bei der Suche nach einem Therapeuten“, so Steingröver.

Jochen Engel brauchte diese Hilfe nicht. Aber gut ging es ihm nicht, als er 2005 zum Feldbahn-Projekt kam. Seit rund einem Jahr war er arbeitslos. „Ich hatte zu Hause nicht die Erfüllung, obwohl ich für die Kinder gesorgt habe“, sagt der 40-Jährige. Ralph Jenders berichtet, dass arbeitslose Menschen oft eine „depressive Phase“ durchlitten, sich „gar nicht mehr gebraucht“ fühlten. Das soll sich in der ehemaligen Schachtanlage ändern.

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