„Untragbar, rechtlich sehr bedenklich“
Reizthema Dichtheitsprüfung

Wettringen/Kreis Steinfurt -

Die Dichtheitsprüfung von Abwasserleitungen bleibt ein Reizthema. Neue Argumente für die Gegner dieser Maßnahme gab es jetzt von Hartmut Hepke von der Fachhochschule Steinfurt. Die Kommunalpolitische Vereinigung der CDU griff sie gerne au.

Montag, 22.10.2012, 17:10 Uhr

Flexibel und ohne starre Überprüfungspflichten für private Haushalte außerhalb von Wasserschutzgebieten solle die Dichtheitsprüfung umgesetzt werden, so Hannelore Kraft im April dieses Jahres. Auch Ein- und Zweifamilienhäuser sollten nach Ansicht der seinerzeitigen SPD-Wahlkämpferin ausgenommen werden. Die Kreisversammlung der Kommunalpolitische Vereinigung der CDU (KPV) Kreis Steinfurt kritisierte jetzt bei ihrer Sitzung in Wettringen die ihrer Meinung nach „uneindeutige Haltung“ der amtierenden Landesregierung. Vor zahlreichen Funktionsträger aus Verwaltung und politischen Gremien im Kreis Steinfurt erneuerte Hartmut Hepke , Fachhochschullehrer im Fachbereich Gebäude - Energie - Umwelt der Fachhochschule Steinfurt, seine fundamentale Kritik am laufenden Verfahren.

Hausanschlüsse müssten dicht sein. Das stehe auch für ihn außer Frage. Doch die immer noch diskutierte nachträgliche Dichtheitsprüfung ist nach Auffassung des Wissenschaftlers weder rechtlich noch umwelttechnisch haltbar. Dass von Hausanschlussleitungen eine Gefahr ausgehe, sei bis jetzt durch keine Untersuchung belegt. „Es ist eine Ungehörigkeit, so etwas zu behaupten und nicht zu beweisen“, so Hepke vor der KPV-Kreisversammlung. Bei reiner Betrachtung der Faktenlage stelle die so genannte Dichtheitsprüfung politischen Unfug dar. Lediglich an 1,4 Prozent der Tageszeit fließe Abwasser durch ein Anschlussrohr, den Rest der Zeit liege es trocken. Die Infiltration von Grundwasser in undichte Wasserleitungen sei überhaupt kein Thema in NRW. Überdies sei der Boden absolut in der Lage, geringe Wassermengen zu reinigen. Die sei bei der Trinkwassergewinnung gängige Praxis. „Das ganze Verfahren ist volkswirtschaftlich völlig untragbar, rechtlich hoch bedenklich, wenn nicht sogar rechtswidrig“, so das Fazit des Professors.

Kritik am Verfahren äußert bei der KPV-Versammlung auch Christina Schulze Föcking. Nach Auffassung der heimischen Landtagsabgeordneten und CDU-Kreisvorsitzenden sind die geforderten Maßnahmen der Landesregierung in weiten Teilen überzogen. NRW gehe weit über das Maß hinaus, das andere Bundesländer von ihren Bürgern abfordern. „Im Wahlkampf hatten rot-grün eine bürgerfreundliche Lösung angekündigt und jetzt scheint es so, dass sie sich daran nicht mehr erinnern. Wenn es so bleibt, wird jeder Eigenheimbesitzer unter Generalverdacht gestellt, was nicht gerechtfertigt ist,“ so Christina Schulze Föcking.

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