Medikamente im Stall
Ziel: Tierhaltung optimieren

Ochtrup/Recke/Kreis Steinfurt -

„Antibiotika sind und bleiben ein wichtiges Hilfsmittel zur Behebung von Erkrankungen“, sagte auf einer Fachtagung mit 150 Landwirten Kreisveterinär Dr. Christoph Brundiers (Steinfurt). Entscheidend aber sei, Erkrankungen der Tiere möglichst zu vermeiden, etwa durch ein gutes Management im Stall und verbesserte Haltungsbedingungen. „Landwirtschaft, Tierärzteschaft und Veterinäramt müssen handeln.“

Mittwoch, 08.02.2012, 17:02 Uhr

Medikamente im Stall : Ziel: Tierhaltung optimieren
150 Landwirte informierten sich über den Einsatz von Medikamenten im Stall und über die Optimierung der Tierhaltung – darunter Stefanie Feldhues (l.), die gerade ihre Ausbildung zur Landwirtin beendet hat, und Roswitha Kestermann, Landwirtin aus Metelen. Foto: marlies Grüter

Nein, eine Vogel-Strauß-Politik, die kommt für die Landwirte im Kreis Steinfurt nicht in Frage, wenn es um den Einsatz von Antibiotika in den Ställen oder um neue Tierhaltungsverordnungen geht. „Wir nehmen die Herausforderungen an die moderne Tierhaltung an“, betonte Kreislandwirt Hermann Borchert , „und wir suchen gemeinsam nach Lösungen“, ergänzte Albert Storm, Vorsitzender des Vereins der Fachschulabsolventen, am Dienstag während einer Fachtagung. In Ochtrup und in Recke fand sie statt. Eingeladen worden waren dazu Landwirte, Vertreter der Landwirtschaftskammer und des Veterinäramtes.

Kritisch beleuchtete Kreisveterinär Dr. Christoph Brundiers den Einsatz von Antibiotika in den Ställen und stellte das Antibiotika-Erfassungssystem in Nordrhein-Westfalen vor, das sich bislang hauptsächlich auf die Geflügelmast beziehe. Wenig zielführend sei es, so der Veterinär, Medikamente im Stall unter Generalverdacht zu stellen. „Antibiotika sind und bleiben ein wichtiges Hilfsmittel zur Behebung von Erkrankungen“, machte er deutlich und forderte den verantwortungsbewussten und kontrollierten Einsatz von Medikamenten und eine lückenlose Dokumentation. Entscheidend aber sei, Erkrankungen der Tiere möglichst zu vermeiden, etwa durch ein gutes Management im Stall und verbesserte Haltungsbedingungen. „Landwirtschaft, Tierärzteschaft und Veterinäramt müssen handeln.“

Wie sieht ein Stall aus, in dem sich Schweine gemäß den neuen Haltungsverordnungen, die zum 1. Januar 2013 in Kraft treten, wohlfühlen? Wie kann es gelingen, bestehende Ställe umzugestalten und letztlich Erkrankungen und damit auch den Medikamenteneinsatz zu vermeiden? Um diese Fragen zu beantworten, informierten mit Bernd Feller und Stefan Pröbsting zwei ausgewiesene Fachberater der Landwirtschaftskammer die mehr als 150 Landwirte. Unter ihnen auch Stefanie Feldhues aus Ochtrup. Die 20-Jährige hat gerade ihre Ausbildung zur Landwirtin beendet und kennt die Diskussion um die Tierhaltung aus der Ausbildungszeit. „Darüber haben wir uns in der Schule immer wieder Gedanken gemacht“, sagt sie. „Vieles, was heute hier angesprochen wird, kenne ich schon, aber es ist wichtig, immer weiterzudenken.“ Ihre Nachbarin Roswitha Kestermann, aktive Landwirtin aus Metelen, pflichtet ihr bei. „Auch wir machen uns auf unserem Betrieb jeden Tag Gedanken, wie wir die Tierhaltung optimieren können. Besonders wichtig sind mir heute die Beispiele aus der Praxis.“

Und davon hatten Bernd Feller und Stefan Pröbsting einige im Gepäck: von kreativen virtuellen Stallumbauten, die auch bei bestehenden Gebäuden die Möglichkeit eröffnen, alle Vorschriften einzuhalten, bis hin zu selbst gestaltetem Beschäftigungsmaterial für die Tiere. „Allen Landwirten, die es wünschen, bieten wir von der Landwirtschaftskammer eine Intensivberatung an, um den Betrieb zu optimieren.“

„Der Anfang ist gemacht“, wertete Kreislandwirt Hermann Borchert den Erfolg der Fachtagung in Recke und Ochtrup. „Wir müssen umdenken – und das wird uns gelingen.“

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