Kreis Steinfurt
Im Wald und am Uferrand gedeiht Naturschutz

Montag, 21.12.2009, 18:12 Uhr

Kreis Steinfurt - Die Grundidee war simpel: Gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe in die Natur werden nicht mehr isoliert nach dem Zufallsprinzip umgesetzt, sondern im Zusammenhang eines fachlichen Gesamtkonzeptes. Heute, fünf Jahre nach dem ersten Grunderwerb, ist das Konzept der Naturschutzstiftung des Kreises weitgehend aufgegangen: Die Stiftung weist derzeit einen Flächenpool im Umfang von 264 ha auf und 1,6 Millionen Euro sind mit dem Abschluss von Ablösevereinbarungen eingenommen worden. Die Liste bereits umgesetzter Maßnahmen (siehe zum Thema) wächst von Jahr zu Jahr.

Udo Schneiders , Geschäftsführer der Stiftung, ist davon überzeugt, dass ein „Mehr“ für den Natur- und Artenschutz nur in Kooperation mit der Landwirtschaft erreicht werden kann. In einer Zeit, da der allgemeine Flächenverbrauch die Konkurrenz um landwirtschaftliche Nutzflächen immer mehr verschärfe, dürfe nur noch in ganz besonderen Ausnahmefällen auf Acker- und Grünlandflächen zurückgegriffen werden, um einen Ausgleich zu realisieren. Deshalb lägen auch zwei Drittel oder 164 ha der Pool-Ausgleichsflächen in Vorranggebieten für den Naturschutz , also in FFH- und Vogelschutzgebieten, Naturschutzgebieten oder Flächen des Waldbiotopschutzprogramms.

Auf die Frage, was er von der Kritik halte, die Naturschutzstiftungg verbessere nur Flächen, die ohnehin schon in einem ökologischen Topp-Zustand seien und diene also letztlich nur als Alibi, um die Interessen der Landwirtschaft nicht anzutasten, antwortet Schneiders entschieden: „ So eine Kritik ist objektiv falsch. Die Untere Landschaftsbehörde erkennt Ausgleichmaßnahmen nicht an, wenn sie nicht eine wirkliche Verbesserung bringen.“ Auch in Naturschutzgebieten gebe es Ackerflächen, die man durch Blänken aufwerten könne. Und monotone Fichtenwälder durch gesunden Mischwald zu ersetzen sei ebenfalls eindeutig eine ökologische Verbesserung. Kreis-Baudezernent und Vorsitzender der Naturschutzstiftung, Franz Niederau , gibt zu, dass solche Fragen auch in der Sitzung des Beirates eine Rolle gespielt hätten. So sei seitens des ehrenamtlichen Naturschutzes gefordert worden, mehr Flächen sich selbst zu überlassen - „Sukzession“ heißt dafür der Fachbegriff. „Unsere Auffassung ist aber , dass es sich um eine Kulturlandschaft handelt“, sagt Niederau - und da seien gestaltende Eingriffe erlaubt und notwendig.

Vor allem im Wald und an Uferrandstreifen von Gewässern sollen sich künftige Ausgleichsmaßnahmen konzentrieren. Wertvolle Eschflächen dagegen wollen wir für die Landwirtschaft erhalten“, sagt Schneiders. Ob sich die Stiftung auch an die Renaturierung von Industriebrachen heranwage? Noch sei das Zukunftsmusik, sind sich Niederau und Schneiders einig - zu wenig abschätzbar seien die Folgen einer solchen Sanierung, das Risiko zu groß. Durchaus vorstellbar sei aber, dass eine Behörde Vorarbeit betreibe und die Stiftung dann quasi die Feinarbeit sowie Pflege und Unterhalt übernehme.

Erträge in sechstelliger Höhe aus dem Stiftungsvermögen werden übrigens auch im „ideelen Bereich“ eingesetzt. So wurde unter anderem der Naturerlebnisweg Westerkappeln angelegt, eine Schwarzpappelpflanzaktion durchgeführt, wurden historische Heck-Weidetore aufgestellt und es werden demnächst die ersten Beobachtungstürme in Wisenvogelschutzgebieten errichtet. Auch das Projekt einer „Waldaktie“ (wir berichteten) wird in Angriff genommen.

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