Kreis Steinfurt
„Nicht gesellschaftsfähig“

Donnerstag, 17.03.2011, 19:03 Uhr

Kreis Steinfurt - Sofortige Aussetzung aller laufenden Genehmigungsverfahren, eine schnelle Änderung des völlig veralteten Bundesbergrechts und eine Ausweitung der Diskussion auf die europäische Ebene: Nein, kleine Brötchen backen die vier Bürgerinitiativen nicht, die gestern unmittelbar vor dem ersten (nicht-öffentlichen) „Runden Tisch“ vor dem Steinfurter Kreishaus ihren Widerstand gegen die unkonventionelle Erdgasförderung bekräftigten. Am 7. April sollen in den BI-Heimatorten Nordwalde , Borken, Drensteinfurt und Lünne erste Demonstrationen stattfinden, um den Druck auf Exxon zu erhöhen.

„Hunderttausende Menschen“, so Jürgen Kruse von der BI Borken, seien von den Gefahren der unkonventionellen Erdgasförderung betroffen; es gehe um „massive Eingriffe in die Grundwasserreservoirs“. Von Frankreich bis Polen reiche der gasführende Schiefergesteinsgürtel. Es handele sich bei dem so genannten Fracking (unter hohem Druck werden Wasser und Chemie ins Gestein gepresst, um Gas auszulösen), so Markus Knäpper von der BI Nordwalde, um eine „Hochrisikotechnologie“, die schlichtweg „nicht gesellschaftsfähig“ sei. Die Menschen über die Gefahren aufzuklären, sei ein Ziel der Bürgerinitiativen.

Markus Rolink von der BI Lünne schilderte, dass Exxon in Lünne schon viel weiter sei als im Münsterland: Die Firma habe die Vertikalbohrung in eine Tiefe von 1200 Meter abgeschlossen und wohl auch die Horizontalbohrung. Ein „Probefrack“ sei „angedacht“, aber noch nicht beantragt und genehmigt. Es werde wohl sechs bis zwölf Monate dauern, bis dieser nächste Schritt anstehe. Diese Zeit gelte es zu nutzen, um den Widerstand auf eine breite Basis zu stellen. In Niedersachsen sei erst durch die Protestbewegung im Münsterland ein Bewusstsein für die immense Gefahr entstanden, die bis zu 50 Tonnen hochgiftiger Chemikalien pro Fracking-Vorgang für das Trinkwasser bedeuteten. Die Landesbehörden in Niedersachsen hätten das Problem bisher „sehr diskret“ behandelt. Dabei könnten beim Fracking auch Hohlräume im Untergrund entstehen, die sogar Erdbeben auslösen könnten. Bei nur 15 km Entfernung des Lünner Bohrplatzes zum AKW Lingen sicher „keine angenehme Vorstellung“.

Stefan Henrichs von der BI Drensteinfurt nannte auch den Ausdruck „Probefracking“ verharmlosend: „Probefracking gibt es sowenig wie eine Probe-Schwangerschaft“. Schon ein Bohrvorgang könne große Mengen Grundwasser verseuchen.

Grundsätzlich werde man darauf drängen, dass weitere „Runde Tische“ öffentlich stattfinden; der gestrige Ausschluss der Öffentlichkeit sei von der Kreisverwaltung Steinfurt verlangt worden. Nicht teilnehmen wolle man am Exxon-Veranstaltungen, wo es nur um eine Legitimation des Fracking gehe.

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