Kreis Steinfurt
Unfalltote fast auf Tiefststand

Montag, 08.02.2010, 15:02 Uhr

Kreis Steinfurt - Als „sehr erfreulich“ bewertete Landrat Thomas Kubendorff gestern die Entwicklung der Verkehrsunfall-Zahlen des Jahres 2009 im Kreis Steinfurt. Zwar gab es mit insgesamt 10 513 so viele Unfälle wie noch, aber bei einer der wichtigsten Kennziffern, der Zahl der Unfalltoten, war ein Rückgang von 31 Toten im Jahr 2008 auf nur nur 18 festzustellen. „18 sind natürlich immer noch 18 zu viel“, betonte der Landrat. Die Zahl von 18 Verkehrstoten sei aber die zweitniedrigste, die jemals im Kreisgebiet registriert wurde. Kubendorff erinnerte an die 70er Jahre, als regelmäßig bis zu 112 Verkehrstote pro Jahr im Kreis zu beklagen waren: „Das sind heute unvorstellbare Zahlen.“

Der Leitende Polizeidirektor Wilfried Kampmann führte das Todes-Tief auf eine Vielzahl von Faktoren zurück: Die passive Sicherheit der Fahrzeuge sei gewachsen, der Rettungsdienst sei effektiver geworden, mit der Abwrackprämie habe sich die Zahl der alten und weniger sicheren Fahrzeuge verringert. Auch die polizeiliche Arbeit zahle sich nun aus und „vielleicht ist ja auch die Vernunft der Autofahrer gewachsen.“

Bei aller Freude über die drastisch gesunken Todeszahlen verwies Kampmann aber auch auf die im Landesvergleich „außergewöhnlich hohe Zahl“ der Verkehrsunfälle mit Personenschaden von rund 15 Prozent (1579 nach 1648 in 2008). Diese Zahl zu senken, werde 2010 einen Schwerpunkt der polizeilichen Arbeit bilden. „Daran wollen wir uns messen lassen“, sagte Kampmann. In diesem Zusammenhang verwies er auch auf ein anderes Problem: Die nach wie vor hohe Zahl von Unfallfluchten. 1869 waren es in 2009, davor 1865; die Zahl der Unfallfluchten mit Personenschaden ging von 184 auf 173 zurück. Trotz der hohen Aufklärungsrate beim letztgenannten Delikt von 66,5 Prozent gebe es Handlungsbedarf. Angestrebt sei, die Aufklärungsquote auf 70 bis 75 Prozent zu steigern.

Um diese Ziele zu erreichen, so Kampmann, habe die Polizei die Arbeit ihrer Verkehrs-Direktionen konzentriert. Alle Unfallfluchten mit Personenschaden würden jetzt zentral in Rheine bearbeitet, alle Unfälle mit tödlich Verletzten in Ibbenbüren. Die guten Erfahrungen mit der Einführung spezialisierter Unfallflucht-Sachberabeiter im Jahr 2006 habe die Polizei in dieser Entscheidung bekräftigt.

Kampmann kündigte zudem den Einsatz eines neuen Geschwindigkeitsmessystems namens „ ESO “ an. Dieses arbeite mit einer Lichtschrankentechnik und könne auch dort eingesetzt werden, wo Lasermessungen schwierig oder unmöglich seien. Unter anderem köne man mit ESO in beide Richtungen und über mehrere Spuren Geschwindigkeiten messen.

Klaus Stockel, Leiter der Direktion Verkehr, präsentierte im Detail weitere Kennzahlen zur Unfallentwicklung. Hier eine Auswahl:

» Die Zahl von 10 513 Unfällen teilt sich auf in 1579 mit Personen- und 8934 mit Sachschäden.

» Der Fahrzeugbestand im Kreis Steinfurt stieg von 280 000 im Jahr 1999 über 300 000 im Jahr 2004 auf zuletzt 320 000. Die Einwohnerzahl stieg von 434 885 in 1999 auf jetzt 444 399.

» Bei den Unfall-Toten fällt der Rückgang von acht tödlich verunglückten Motorradfahrern in 2008 auf nur noch einen tödlich verunglückten Rollerfahrer in 2009 auf. Hier, so Stockel, wirkten sich die Kontrollen beliebter Raserstrecken mit mit Provida-Videotechnik ausgestatteten Fahrzeugen aus. Diese Strategie werde 2010 fortgesetzt.

» Die Zahl der verletzten Personen sank von 1971 auf 1895.

» Die Verunglücktenhäufigkeitszahl (Verunglückte pro 100 000 Einwohner) sank von 450 auf den Tiefstand von 430 - im Jahr 2000 lag sie noch bei 553.

» 226 Kinder wurden 2009 bei Verkehrsunfällen verletzt; im Vorjahr waren es noch 237.

» Sorgen bereitet die zunehmende Zahl verunglückter „junger Erwachsener“ im Alter von 18 bis 24 Jahren. 2009 waren es 378 nach 354 im Vorjahr. Bei einem Bevölkerungsanteil von 8,7 Prozent liegt die Unfall-Beteiligung dieser Gruppe aber bei 15,7 Prozent, ist also deutlich überrepräsentiert. Leichtsinn und mangelnde Gefahreneinschätzung seien in diesem Alter häufig zu finden, sagte Kampmann.

» 231 Senioren verunglückten 2009, im Vorjahr waren es 211. Zwar seien die Senioren als Opfer wie auch Verursacher von Unfällen deutlich unterrepräsentiert, aber im Zehn-Jahresvergleich die einzige Gruppe mit Zuwachs, sagte Stockel.

» Häufigste Ursachen bei den Unfällen mit Personenschaden waren Fehler bei Vorfahrt/Vorrang (381, Vorjahr 407), Abbiegen/Wenden (267/314), Geschwindigkeit (255/284), Abstand (137/153) und Alkohol (94/125)

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/298312?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F698540%2F698552%2F
Klima-Aktivisten fordern stadtweite City-Maut
Aktivisten von „Fridays for Future“ präsentierten am Freitagnachmittag ihre Forderungen an die Stadt Münster.
Nachrichten-Ticker