Kreis Steinfurt
Die Poesie der Unterschrift

Mittwoch, 27.04.2011, 16:04 Uhr

Steinfurt - Nicht, dass er Diktatoren mögen würde - ganz im Gegenteil. Aber ihre Unterschriften, die schätzt Romanus Krick sehr. Die Signatur des jugoslawischen Präsidenten Tito aus dem Jahr 1971 gehört zu den seltenen und besonders wertvollen Stücken seiner Sammlung; eine Unterschrift von Osama bin Laden steht weit oben auf seiner Wunschliste. Und dass er seit Januar dieses Jahres Neu-Bürger in Steinfurt ist, nimmt der passionierte Sammler sogleich zum Anlass, die Bürger im Kreis Steinfurt nach Hitler-Unterschriften zu fragen. Fünf Hitler-Signaturen habe er bereits ausgemacht - allesamt automatisch, von einem so genannten Autopen erzeugte Schriftzüge. Eine sechste Signatur steht auf seiner Beobachtungsliste - noch fehlt ihm aber das Gegenstück, eine genau gleiche (Maschinen)-Unterschrift. Wer also noch alte Urkunden mit Hitler-Unterschrift hat, sollte sich bei ihm melden, bittet Krick.

Diktatoren-Unterschriften - Mao fehlt ihm noch - seien deshalb so faszinierend, weil sie Geschichte produzierten und provozierten, ja sogar den Lauf der Welt veränderten. Das ist sozusagen das Motto seiner Sammlung: Die Unterschriften sollen rechtlich bedeutsam sein. Folglich konzentriert sich Krick auf Politiker und Kirchenleute; Sportler, Sänger, Filmschauspieler lässt er außen vor.

Seit über 50 Jahren frönt Krick seiner Sammelleidenschaft und hat es weit gebracht. Fast 5000 Autogramme und Autographen füllen zahlreiche Ordner. Autographen, also handschriftliche Notizen, Widmungen oder Niederschriften berühmter Persönlichkeiten, sind dabei seine wahre Passion, faszinieren ihn weit mehr als Autogramme, die in der regel nur aus der reinen Unterschrift bestehen oder gar per Faksimile oder Maschine „gefälscht“ sind. „Das interessanteste, was der Mensch von sich herzeigen kann, ist die eigene Unterschrift“, sagt er. Aber natürlich müsse sie echt sein.

Wie ein Poesiealbum für politisch Interessierte mutet sein Ordner „Deutsche Politiker ab 2004“ an. „Was immer Du tust, bedenke das Ende“ schreibt da der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, der ehemalige Verkehrsminister Kurt Bodewig weiß „Mobilität beginnt im Kopf“ und NRW-Ministerpräsidenten Hannelore Kraft begnügt sich mit einem schlichten „Carpe Diem“. Norbert Röttgen hat sich dem CDU-Mitglied Krick bislang verweigert, aber der ist sicher: „Den kriege ich auch noch.“

Wie der 66-Jährige seine Schätze erlangt hat? „Beziehungen und beste Kontakte“ verrät er - mehr aber nicht. Noch nicht einmal seine Frau kenne seine Quellen. Eine immerhin, weil mittlerweile verstorben, verrät er: Der ehemalige FDP-Chef Jürgen Möllemann habe ihm so manche Tür geöffnet.

Ein bisschen berühmt ist der Sammler berühmter Unterschriften mittlerweile selber: In Ausstellungen und Vorträgen präsentiert er Teile seiner Sammlung. Die Presseartikel über ihn füllen ganze Ordner. Und die Arbeitsgemeinschaft der Autographensammler, deren Vorsitzender er lange Zeit war, hat ihn zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Das alles hilft ihm, neue Autographen zu bekommen: Ein netter Brief per Einschreiben, dazu ein paar Fotokopien und ein mit einem Foto oder Zeitungsausschnitt vorbereitetes Schmuck-Blatt - dieser Einladung folgen die meisten Prominenten gerne. Zumindest die in Deutschland. „International ist es schwieriger“ sagt Krick. Und freut sich um so mehr, als gestern Mittag der israelische Staatspräsident Shimon Perez seine Aufwartung macht - per Post und (echter) Signatur.

Viele Geschichten und Anekdoten fallen Krick ein, wenn er seine Sammelalben durchblättert. Ereifern kann er sich über das „Massengekritzel“ in kommerziell ausgerichteten Autogrammstunden. Ein bisschen wehmütig wird er, wenn er an die Anfänge denkt, damals 1956, als er als elfjähriger Junge in einer Kladde die Namen berühmter Zeitgenossen sammelte. Den Kopf schüttelt er, als er erzählt, US-Präsident Bill Clinton habe der englischen Königin beim Tod von Prinzessin Diana per Roboter-Unterschrift kondoliert.

Wer fehlt ihm noch? „Putin, unter anderem“. Das sei ein „ganz harter Brocken“. Aber: „Ich gebe die Hoffnung nicht auf“.

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