SPD im Kreis Steinfurt wählt Jürgen Coße
Geschlossen und aufgeschlossen

Saerbeck/Kreis Steinfurt -

Die SPD im Kreis Steinfurt demonstriert Geschlossenheit: Mit nur zwei Gegenstimmen bestätigen die 85 Delegierten des Kreisparteitages ihren Vorsitzenden und Bundestagskandidaten Jürgen Coße im Amt. Der ermuntert die Genossen, aufgeschlossen auf die Bürger zuzugehen. Aufgeschlossen zeigt er sich auch gegenüber Steuererhöhungen und einem höheren Beitrag für die Pflegeversicherung.

Sonntag, 28.04.2013, 15:04 Uhr

Das Führungs-Quartett der SPD im Kreis Steinfurt: An der Spitze steht Jürgen Coße (auf dem kleinen Foto mit einem Grillzangen-Geschenk). Vertreten wird er von Elisabeth Schrameyer und dem Tecklenburger Bürgermeister Stefan Streit (links). Björn Schilling hat als Schatzmeister die Finanzen im Griff.
Das Führungs-Quartett der SPD im Kreis Steinfurt: An der Spitze steht Jürgen Coße (auf dem kleinen Foto mit einem Grillzangen-Geschenk). Vertreten wird er von Elisabeth Schrameyer und dem Tecklenburger Bürgermeister Stefan Streit (links). Björn Schilling hat als Schatzmeister die Finanzen im Griff. Foto: Achim Giersberg

80 Ja-Stimmen, drei Enthaltungen, nur zwei Nein: Jürgen Coße atmet auf. Genießt den Beifall. Nichts ist mehr zu spüren von den Querelen bei seiner Nominierung zum Bundestags-Kandidaten. Die Partei steht geschlossen hinter ihrem alten und neuen Kreis-Vorsitzenden – das ist das Signal dieses Kreisparteitags am Samstagmorgen im Saal der Saerbecker Gaststätte Ruhmöller, dem letzten vor der Bundestagswahl am 22. September.

Elisabeth Schrameyer, die später mit ebenfalls 80 Stimmen zu Coßes Stellvertreterin gewählt wird, hat ein Überraschungsgeschenk für ihn. Jagdbedarf? Coße rätselt noch über das Verpackungsetikett, dann hält er eine rote Grillzange in der Hand – nützliches Utensil für seinen „roten Grill“, einen Wahlkampf-Treff von Kandidat und Bürgern. Oder ein dezenter Hinweis, endlich mal die wirklich heißen Eisen anzufassen?

Lieber „grillt“ Coße den politischen Gegner, kritisiert das beliebte „Steinbrück-Bashing“, schimpft ein bisschen auf die Medien. Ansonsten spielt der SPD-Kanzlerkandidat keine große Rolle in den Reden dieses Parteitags. Eher schimmert eine heimliche Sehnsucht nach einer Kandidatin Hannelore Kraft durch. In einem Wahlkampf, bei dem die SPD , wie MdB Ingrid Arndt-Brauer findet, die besseren Inhalte habe, fehle leider ein emotionales Gegengewicht zu Angela Merkel, wie es Kraft hätte aufbringen können. Umso stärker müsse man sich auf die Inhalte konzentrieren.

„Noch 148 Tage“ eröffnet Coße den Countdown, erinnert an das 150-jährige Jubiläum der SPD, an das Thema Gerechtigkeit als „Kernkompetenz“ der Partei und findet: „Die Luft ist voller sozialdemokratischer Ideen. Wir haben die Antworten auf die Zukunft des Landes.“

Eine solche Antwort sind Steuererhöhungen für Gutverdiener. Von 42 auf 49 Prozent werde die SPD den Spitzensteuersatz anheben, denn „die Schwächeren brauchen mehr Solidarität“. Dazu gehört auch, wie Gastrednerin Bärbel Bas , Bundestagsabgeordnete aus Duisburg und Gesundheitsexpertin, ausführt, eine höherer Beitrag für die Pflegeversicherung. Der „Mini-Bahr“ wie sie den „Pflege-Bahr“ nennt, tauge nicht zur Lösung der Probleme im Pflegebereich, wo immer mehr Demenzkranke angemessen versorgt werden müssten und wo endlich die Beschäftigten nicht mehr mit Niedriglöhnen abgespeist werden dürften. Selbst die Stiftung Warentest warne mittlerweile, eine private Pflegezusatzversicherung nach dem Bahr-Modell abzuschließen. Ansonsten listet sie die, wie sie findet, vielen uneingelösten Gesundheits-Versprechen der schwarz-gelben-Koalition auf, von einer ausstehenden Verbesserung der Patientenrechte bis zur Weigerung, Korruption von Ärzten zu einem Straftatbestand zu machen. Engagiert wirbt sie für das Modell der Bürgerversicherung, in die alle einzahlen müssen, die alle Einkommensarten berücksichtigt und die, zumindest mittelfristig das Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung beenden soll. Die „Private“ sterbe einen „schleichenden Tod“ – schon jetzt könnten viele Versicherte extrem gestiegene Beiträge nicht mehr bezahlen. Und nebenbei gesteht Bas, dass sie auch schon mal lüge, um die Zwei-Klassen-Medizin auszutricksen: Wenn sie telefonisch einen Termin beim Arzt ausmache, sage sie, sie sei privat versichert – um später dann mit einem „Da haben Sie sich wohl verhört“ zurückzurudern.

Bei der Wahrheit bleiben will dagegen Jürgen Coße. Zu der gehöre, dass die SPD mehr Bürgermeister im Kreis Steinfurt stelle als die CDU; dass der Kreis geprägt sei von einer Vielzahl von Industriearbeitsplätzen; dass die SPD auf Geschlossenheit setze und aufgeschlossen auf alle Bürger zugehe; dass ein SPD-Sieg im Kreis also möglich, ja wahrscheinlich sei. Die SPD, so verspricht er noch, werde niemals eine „Klientelpolitik“ betreiben und erinnert an die Senkung der „Hotelsteuer“ durch schwarz-gelb, ihre Einführung der „Herdprämie“ und ihren Widerstand gegen mehr Steuergerechtigkeit.

 

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1630300?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F1781871%2F1781873%2F
ZiBoMo: Narren feiern in Wolbeck - die ersten Bilder
Fotostrecke vom Karnevalsumzug: ZiBoMo: Narren feiern in Wolbeck - die ersten Bilder
Nachrichten-Ticker