16 380 „Multi-Jobber“ im Kreis Steinfurt
Die Arbeit nach der Arbeit

Kreis Steinfurt -

Vor allem im Niedriglohnsektor reicht ein Job oft nicht aus, um über die Runden zu kommen. Das Pestel-Institut in Hannover zählte jetzt 16 380 „Mulit-Jobber“ im Kreis Steinfurt, mehr als doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Die Gewerkschaften Verdi und NGG als Auftrageber der Studie sehen damit ihre Forderung nach einem Mindestlohn untermauert.

Donnerstag, 11.04.2013, 16:04 Uhr

Immer mehr Menschen im Kreis Steinfurt brauchen einen Zweit-Job: Mehr als 16 380 Berufstätige waren im vergangenen Jahr auf einen Mini-Job als zusätzliche Einnahmequelle angewiesen. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Pestel-Institut in Hannover im Auftrag der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ( ver.di ) und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten ( NGG ) gemacht hat.

Demnach ist die Zahl der derjenigen, die neben ihrer Hauptbeschäftigung noch einen Mini-Job als Nebenjob haben, in den vergangenen Jahren im Kreis Steinfurt drastisch gestiegen: „Blickt man zehn Jahre zurück, so hat es eine Zunahme von rund 126 Prozent gegeben“, sagt Studienleiter Matthias Günther vom Pestel-Institut. 2012 hätten mehr als acht Prozent der Beschäftigten im Kreis Steinfurt sich mit einem 400-Euro-Job nebenher etwas dazuverdient.

„Wir haben das Phänomen der Multi-Jobber. Das sind Menschen, die mit dem Geld, das sie in ihrem Hauptjob verdienen, nicht mehr auskommen. Deshalb müssen sie auf einen oder mehrere Nebenjobs ausweichen, um überhaupt noch über die Runden zu kommen. Aus der puren Lust an einer 55- oder 60-Stunden-Woche macht das jedenfalls keiner“, formuliert der Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Münsterland, Bernd Bajohr in einer Pressemitteilung..

Er macht für das „Multi-Jobben“ vor allem Niedriglöhne verantwortlich. Auf der einen Seite würden Stundenlöhne bezahlt, die im Keller sind. Auf der anderen Seite stiegen die Lebenshaltungskosten. Das beste Beispiel sei das Wohnen. Hier drehe sich – nicht zuletzt wegen der Heiz- und Nebenkosten – die Preisspirale unaufhörlich nach oben. „Da sind Niedrigverdiener gezwungen, nach Feierabend und an den Wochenenden noch einmal zur Zweit-Arbeit zu gehen“, so Bajohr.

Abhilfe kann nur ein einheitlicher gesetzlicher Mindestlohn schaffen, darin sind sich ver.di und NGG einig. „8,50 Euro pro Stunde – das ist der Mindestpreis, den Arbeit bei uns hat. Wer heute für weniger Geld arbeiten muss, der hat keine Chance, von dem, was er verdient, auch leben zu können“, sagt der Geschäftsführer der NGG-Region Münsterland, Mohamed Boudih.

Er macht deutlich, dass selbst ein Mindestlohn von 8,50 Euro am Ende gerade einmal für ein Leben reiche, das „haarscharf über dem Hartz-IV-Niveau“ liege. Die generelle Lohnuntergrenze von 8,50 Euro pro Stunde könne daher nur ein Einstieg sein. „Alles darunter bedeutet erhebliche Abstriche beim Lebensstandard. Und vor allem auch ‚Ebbe bei der Rente’ – Altersarmut ist so programmiert“, so Boudih. Auch ein 8,50-Euro-Mindestlohn müsse daher rasch in weiteren Schritten angehoben werden.

Eine klare Absage erteilen ver.di und NGG dem Vorhaben der schwarz-gelben Regierungskoalition in Berlin, regional unterschiedliche Lohnuntergrenzen einzuführen. „Dann würde Deutschland zu einem Lohn-Flickenteppich“, fürchten die beiden.

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