Kreis Steinfurt
Prognose: 10% weniger Arbeitslose

Mittwoch, 19.01.2011, 17:01 Uhr

Rheine /Kreis Steinfurt - Eine Arbeitslosenquote , die von 5,5 im Januar 2010 auf zuletzt 4,7 Prozent sank und damit Platz 2 in NRW; ein Anstieg bei den gemeldeten Offenen Stellen um 35,2 Prozent; ein Plus von 53 bei den Ausbildungsverträgen: „Das Jahr 2010 war für uns besser als erwartet“, zog gestern Reinhold Strunck-Erpenstein, Chef der Arbeitsagentur Rheine, ein positives Fazit für 2010. Verlierer waren lediglich die Schwerbehinderten und ältere Arbeitnehmer ab 50. Bei ihnen stieg die Arbeitslosigkeit um 18,9 beziehungsweise 14,7 Prozent.

Dennoch: 2011 wird es alles in allem positiv weitergehen. „Wir sind nicht am Ende einer positiven Entwicklung, sondern mittendrin“, meinte Strunck-Erpenstein, warnte aber vor überzogenem Optimismus oder gar Euphorie. Vor allem die Euro-Krise trage noch Unwägbarkeiten für die wirtschaftliche Entwicklung in sich. Dennoch gehe er für 2011 im Kreis Steinfurt von einem weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit im Rechtskreis des SGB III um fünf bis zehn Prozent im Jahresdurchschnitt aus.

Von einer ähnlichen Marke geht auch Kreisdirektor Dr. Wolfgang Ballke für die Langzeitarbeitslosen aus, die der Kreis im Rahmen des SGB II betreut. Auch Ballke sprach von einem guten Arbeitsmarkt-Jahr 2010. Die SGB II-Arbeitslosenquote, also die Zahl der Hartz IV-Empfänger, liege kreisweit im Jahresdurchschnitt bei 2,,7 Prozent - bei einem NRW-Vergleichswert von 6,2 Prozent. Bei den langzeitarbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren habe der Kreise eine Langzeitarbeitslosenquote von nur 1,3 Prozent - landesweit sind es 4,7 Prozent. Auch Ballke geht von einer weiter positiven Entwicklung aus, allerdings im verlangsamten Tempo, Denn viele, die jetzt noch langfristig arbeitslos sind, seien mit besonderen Vermittlungshindernissen belastet. Trotzdem hält Ballke eine SGB II-Quote von 2,5 oder weniger Prozent für erreichbar.

Von Vollbeschäftigung, so die beiden Arbeits-Experten, sei der Kreis damit aber noch weit entfernt. Denn die offizielle Arbeitslosenquote spiegele ja nicht das ganze Bild des Arbeitsmarktes wieder. Rechne man Menschen in Qualifizierungsmaßnahmen oder Ein-Euro-Jobs, die nicht in die offizielle Statistik einfließen, hinzu, so liege die „Unterbeschäftigungsquote“ im Kreis bei 6,3 Prozent.

Schon jetzt, so Strunck-Erpenstein, mache sich der Fachkräftemangel im Kreis immer stärker bemerkbar. Vor allem bei hochqualifizierten Berufen wie Ingenieuren oder Ärzten, aber auch bei den Facharbeitern in den Bereichen Metall und Elektro sei die Nachfrage höher als das Angebot. Daran, wie an der Arbeitsmarktsituation insgesamt, werde auch die generelle Freizügigkeit innerhalb der EU nichts ändern, von der ab Mai acht osteuropäische Staaten betroffen sind. Langfristig werde die Freizügigkeit aber sehr wohl Auswirkungen haben, meinte Struck-Erpenstein.

Größter Profiteur des Job-Aufschwungs 2010 war übrigens die Zeitarbeitsbranche; Rund jede dritte Vermittlung erfolgte an ein Zeitarbeit-Unternehmen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/142390?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F698527%2F698539%2F
Nachrichten-Ticker