Thomas Ostendorf züchtet Ferkel im großen Stil
Gewerbe ohne Geheimnis

Ochtrup/Kreis Steinfurt -

Die Massentierhaltung steht in der Kritik. Aber wie genau sieht es beispielsweise in einem Ferkel-Stall aus? Wie gehen die Bauern mit den Tieren um? Wie transparent sind die Haltungs-Bedingungen?

Montag, 19.03.2012, 16:03 Uhr

Thomas Ostendorf züchtet Ferkel im großen Stil : Gewerbe ohne Geheimnis
Thomas Ostendorf liebt seine Tiere, und: Nur ein gesundes Ferkel lässt sich auch gut vermarkten. Foto: Achim Giersberg

Immer größer wachsen? Um jeden Preis? Nein, das nicht. Aber eine gewisse Größe sei eben notwendig, um eine Ferkelaufzucht heute wirtschaftlich zu betreiben, weiß Thomas Ostendorf Eine Million Euro investiert der Ochtruper Landwirt in einen neuen Stall für 170 Sauen und 500 Ferkel. Alles in allem hat er dann 420 Sauen und 1700 Ferkelaufzuchtplätze – das sei arbeitstechnisch gerade noch mit einem Familienbetrieb zu schaffen. Der neue Stall erfüllt schon alle neue Vorschriften, die ab 2013 gelten: mehr m²-Vorgaben, neue Vorschriften zur Spaltenbreite und Gruppenhaltung. Die 57,5 Euro, die Ostendorf heute für ein Ferkel bekommt, sind immerhin schon 20 Euro mehr als noch vor einem halben Jahr, aber „bei 60 Euro Kosten bin ich damit noch nicht in der Gewinnzone.“ Trotzdem glaubt der zupackende Bauer an die Zukunft. Aber: „Zu wenig Fläche und zu wenig Fachkräfte“, das seien langfristig die Probleme.

Doch davon lässt sich der 36-jährige nicht schrecken. Zwei Azubis hat er in Hessen „aufgegabelt“ – mit Hilfe seiner Webseite, auf der er seinen Betrieb umfassend darstellt und um Auszubildende wirbt. In wenigen Tagen werden die beiden jungen Männer ankommen und ein Jahr lang bei ihm die Praxis der Ferkelzucht lernen und ihm kräftig zur Hand gehen, so hofft er zumindest.

Und das Flächenproblem? Das sei schon schwerer zu lösen. Der Boom bei Biostrom treibe die Pachtpreise nach oben. Einfach Fläche hinzu pachten, das sei schlicht zu teuer. Die Lösung: „Ich mache das jetzt gewerblich und lasse die Gülle abfahren.“ Dafür reichen auch die 45,5 Hektar seines Hofes. Ohne das OK seiner Nachbarn allerdings hätte Ostendorf seine Betriebserweiterung vergessen können. Für das Immissionsgutachten zum Stallbau musste er wissen „was in der Fläche drum rum an Tieren steht.“ Mit jedem Nachbar habe er persönlich gesprochen, „offen und vernünftig“, wie es sich gehöre, wenn man zum Teil seit 35 Jahren eine aktive Maschinengemeinschaft betreibe. Dass die hohen Pachtpreise und der Immissionsschutz hier und da den sozialen Frieden bedrohe, das sei leider eine Tatsache. Auch bei den Bürgerwindparks werde der sicher „auf eine harte Probe gestellt“. Doch das ist ein anderes Thema.

„Gewerbliche Zucht“, neuer großer Stall – das klingt nach Massentierhaltung , die derzeit im Fokus der Kritik steht. Ostendorf zuckt mit den Achseln. „Größe muss nicht immer schlecht sein“, sagt er. Sauber, hell und mit viel Spielzeug ausgestattet seien die Plätze, der ganze Stall voll klimatisiert. „Da sorgen wir schon für gute Bedingungen, das ist ja auch unser Arbeitsplatz“, sagt er. Und weil er weiß, dass jetzt unweigerlich die Frage nach den Antibiotika kommt, hat er extra seinen Hof-Tierarzt Bernd Josef Reckels mit zum Pressetermin eingeladen. Der bescheinigt ihm gerne, dass die 27 bis 32 Grad Stalltemperatur für die empfindlichen Ferkel „absolute Spitze“ sind, Alle zwei bis drei Wochen besucht er den Hof . „Gesunde Tiere“ die nach zehn Wochen Aufzucht problemlos durch die Mast laufen, das sei das Ziel. „So wenig wie möglich einsetzen“ sei deshalb bei Antibiotika die Devise. „Zwei bis drei“ Schutzimpfungen bei den Ferkel machten das möglich.

Und: Wenn man so sieht, wie Ostendorf durch seinen Betrieb geht, hier guckt, da fühlt, wenn er die Duschanlage erklärt, in der die Sauen vor dem Abferkeln gewaschen werden, wenn er eine Handvoll Schweinefutter zum Probieren anbietet, weil das gesund und nahrhaft sei, dann versteht man den alten Bauern-Spruch, den auch Ostendorf gerne zitiert: „Das Auge des Herrn mästet das Vieh.“

„Das Problem“ sei „dass die Leute keinen Bezug zur Landwirtschaft mehr haben.“ Es gebe nur eine Gegenstrategie: „Wenn man mal einen Stall von innen gesehen hat, dann weiß man auch, dass die Schweine sich hier wohl fühlen.“ Deshalb öffne er auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit seine Ställe für die Öffentlichkeit: „Unsere Kunden sind leider zu weit weg von uns.“

Kindergartengruppen, Schulklassen, gerne auch ein Fachausschuss, seien immer willkommen. Terminabsprache über das Grüne Zentrum in Saerbeck.

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