Kreis Steinfurt
Kreis will bei Eheberatung sparen

Donnerstag, 26.08.2010, 17:08 Uhr

Kreis Steinfurt - Für Eleonore Meiners ist es eine wahre „ Hiobsbotschaft “: Der Kreis Steinfurt wolle seinen jährlichen Zuschuss von rund 84 000 Euro für die Arbeit der fünf Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen (EFL) im Kreis Steinfurt halbieren. Sollte diese Ankündigung wahr werden, so fürchtet die Leiterin der EFL-Beratungsstelle in Steinfurt - weitere gibt es in Emsdetten, Greven, Ibbenbüren und Rheine - dass ein Personalabbau unvermeidbar werde. Noch sei die angekündigte Kürzung „nur“ ein Vorschlag des Kreis-Jugendamtes, hofft sie darauf, dass die Kreis-Politik während den kommenden Etat-Verhandlungen noch ein Einsehen hat: „Sparen an Präventionsangeboten ist Sparen an der falschen Stelle.“

Insgesamt 6,5 volle Stellen unterhalten derzeit die ELF-Stellen im Kreis. Hauptfinanzier mit 64,1 Prozent oder 413 000 Euro ist das Bistum Münster als Träger der Einrichtung. Die Städte steuern 16,9 Prozent bei, das Land 6,0 und der Kreis besagte 13,1 Prozent.

Schon heute gebe es lange Wartelisten für eine Beratung, sagt Meiners, die gestern zusammen mit den EFL-Leiterinnen aus Rheine, Elisabeth Emmerich, und Ibbenbüren, Christel Kaul-Richters, vor die Presse trat. „Wenn Ehen zerbrechen, zerbrechen auch die Elternhäuser“, erinnerte Kaul-Richters an zu erwartende Folgekosten in der Jugendhilfe. Es sei nun einmal „signifikant“ dass Kinder aus Trennungshaushalten einen höheren Bedarf an Jugendhilfeleistungen hätten.

Die angekündigte Kürzung sei ein Beispiel dafür, wie „Sparen Kosten verursacht“, befand auch Elisabeth Emmerich. Der Kreis Steinfurt bekomme „für ´ nen Appel und ´nen Ei“ ein Netz von Beratungsstellen, das er jetzt leichtfertig aufs Spiel setze. Eltern minderjähriger Kinder hätten nach Paragraph 17 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes einen Rechtsanspruch auf eine Beratung in Partnerschafts-Fragen. Auch das zeige den hohen Stellenwert des ELF-Angebotes

Im Übrigen zeige sich gerade jetzt zum Ende der Urlaubszeit, wie groß der Bedarf nach Ehe- und Paarberatung sei, betonen die drei Beraterinnen. Nicht erfüllte gegenseitige Erwartungen, Enttäuschen, Sprachlosigkeit: Im Urlaub würden schon länger vorhandene, aber vom Alltag überdeckte Mängel einer Beziehung oftmals besonders intensiv erlebt und endeten nicht selten in einer ernsten Beziehungskrise oder gar Trennung. Das sei regelmäßig in einem wahren Ansturm zum Ferienende zu spüren, so auch in diesen Tagen. „Unser Anliegen ist, solche Paare zu ermuntern, unsere Angebote anzunehmen“, sagt Kaul-Richters. Das Thema ernst zu nehmen, rechtzeitig hinzugucken, das sei die beste Strategie gegen die so gefürchtete „negative Eskalationsschleife“.

» www.efl-bistum-ms.de

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