Kreis Steinfurt
Solar-Boom im Endspurt

Freitag, 29.01.2010, 16:01 Uhr

Kreis Steinfurt - „Ich gehe fest davon aus, dass die Reduzierung zum 1. April kommt“, sagt Ulrich Ahlke , Agenda-21-Manager bei der Kreisverwaltung . Gemeint ist die abermalige Absenkung der Einspeisevergütung für Solar-Strom, nachdem schon zum Jahresanfang die Vergütung im Rahmen der normalen Degression gekürzt wurde. Statt derzeit 39,14 Cent/kWh würde es dann bei einer Dachanlage bis 30 kW nur noch 33,6 Cent pro kWh geben. Noch stärker soll die Vergütung für Strom von Fotovoltaik-Anlagen auf Ackerflächen gekürzt werden - noch gibt es hier 28,4 Cent/kWh.

Solarmodule auf Ackerflächen, die gebe es im Kreis Steinfurt noch nicht, meint Ahlke. Sie seien auch nicht erwünscht, vergrößerten sie doch den landwirtschaftlichen Flächendruck. Gleichwohl gebe es jedoch einige Anträge für solche Anlagen, über die aber noch nicht entschieden sei. Was die Dachanlagen betreffe, so rechne er durchaus mit einem Nachfrage-Knick. Langfristig werde die Installation von Dachanlagen aber sicher attraktiv bleiben, befürchtet Ahlke keine zu großen Auswirkungen auf das „energieautark 2050“-Programm des Kreises, das zum Ziel hat, sämtlichen im Kreis benötigten Strom bis zum Jahr 2050 aus erneuerbaren Energien zu gewinnen.

Wieviel Strom aus Sonne derzeit schon im Kreisgebiet erzeugt wird? Das sei ganz schwer zu sagen, meint Ahlke. Derzeit erstelle die Kreisverwaltung jedoch eine CO²-Bilanz für den gesamten Kreis, in der auch dieser Wert beziffert werden soll: „Schließlich wollen wir unsere Erfolge auch nachweisen können.“

Die Ankündigung der Einspeisesenkung zum 1. April habe derzeit zu einem Nachfrage-Boom geführt, weiß Ahlke, den die Betriebe kaum noch erfüllen könnten, zumal die Witterung die Dach-Montage erschwere oder unmöglich mache. „Unsere Auftragsbücher sind randvoll, bestätigt Hans-Georg Uhle , Geschäftsführer der NLF GmbH in Saerbeck, die schon viele hundert Dachanlagen montiert hat. Ob es noch klappe, bis zum 1. April eine Fotovoltaik-Anlage sozusagen als „Schnellschuss“ in Betrieb zu nehmen, das hänge vor allem von der Einspeisegenehmigung ab. „Das ist der große Knackpunkt“, sagt Uhle. Bei der RWE, von der die meisten Bürger im Kreis ihren Strom bezögen, dauere das acht bis zwölf Wochen; schneller arbeiteten Stadtwerke wie die in Emsdetten, wo man nur vier Wochen warten müsse. Auch Uhle glaubt nicht an ein Ende des Solarbooms, sollten die niedrigeren Erlöse kommen. Für stomintensive Betriebe sei es ohnehin günstiger, den selbst erzeugten Strom auch selbst zu verbrauchen und eine Ausgleichsprämie zu kassieren; alles in Allem komme man damit auf 47 Cent/kWh.

Und für alle, die den Solar-Zug schon für sich schon abgefahren glauben, hat Uhde eine ganze aktuelle Nachricht aus Fachkreisen parat. Demnach gebe es gute Chancen, dass die Einschnitte für Dachanlagen statt zum 1. April doch erst zum 1. Juli kommen werden. Derzeit sind immerhin zweistellige Renditen mit Solarstrom möglich; nach der Reduzierung würde die Rendite auf rund vier Prozent schrumpfen.

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