Kreis Steinfurt
„Dabei liegt das Gute so nah“

Montag, 05.07.2010, 17:07 Uhr

Kreis Steinfurt - Das Mineralwasser kommt aus dem Schwarzwald, die Kartoffeln aus Niedersachsen und das Schweinefleisch sogar aus Dänemark - bevor ein Mittagessen auf den Kantinentellern in der Region landet, hat es bereits oft eine weite Reise hinter sich gebracht. „Dabei liegt das Gute so nah“, sagt Prof. Dr. Petra Teitscheid - und das nicht nur, weil sie selbst im Münsterland lebt und an der Fachhochschule Münster lehrt. Von den Vorteilen regionaler Produkte ist die Hochschullehrerin vom Fachbereich Oecotrophologie überzeugt: Schutz des Klimas durch kurze Transportwege oder Schaffung von Arbeitsplätzen etwa.

Doch was für den normalen Verbraucher schnell auf dem Wochenmarkt zu kaufen ist, stellt Großküchen vor enorme Probleme. „Selbst wenn sie sich ganz bewusst für Lebensmittel aus der Region entscheiden, ist die Umsetzung dieses Wunsches noch lange nicht einfach.“ Zu hoch sei oft der Kostendruck, zu begrenzt die Anzahl der Lieferanten. Wie Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung trotzdem auf Obst, Gemüse und Fleisch aus ihrem Umland zurückgreifen können, untersuchte Teitscheid mit ihrem Team von Institut für Nachhaltige Ernährung und Ernährungswirtschaft (iSuN). Jetzt stellten sie ihre Ergebnisse vor.

Das Agenda-21-Büro des Kreises Steinfurt hatte das Projekt „Regionale Produktvielfalt in Großküchen und Kantinen!“ initiiert und das iSuN mit der wissenschaftlichen Begleitung beauftragt. Gemeinsam mit acht Pilotküchen und einem Großhändler aus der Region hatte das Institut seit Herbst letzten Jahres nach Lösungen gesucht, um den Titel der Initiative in die Realität umzusetzen. Herausgekommen ist neben einem Kochbuch auch ein umfangreicher Leitfaden, an dem sich die Küchen unter anderem beim Einkauf orientieren können. Denn gerade hier liege der Knackpunkt des Unterfangens, bestätigt Silke Friedrich vom iSuN. „Direktvermarkter bieten oft nur teilweise verarbeitete Produkte an. Kantinen sind aber etwa auf geschältes Gemüse angewiesen.“ Der Großhandel sei in seinen Strukturen zumeist deutschlandweit organisiert - und eben nicht auf eine Region ausgerichtet. „Dennoch sind wir optimistisch, was das Erreichen unseres Ziel angeht.“ Schweinefleisch sei beispielsweise vom Ferkel bis zum fertigen Braten aus dem Münsterland zu beziehen.

„In den Küchen selbst gilt es besonders, die Mitarbeiter zu informieren und zu motivieren, den Gedanken der Regionalität mit zu tragen“, so Oecotrophologin Barbara Veer vom iSuN. An die Berufsanfänger richtet sich daher auch speziell ein von Studierenden der Fachhochschule Münster entwickeltes Kochbuch. Als Teil des Projekts stellten sie rund 20 Rezepte zusammen, die angehenden Beiköchen „kurz, klar und verständlich“ zeigen, wie sie aus Lebensmitteln der Region beispielsweise einen Nudelsalat zubereiten können.

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