Eichensterben im Bagno
Nächtliche Mails und ein Verdacht

Steinfurt/Kreis Steinfurt -

Sterben die Eichen im Steinfurter Bagno-Landschaftspark auch wegen der Stickstoff-Emissionen großer Mastanlagen am Rande des FFH-Gebietes? Die Kreisverwaltung kündigte jedenfalls an, die Betriebe genau zu beobachten.

Donnerstag, 22.11.2012, 16:11 Uhr

Mit dieser Mail habe er fest gerechnet, meinte Baudezernent Franz-Niederau und er habe recht behalten. Am Dienstagabend um 23.15 Uhr habe Helmut Fehr , Grüne, auf diesem Wege nachgefragt, ob das Eichensterben im Bagno nicht auch etwas mit dem hohen Stickstoffeintrag durch „benachbarte Emissionsquellen“ zu tun habe. Gemeint seien natürlich eine Reihe von Mastställen, die an das Bagno-Gebiet angrenzten. Und so ganz daneben sei eine solche Vermutung tatsächlich nicht, meinte Niederau am Mittwochabend vor dem Umweltausschuss.

Fachleute des Landesamtes für Natur und Umwelt, LANUV, hielten eine Stickstoffanreicherung im Waldboden aus den Ställen über einen „Luftpfad“ für durchaus möglich. Deshalb, so Niederau, werde man die betroffenen Betriebe „genau beobachten“ und bei möglichen Erweiterungsanträgen auf einem Gutachten bestehen. Denn die sehr hohe Stickstoffbelastung im Waldboden sei zwar nicht der einzige, aber doch ein wesentlicher Grund für das Eichensterben in diesem FFH-Gebiet.

Forst-Referendarin Annegret Skora hatte den Ausschussmitgliedern zuvor in einem Referat die Gründe dafür erläutert, warum 800 Eichen im Bagno gefällt werden müssen. Der hohe Stickstoffgehalt im Boden schwäche die Bäume ebenso wie die Eichenfraß-Gesellschaft, vor allem Eichenwickler und Frostspanner. Auch der Befall mit Mehltau habe mit dem Klimawandel zugenommen. Alle diese Faktoren führten zu einer Vorschädigung der Bäume, die das Feld für den Eichenprachtkäfer bereite. Dieser versetze den Bäumen dann quasi den letzten Todesstoß.

Darum gelte es, das Schlüfpen der neuen Käfer im Mai nächsten Jahres zu verhindern. Der Einsatz von Insektiziden gegen die vorschädigende Eichenfraßgesellschaft sei im FHH-Gebiet verboten, deshalb bleibe nur der „Sanitärschlag“, also die Herausnahme betroffener Bäume.

Niederau bemühte sich, die Dramatik des Eichensterbens zu relativieren. 800 Bäume höre sich zwar nach viel an, tatsächlich gehe es aber nur um vier Bäume pro Hektar. Das sei eigentlich eine normale Durchforstungsmaßnahme, nur sei der Besitzer eben nicht mehr frei bei der Auswahl.

Niederau räumte aber auch ein, dass die Fachleute auch eine Alternative zum Fällen aufgezeigt hätten – nichts zu tun. Der Wald werde sich dann von alleine verjüngen. Ähnliche Eichensterben habe es „über die Jahrhunderte“ immer wieder gegeben. Letztlich habe sich aber die Meinung durchgesetzt, „forstbauliche Maßnahmen“, also das Entfernen der Bäume, möglichst schnell durchzuführen.

Helmut Fehr dagegen vermutete, dass wirtschaftlichen Interessen des Eigentümers am Ende Vorrang erhalten hätten vor dem rechtlichen Status des Bagno als FFH-Gebiet und kündigte weitere Nachforschungen an.

Franz Niederau wird sich wohl auf weitere nächtliche E-mails einstellen müssen.

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