Erziehungsberatung wird komplexer
Wartezeiten bleiben gering

Kreis Steinfurt -

Das Angebot der fünf Erziehungsberatungsstellen im Kreis Steinfurt wird gut angenommen: Im vergangenen Jahr betreuten die Berater 4878 Familien. Tendenz: Die Fälle werden komplexer.

Mittwoch, 28.03.2012, 13:03 Uhr

Erziehungsberatung wird komplexer : Wartezeiten bleiben gering
Die Leiter der Erziehungsberatungsstellen im Kreis (v.l.) Detlef Eden (Emsdetten/Greven), Friedrich Thoss (Lengerich), Heinz-Josef Hülsmann (Ibbenbüren), Johannes Brink (Steinfurt), Leonhard Lotze (Rheine) und Christiane Fließ (Ibbenbüren) Foto: Achim Giersberg

4878 Familien wurden im vergangenen Jahr in den fünf Erziehungsberatungsstellen im Kreis Steinfurt betreut. In die Beratung einbezogen waren insgesamt 11 211 Personen. Trotz dieses Andrangs sei es gelungen, die Wartezeiten gering zu halten, freut sich Johannes Brink, Leiter der Steinfurter Beratungsstelle. Zwischen der Anmeldung und dem ersten Fachkontakt vergingen in der Regel nur 14 Tage – in akuten Krisensituationen auch weniger.

Zusammen mit den Leitern der Erziehungsberatungsstellen Lengerich , Ibbenbüren, Rheine und Emsdetten/Greven zog Brink jetzt eine Bilanz für das Jahr 2011. In immer weniger Fällen, so das Fazit der Erziehungsberater, sei es mit einem einfachen Gespräch getan; die Probleme würden komplexer und seien nur selten von einer einzelnen Thematik, wie z. B. Schulproblemen, geprägt. Verstärkt wirkten sich Trennung und Scheidung aus; es gebe mehr Fälle mit einer „massiven, existenziellen Krise“.

Vor diesem Hintergrund legen die fünf Beratungsstellen in Trägerschaft von Caritas oder Diakonie Wert darauf, dass ein möglichst niedrigschwelliger Zugang erhalten bleibt. Der präventive Charakter der Arbeit gewinne an Bedeutung.

Inder großen Mehrzahl seien es die Eltern, die sich an eine Beratung wenden; es gebe aber auch Jugendliche, die aus eigenem Antrieb in die Beratung kämen. Kleine Gruppen, von drei oder vier Jugendlichen seien „der Klassiker“, meint Friedrich Thoss (Lengerich).

Die häufigsten Anmeldegründe liegen zu ungefähr gleichen Teilen im Lern- und Arbeitsverhalten (Schulunlust, Konflikte mit Lehrern), haben mit Gefühlen zu tun (Suizidgedanken, Selbstwertthematik), liegen im Sozialverhalten, resultieren aus Partnerschaft, Trennung oder Scheidung der Eltern. Belastungen durch die Herkunftsfamilie (Streit, Tod, psychischer Erkrankung) und das Erziehungsverhalten (Vernachlässigung, Pubertätskonflikte) spielen ebenfalls eine Rolle. Die große Mehrzahl der Beratungen erfordert zwei bis fünf Fachkontakte; viele Beratungen beschränken sich aber auch auf ein einzelnes Gespräch. In seltenen Fällen werden auch 30 oder mehr Kontakte notwendig.

Wichtig: Die Erziehungsberater unterliegen der Schweigepflicht und schalten niemals gegen den Willen der Betroffenen das Jugendamt ein.

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