Verluste wachsen, Stilllegung droht
Die Nordbahn auf ihrer Schicksalsfahrt

Kreis Steinfurt -

Nach dem Rückzug der Bundeswehr wächst die Verlustabdeckung der Tecklenburger Nordbahn auf 347 000 Euro pro Jahr. Der Kreis ist bereit, einzuspringen, aber nur wenn sich die Anliegergemeinden finanziell beteiligen.

Mittwoch, 26.09.2012, 07:09 Uhr

Verluste wachsen, Stilllegung droht : Die Nordbahn auf ihrer Schicksalsfahrt
Wie lange noch befahren Güterzüge die Tecklenburger Nordbahn? Das hängt davon ab, ob die Anliegergemeinden höhere Zuschüsse zahlen.. Foto: Peter Henrichmann

Für die Tecklenburger Nordbahn geht es in den kommenden Tagen ums Überleben. Nachdem die Bundeswehr ihren jährlichen Zuschuss von 153 000 Euro (Tank-Züge für das Jagdgeschwader Hopsten nutzten die Strecke; nach der Auflösung des Geschwaders hatte die Bundeswehr offensichtlich vergessen, den Zuschuss zu stoppen) zum Ende des Jahres 2011 gekündigt hatte, stellt sich jetzt die Frage, wer die zusätzliche Verlustabdeckung übernimmt. Der Nordbahn steht eine Schicksalfahrt bevor.

Der Kreis Steinfurt, so geht es aus einer Vorlage für den Bau- und Verkehrsausschuss am 4. Oktober, hervor, ist grundsätzlich bereit, 70 Prozent der im Jahr 2013 erstmals nicht mehr zur Verfügung stehenden Bundeswehr-Mittel zu übernehmen – „sofern die beteiligten Kommunen einer weiteren Verlustabdeckung im Verhältnis 70:30 zustimmen“.

Baudezernent Franz Niederau stellte gestern klar: „Die Anliegergemeinden Rheine, Hörstel, Mettingen, Recke, Lotte und Ibbenbüren müssen sich ohne Wenn und Aber hinter den Kreis stellen.“ Andernfalls wäre den übrigen Gemeinden im Kreis, die über die Kreisumlage die höhere Verlustabdeckung aufbringen müssen, das Engagement des Kreises nicht zu vermitteln. Konkret heißt das: Zu der bisherigen jährlichen Verlustabdeckung von 200 000 Euro kämen 153 000 Euro dazu. Der Kreis würde davon 247 000 Euro (statt bisher 140 000 Euro) übernehmen, die Anliegergemeinden statt bisher zusammen 60 000 künftig 106 000 Euro.

Der Kreis, so Niederau weiter, habe ein „strategisches Interesse“ am Erhalt der Tecklenburger Nordbahn. Für eine Stadt wie Hörstel sei es wichtig, Gewerbegebiete mit Gleisanschluss erschließen zu können. Auch Betriebe wie Fiege in Uffeln profitierten vo einem Gleisanschluss. Nicht zuletzt wolle man sich auch die Option offen halten, den Personenverkehr auf der Nordbahn irgendwann zu reaktivieren. Auf Dauer , das betonte Niederau, müsse die Strecke aber mit mehr Geld renoviert werden – „irgendwann werden die Schienen so marode sein, dass die Züge entgleisen“.

Ohne die Verlängerung der – jetzt höheren – Verlustabdeckung wäre die Stilllegung der Strecke die unvermeidliche Folge. In der Politik werde es deshalb wohl eine erneute Grundsatzdebatte um die Nordbahn geben.

Für FDP-Fraktionschef Hans-Jürgen Streich ist dagegen schon alles klar. Seine Fraktion sage „grundsätzlich Nein“ zu einer Subventionierung der Nordbahn. „Wenn pro Tag ein Kieszug nach Spelle fährt, dann muss eine andere Möglichkeit gefunden werden, das zu finanzieren“, meinte Streich gestern. Wenn die Stilllegung unvermeidbar sei, dann „muss es eben zu Ende gehen“.

Allerdings glaubte Streich selber nicht an eine politische Mehrheit für das FDP-Nein. Die CDU, so seine Erwartung, werde sich wohl der Verwaltungsmeinung anschließen. Die Grünen seien eher für die Nordbahn. Es könne sein, dass die SPD sich in einem Umdenkungsprozess befinde und die Bahn kritischer sehe als bisher. Die FDP werde ihre Argumente gegen die Nordbahn jedenfalls „wieder und wieder“ in die Diskussion einbringen

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