Kreis Steinfurt
Künstlerische Lichtblicke

Donnerstag, 30.12.2010, 19:12 Uhr

Gravenhorst/Kreis Steinfurt - Angefangen hat alles damit, als sie ihre Zeichnungen nicht richtig beleuchten konnte. weil ein Raum keinen Strom hatte. Da erinnerte sich Nikola Dicke an Kinder im Kindergarten, wie sie Bilder aus einer Wachsschicht herauskratzen - und ihr ging ein Licht auf, ein Licht, das fortan ihr künstlerisches Schaffen prägen sollte. Denn Licht fällt bei ihr nicht mehr von außen auf eine Farbfläche, sondern das lLicht durchdringt ein Werk, vergrößert es in der Projektion zum begehbaren Kunstraum, so leuchtend und vergänglich wie das Leben selbst.

Wer sich von der Magie iihrer Lichtgespinste gefangen nehmen lassen will, hat noch bis Ende Februar im Kunsthaus Kloster Gravenhorst dazu Gelegenheit. Dort gestaltet Nikola Dicke die diesjährige „Winterlicht“-Installation. Im großen Westflügel rollt sie einen Teppich aus, eine „Tapisserie“, dessen aus Hell und Dunkel, Licht und Schatten gewirkte Ornamentik geradewegs auf die Außenwand des Remters zuführen, wo geheimnisvolle, bunte Lichtgewächse die weiße Wand empor ranken. Und im Remter selbst erwartet den Besucher ein „sunken garden“, ein versunkener Garten, in dem seltsam glühende Vögel iin Käfigen auf ihre Befreiiung warten. Im Gewölbekeller schließlich findet sich die dritte Lichtinstallation: Spiegelmosaike drehen sich langsam im Kreis und reflektieren Zeichnungen, die von oben auf den Boden projeziert werden, an die Wände. Es entstehen fortlaufend neue Fragmente aus gespiegeltem Licht, die den Betrachter umkreisen.

Beamer braucht Dicke nicht. Sechs „altmodische“ Dia-Projektoren, zehn große Profil-Scheinwerfer, wie man sie aus dem Theater kennt, und acht kleinere Par-Scheinwerfer sind im Einsatz, um Dickes Kunst leuchten zu lassen. Mit spezieller Farbe koloriert sie die in Ruß auf Glasplatten geritzten Zeichnungen. Brennt die Farbe nicht an? „Ich habe die Technik überlistet und durch viel Experimentieren eine Farbe entwickelt, die auch extreme Hitze aushält“, sagt Dicke. Bei den großen Scheinwerfern steht ihr eine Fläche 6 Zentimetern im Quadrat zur Verfügung - ein wahres Großformat gegenüber den 35 mm-Dias.

Kann man eigentlich von der Lichtkunst leben? Verkäuflich sind die Projektionen schließlich ja nicht so ohne weiteres. „Ich verkaufe die Zeichnungen als Miniaturen, das hat schon Max Ernst so gemacht“, meint die Künstlerin. Die seien gerahmt mit vier Zentimetern Luft dahinter, so dass auch ein Hintergrundbeleuchtungseffekt entstehe. Außerdem könne man Fotos kaufen und sie mache auch Arbeiten aus Papier: „Man kann nicht immer nur im Miniaturformat arbeiten, man muss auch mal was Großes machen.“

Zunehmend bekomme sie aber auch Aufträge, ihre Lichtkunst in Kunsteinrichtungen zu zeigen, so wie im Kloster Gravenhorst. Das koste zwar viel Zeit, auszutüfteln, wie alles funktioniert und Zeichnungen bis ins kleinste Detail auszuarbeiten, mache aber auch viel Spaß. Und hat immer mehr Erfolg.

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