Kein Bedarf oder keine Lehrkräfte?
Islamunterricht: Keine Schule dabei

Kreis Steinfurt -

NRW führt zum nächste Woche beginnenden neuen Schuljahr den islamischen Religionsunterricht an Grundschulen ein. Im Kreis Steinfurt wird keine einzige Schule zum Start dabei sein.

Mittwoch, 15.08.2012, 19:15 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 15.08.2012, 17:26 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 15.08.2012, 19:15 Uhr
Kein Bedarf oder keine Lehrkräfte? : Islamunterricht: Keine Schule dabei
Islamischer Religionsunterricht auf Deutsch und von in deutschen Hochschulen ausgebildeten Lehrern soll es in den NRW-Grundschulen ab dem neuen Schuljahr geben. Foto: Foto: dpa

Mit dem Beginn des neuen Schuljahres 2012/2013 in der kommenden Woche fällt auch der Startschuss für die Einführung des islamischen Religionsunterrichtes, abgekürzt IRU, an den Grundschulen in NRW. Im Kreis Steinfurt wird allerdings „höchstens eine Handvoll Schulen“ sei dabei, sagte gestern auf Anfrage Ulla Lütkehermölle von der Pressestelle der Bezirksregierung in Münster. Es gebe eben nur „sehr wenige geeignete Lehrkräfte“. Auf Nachfrage präzisierte später das Düsseldorfer Schulministerium: „Aus dem Kreis Steinfurt ist keine Schule zum Start dabei“. Ob es an mangelndem Bedarf (mindestens zwölf Eltern müssen ihre Kinder anmelden) oder fehlenden Lehrern liegt, konnt die Sprecherin nicht sagen

Ähnlich wie katholische Religionslehre eine spezielle Lehrerlaubnis (Missio canonica) ihrer Kirche brauchen, sind auch die Islam-Lehrer auf das OK eines beim Ministerium angesiedelten theologischen Beirats angewiesen. Der besteht aus acht Personen, die je zur Hälfte vom Staat und vom Koordinationsrat der Muslime ernannt werden. Das Verfahren ist umstritten, weil damit, vereinfacht gesagt, eine Art „Staatsislam“ geschaffen werde, monieren Kritiker.

Bislang gibt es in einigen Grund- und Hauptschulen im Kreis das – freiwillige und weltanschaulich neutrale – Fach „Islamkunde“. Die Islamkunde-Lehrer haben in der Regel keine theologische Ausbildung, sind oft Orientwissenschaftler oder Türkischlehrer. Trotzdem sollen sich die IRU-Lehrer nach einer Fortbildung aus diesem Kreis rekrutieren. Ausgebildete IRU-Lehrer wird es erst in einigen Jahren geben, wenn der Andrang auf den neuen Studiengang Islamunterricht (400 Bewerber an der Uni Münster) zu ersten Abschlüssen geführt hat. Ulla Lütkehermölle geht deshalb davon aus, dass der islamische Bekenntnis-Unterricht erst nach und nach eingeführt werden könne.

In der Praxis stößt anscheinend auch schon das Fach Islamkunde auf Schwierigkeiten. Die Gutenberg-Hauptschule in Lengerich ist eine der wenigen Schulen im Kreis (neben der Grundschule Intrup in Lengerich, der städtischen Grundschule Lengerich, der Overberg- und der Elisabeth-Hauptschule in Rheine sowie der Marien-Hauptschule Emsdetten) die bislang die Islamkunde als Angebot im Stundenplan hatte. Doch im kommenden Schuljahr ist es damit vorbei. Der Kollege, der die Islamkunde teils auf deutsch und teils auf türkisch unterrichtet habe, sei versetzt worden, sagte gestern Rektor Wolfgang Wittmann auf Anfrage. Aber auch ohne diese Versetzung hätte sich das Angebot wahrscheinlich „ohnehin erledigt“. Die Nachfrage sei zuletzt immer mehr zurückgegangen. „Wir haben uns wirklich mehr davon versprochen“, meinte Wittmann – immerhin sei ein „erheblicher Teil“ seiner Schüler muslimischen Glaubens.

Ob ein „echter“ islamischer Religionsunterricht mehr Erfolg habe, sei „ganz schwer einzuschätzen“. „Das hängt vom religiösen Hintergrund der Schüler ab, ob es eine Empfehlung der jeweiligen Glaubensgemeinde gibt und davon, ob die Eltern das unterstützen.“ Auch die Person des Lehrers spiele eine entscheidende Rolle. Alles zusammen sei nur „schwer zu durchschauen“, meint der Pädagoge.

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