Kreis Steinfurt
„Man wird nicht reich, aber immer bereichert“

Dienstag, 30.06.2009, 14:06 Uhr

Kreis Steinfurt - „Es gibt viel zu wenig Pflegeeltern“ wissen Heidi Lütke-Uhlenbrock und Maria Weißberg , Pflegeeltern-Beraterinnen bei der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland aus ihrer alltäglichen Praxis. Um das zu ändern, haben die Beraterinnen ein Pflegeelternpaar aus Metelen und zwei Pflegemütter aus Gronau und Neuenkirchen eingeladen. Sie sollen von ihren Erfahrungen berichten und Eltern Mut machen, die mit dem Gedanken spielen, ein Pflegekind in ihrer Familie aufzunehmen.

Gerhard und Regina M. haben insgesamt vier Pflegekinder, die heute zum Teil schon erwachsen sind. Zwei Kinder, damals noch in einem anderen Bundesland, seien mehr oder weniger „ad hoc“ in der Familie gelandet, erst zur zeitlich befristeten Pflege, sind dann aber doch auf Dauer geblieben. „Strukturierter“ und deshalb besser sei das bei den anderen beiden Kindern im Kreis Steinfurt abgelaufen - ganz langsam habe man Kontakt aufgenommen, sich kennengelernt. Die leibliche Mutter, so Gerhard M. habe sich vorher verpflichtet, dass ihr Kind in der Pflegefamilie groß werden soll. „Die Pflegeeltern lernen die leiblichen Eltern kennen“, stellt Lütke-Uhlenbrock klar. Angestrebt sei auch, den Kontakt zu den leiblichen Eltern zu erhalten, wenn dieser keine Gefährdung des Kindes bedeute. Solche Kontakte liefen aber immer „kontrolliert“, d.h. über die Beratungsstelle. Solange Gerichtsverfahren laufen, findet keine Vermittlung statt.

Wie bei den meisten Pflegeeltern war auch für Claudia K. die eigene Kinderlosigkeit ausschlaggebend für den Beschluss, auf andere Art Mutter zu werden. „Unser Sohn hat nach drei Monaten entschieden: Ich will zu euch. Da war er fünf Jahre alt. Man sollte aber Geduld haben und das Kind nie drängen,“ erinnert sie sich. Das A & O für Pflegeeltern sei nicht anders als das für leibliche Eltern - man sollte das Kind lieben und eigene Fehler eingestehen. Natürlich gebe es die Frage „Kann ich das schaffen?“ aber manchmal müsse man sich einfach mehr zutrauen.

Das hat Elisabeth S. auf jeden Fall getan. Sie pflegt seit fast 20 Jahren zwei Kinder, die durch den Alkoholkonsum der Mutter schwer und auf Dauer behindert sind. Bereut hat sie es nie: „Die sind so liebenswert in ihrer Art, sind solche Persönlichkeiten, das macht viel Spaß.“

Natürlich werden Pflegefamilien fortwährend beraten - es gibt regelmäßige Stammtische, Fortbildung und immer einen Ansprechpartner. Auch finanzielle Unterstützung. Sie erhalten eine Pauschale für den materiellen Aufwand für das Kind (Kleidung, Wohnen, Essen) und eien Aufwandsentschädigung, dazu Kindergeld und evtl. Pflegegeld. „Reich wird man davon nicht“, sagt Claudia K., aber „eine Bereicherung“ sei das Leben mit einem Pflegekind auf jeden Fall. Deshalb überlegt sie auch, jetzt, nachdem ihr Sohn schon 15 ist, ein zweites Kind aufzunehmen.

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