Verbraucherzentrale zieht Jahresbilanz
Die große Appzocke

Rheine/Kreis Steinfurt -

Abzocke per Internet hat weiterhin Hochkonjunktur, weiß die Verbraucherzentrale Rheine. Bis zu 29 Mal pro Tag musste sie im vergangen Jahr geprellte Verbraucher hierzu beraten. Im Kommen: Die Abzocke mit Apps.

Mittwoch, 27.06.2012, 19:06 Uhr

Abzocke im Internet war auch im vergangenen Jahr das große Thema bei der Verbraucherberatung in Rheine , die das gesamte Kreisgebiet betreut. „An einem Tag hatte ich 29 Beratungen zu diesem Themenkomplex“ erinnert sich Margret Esters-Gardeweg, Leiterin der Beratungsstelle. Vor allem die so genannten „Abo­fallen“ sind weiterhin angesagt. Neben vermeintlich kostenlosen Gewinnspielen und Serviceangeboten, die aber in Wahrheit kostenpflichtig sind und das geschickt verschleiern, haben die Betrüger schon seit längerem auch die Apps für Smartphones entdeckt.

Schon durch das bloße Anklicken von Werbebannern werden Nutzer in eine Abo-Falle gelockt. Kassiert wird dann über die Mobilfunkabrechnung, über die viele erstmals von dem angeblichen Vertragsabschluss erfahren. Möglich macht die Masche das so genannte WAP-Billing, ein Bezahl-Verfahren, bei dem keine Konto oder Kreditkartendaten mehr angegeben werden müssen. Bereits beim Antippen des Werbebanners wird die Nummer des Verbrauches automatisch übermittelt. Mit der können die App-Zocker den Mobilfunkanbieter erkennen und den Zahlungsvorgang auslösen. Das ist zwar nicht legal, aber die Rückabwicklung ist umständlich und kompliziert. Esters-Gardeweg präsentiert Mobilfunkrechnungen, bei denen über teils 400 Euro durch solche WAP-Abofallen angefallen sind und die kein Einzelfall seien. Deshalb rät sie dazu, eine Sperre oder Teilsperre einzurichten, die die Abrechnung solcher Drittanbieter generell unterbindet. Das sei erst neuerdings möglich – genauere Infos und Musterbriefe gibt es bei der Verbraucherzentrale ist. Allerdings sind dann unter Umständen auch nützliche Dienste, wie das mobile Buchen von Fahrkarten gesperrt. Täglich ein bis zweimal wenden sich solchermaßen app-gezockte Kunden derzeit an die Verbraucherberatung in Rheine.

Aktuell sind weiterhin auch völlig überzogene Forderungen von Anwaltskanzleien, die Urheberrechtsverletzungen abmahnen, wie sie etwa durch die Nutzung von Tauschbörsen entstehen. Hier bietet die Verbraucherzentrale seit einem Jahr eine Rechtsberatung an, die sich zum „Renner“ entwickelt hat.

34 Prozent aller Beratungen in 2011 bezogen sich auf die „digitale Welt“, 25 Prozent auf den Bereich Energie und Umwelt, 12 Prozent auf Finanzdienstleistungen, acht Prozent auf Haushalt und Haushaltsgeräte und 21 Prozent auf sonstige Themen. Mit 18 029 fiel die Zahl der Ratsuchenden etwas geringer aus als im Vorjahr.

Verschärft hat sich das Problem „Energiearmut“. Bei einer Umfrage unter 110 Energieversorgen in NRW gaben 60 Prozent an, dass die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden zunehmend ein Problem sei. Auch im Kreis Steinfurt, so Esters-Gardeweg, nehme nach ihrem Eindruck die Zahlungsfähigkeit der Stromkunden ab. Ihr dringender Rat: Den Kopf nicht in den Sand stecken und sofort Rat einholen. Leider gehöre die Verbraucherzentrale Rheine nicht zu acht Kommunen in NRW die an einem Pilotprojekt gegen Energiearmut teilnehmen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/969996?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F698523%2F1044110%2F
Nachrichten-Ticker