Kreis Steinfurt
Schatz wird (noch) nicht gehoben

Mittwoch, 30.06.2010, 16:06 Uhr

Kreis Steinfurt - Unter den Plastikplanen und den Erdschichten der Oberfächenabdichtung der beiden Mülldeponien im Kreis, in Altenberge und in Ibbenbüren/Uffeln, schlummern Millionenwerte. Das weiß auch Manfred Wöste , kaufmännischer Leiter der kreiseigenen Entsorgungsgesellschaft EGST. „Urban minin“ ist das Zauberwort, diese Ressourcen zu nutzen. Auf deutsch etwa: „Bergbau in der Stadt“. Zuletzt war es NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben, die auf das ungenutzte Rohstoffpotenzial in den Deponien hingewiesen hatte. „Wir müssen die Sekundärrohstoffe mobilisieren“ forderte sie vor zwei Wochen.

„Noch ist das Zukunftsmusik“, glaubt Wöste, sagt aber auch: „Wir halten das im Blick.“ Noch sei keine Firma an die EGST mit dem Anliegen herangetreten, aus den Deponien Rohstoffe zu fördern und für die EGST selber sei die se Aufgabe wohl eine Nummer zu groß. Vor allem Eisen, Kupfer und Zink könnten aus dem Müll von gestern gewonnen werden. Je teurer diese Metalle am Weltmarkt gehandelt werden, desto wirtschaftlicher könnte der Deponie-Bergbau sein.

Prof. Dr.-Ing. Gerhard Rettenberger von der FH Trier geht davon aus, dass in einer Deponie mit 500 000 Tonnen Siedlungsabfall 17 000 Tonnen Eisenschrott, 570 Tonnen Kuperschrott und 330 Tonnen Aluminiumschrott enthalten sind; außerdem eine heizwertreiche Fraktion, die einem Heizölverbrauch von 140 Millionen Liter Heizöl entspricht.

„Wenn urban mining tatsächlich zu einem Erfolgsmodell wird, dann schließe ich unsere Deponien davon nicht aus“, sagt Wöste angesichts solcher Zahlen.

Macht es dann aber Sinn. die begonnene Oberflächenabdichtung weiterzuführen, wenn demnächst Bagger den Müll wieder herausholen? „Die Bezirksregierung schreibt uns das vor. Sie müsste einen Abdichtungs-Stopp aussprechen“, erklärt der EGST-Prokurist. Aber: Noch sind die beiden Deponien nicht vollständig abgedichtet. Uffeln sei zu drei Vierteln abgedichtet. In Altenberge sei die Deponie 2 noch gar nicht abgedichtet, auch bei der Deponie 1 gebe es noch offene Abschnitte. Außerdem: „Man kann die Oberflächenabdichtung auch wieder durchbrechen“, sagt Wöste.

Je älter eine Deponie sei, desto mehr Wertstoffe seien dort zu vermuten. „Wo der Müll zwischen 1993 und 2000 abgelagert wurde, da würde ich als erstes suchen“ , weiß Wöste. Denn das war die Zeit vor dem Dualen System, als Dosen und andere Metalle noch nicht aussortiert wurden.

Doch vorerst bleibt dieser Schatz ungehoben, die Deponien eine Art Spardose für die Zukunft. Bei weiter steigenden Rohstoffpreisen könnte sich das schnell ändern.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/169471?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F698540%2F698547%2F
Mega-Serie der WWU Baskets endet in Schwenningen – aber noch ist alles drin
Alex Goolsby (r.) und die Baskets verloren erstmals seit Monaten wieder.
Nachrichten-Ticker