Kreis Steinfurt
Das Virus reist per Wildschwein

Freitag, 05.06.2009, 16:06 Uhr

Kreis Steinfurt - Für die Bauern im veredlungsstarken Kreis Steinfurt wäre ein Ausbruch der Schweinepest ein Alptraum: Die Vermarktung von lebenden Schweinen oder Schweinefleischprodukten in die EU oder Drittländer käme zum Erliegen, der wirtschaftliche Schaden wäre immens. Größter Risikofaktor für das Auftreten der gefürchteten Tierseuche sind derzeit Wildschweine , die mit dem Schweinepestvirus infiziert sind. Kreis-Veterinär Dr. Christoph Brundiers appellierte deshalb bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Ernährung und Landwirtschaft an die Jäger im Kreis, das Schwarzwild stärker zu bejagen, als es in der Vergangenheit der Fall gewesen sei. Brundiers: „Der Populationszuwachs muss gestoppt werden. Da stehen die Jäger in der Pflicht.“

Noch hat es im Kreis zwar kein infiziertes Wildschwein gegeben, aber der Virus rückt langsam näher. Waren früher, zuletzt 2007, ausschließlich Wildschweine im linksrheinischen Grenzgebiet zu Rheinland-Pfalz von der Seuche befallen, sind es seit Anfang dieses Jahres auch Tiere in den rechtsrheinischen Kreisen Rhein-Sieg und Rheinisch-Bergischer Kreis. Bei insgesamt 22 Tieren, so Brundiers, sei dort der Schweinepesterreger festgestellt worden.

Den Jägern komme eine ganz besondere Verantwortung zu, damit das Virus nicht in die hiesige Region eingeschleppt werde, meinte der Kreis-Veterinär und forderte „allerhöchste Wachsamkeit“ für die Symptome der Schweinepest sowie eine „konsequente Personal- und Ausrüstungshygiene“, da Jäger oft auch Zugang zu Hausschweinebeständen hätten.

Jedes geschossene Stück Schwarzwild sollte per Blut- oder Organprobe auf den Schweinepesterreger untersucht werden, sagte Brundiers, Das Kreis-Veterinäramt stelle hierfür kostenlos Probenahmeutensilien zur Verfügung und hole die Proben zur Untersuchung ab. Die Hegeringleiter seien hierüber bereits Anfang Mai informiert worden.

Eindringlich forderte Brundiers die Jäger auf, die Wildschweinbestände weiter zu reduzieren. Insbesondere müssten mehr Frischlinge als Haupt-Virusüberträger geschossen werden. Auch der Einsatz von Frischlingsfallen sei erlaubt, Schonzeiten seien aufgehoben worden.

Auch im Kreisgebiet habe sich das Schwarzwild, das früher gar nicht oder nur sporadisch vorkam, stark vermehrt. 2007 seien 47 Wildschweine im Kreis geschossen worden - „nur die Spitze des Eisbergs.“ Ziel müsse sein, den Bestand auf weniger als zwei Tiere pro 100 Hektar Fläche zu reduzieren.

Für Wolfgang Pieper , Vorsitzender der Kreisjägerschaft Steinfurt/Tecklenburger Land, ist dieses Ziel schon erreicht. „Weniger als 1 Wildschwein pro 100 Hektar“ sei momentan der Bestand im Kreis. Er kenne zwar noch nicht die genaue Zahl, aber die Schwarzwild-Strecke in 2008 sei bereits deutlich geringer als 2007 ausgefallen. „Als das anfing mit den Wildschweinen, haben wir sie gleich sehr stark bejagt“, meinte Pieper. Die hiesigen Reviere seien primär Niederwild-Reviere, „Schwarzwild wollen wir nicht.“

Dass sich die Wildschweine so vermehrt haben, liege am verstärkten Maisanbau, auch als Folge des Biogas-Booms. In den großen Maisfeldern fänden die Wildschweine viel Nahrung und leichte Verstecke. Pieper appellierte an die Landwirte, Maisfelder nicht direkt bis an die Waldkante anzulegen, sondern eine Schneise frei zu halten, auf der ein Hochsitz errichtet werden könne. „Sonst haben wir Jäger keine Chance“. Entsprechende Vereinbarungen mit der Landwirtschaft, so kündigte er an, seien in Vorbereitung. Die Jäger würden sich der „gemeinsamen Anstrengung“ nicht verweigern, betonte Pieper, verwies aber auch auf bereits erzielte Erfolge. So gebe es seiner Einschätzung nach derzeit nur noch „Restbestände“ von Schwarzwild im Kreis.

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