„Wir müssen weit ins Umland strahlen“
WN-Gespräch mit GWG-Chef Ottenjann

Auch wenn der Online-Handel dem örtlichen Einzelhandel schwer zu schaffen macht, sieht GWG-Chef Johann-Christoph Ottenjann die Stadt Greven auf einem guten Weg. „Grevens Chance ist es, so attraktiv zu werden, dass das Umland nach Greven kommt“, sagt er im Gespräch mit WN-Redaktionsleiter Ulrich Reske.

Samstag, 20.04.2013, 16:04 Uhr

Johann-Christoph Ottenjann sieht Grevens Innenstadt insgesamt auf einem guten Weg.
Johann-Christoph Ottenjann sieht Grevens Innenstadt insgesamt auf einem guten Weg. Foto: Oliver Hengst

Die Träume vom Edeka-Markt an der oberen Marktstraße sind geplatzt – bleiben Sie trotzdem optimistisch?

Johann-Christoph Ottenjann : Ich bleibe auf jeden Fall optimistisch, denn dazu sind wir zu lange an dem Thema dran. Wir werden in den nächsten Wochen hoffentlich so weit sein, dass wir Positives verkünden können.

Bleiben alle Grundstückseigentümer im Boot?

Ottenjann : Bis dato ist das noch so, aber natürlich ist das Risiko aufgrund des großen Zeitfensters hoch, dass irgendwann mal einer abspringt.

Das kleine Projekt Genussmarkt an der oberen Marktstraße sorgt für Furore. Dafür macht sich die Powerfrau Brigitte Rinn stark. Wie bewerten Sie dieses Engagement?

Ottenjann: Zunächst gab es einen Start beim Frühlingsfest . Alles, was hier für Leben sorgt, ist natürlich zu befürworten, vor allem wenn es komplett auf privater Basis entwickelt wird. Wie es weitergeht, muss man sehen. Lieber hätte ich natürlich den ganz großen Genussmarkt an dieser Stelle gesehen.

In der Gesamtstadt hat es in den vergangenen Monaten viel Bewegung gegeben. Bringt etwa der Rewe-Markt zwischen Rathaus und Martinistraße mehr Frequenz für die Stadt als der Edeka-Markt an der Marktstraße, den die Stadt nicht haben will?

Ottenjann: Die Frage ist einfach zu beantworten. Der Markt hier oben an der Marktstraße verfügt über die doppelte Größe. Für die Innenstadt insgesamt wäre dieses riesige Frische-Angebot attraktiver gewesen.

Fakten sind längst im Niederort geschaffen. Der hat sein Gesicht bereits verändert, wird in den nächsten Monaten umgebaut. Was hat das für Auswirkungen auf die Stadt

Ottenjann: Die Veränderungen ist sichtbar. Der Platz ist luftiger geworden. Die Auswirkungen zeigen sich natürlich erst nach dem Umbau. Doch schon jetzt ist festzustellen, dass dieser Platz Freizeitaktivitäten in der Innenstadt unterstützen wird. Eine neue Eisdiele, die Sonne, die den Platz triff – das alles erzeugt schon jetzt Wirkung.

Bausteine gegen Innenstadtkrise – vertreiben die vielen Projekte (Schlüter, Alte Münsterstraße; Rathaushauspassage; Ahlert, Martinistraße; Wissmann, Rathausstraße) die Sorgen eines GWG-Chefs?

Ottenjann: Das sind interessante Impulse. Greven braucht die Kombination aus größeren Magneten, die kleine Geschäfte anbinden. Grevens Chance ist es, so attraktiv zu werden, dass das Umland nach Greven kommt. Wir haben eine spannende Umgebung von Münster-Nord über Altenberge, Nordwalde, den Steinfurter und Emsdettener Raum sowie die Achse Ladbergen–Lengerich. Hinzu kommt die wachsende Wohnbebauung in Greven. Hier muss einfach vieles richtig sein. Das Schulangebot und die medizinische Versorgung hinzugenommen, wird Greven fürs Umland immer interessanter.

Und das Integrierte Handlungskonzept? Ein wirklich sperriger Begriff. . .

Ottenjann: Da fällt mir leider auch kein besserer Name ein. Alles in allem gibt das iHK spannende Impulse. Es werden Dinge diskutiert, die man ohne die entsprechenden Zuschüsse kaum hätte in Angriff nehmen können. Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang auch das Green-Box-Projekt, das die Fußgängerzonenteile über die Rathausstraße miteinander verbinden will.

Erinnern wir uns ans Weihnachtsgeschäft. Nicht nur aus Greven, sondern republikweit kamen Klagen, dass der Online-Handel dem Handel vor Ort den Rang abläuft. Kann man sich gegen diesen Trend überhaupt noch erfolgreich stemmen?

Ottenjann: Ob man das erfolgreich kann, wird die Zeit zeigen. Doch die Fakten sind schon erschreckend. Aktuelle Zahlen vom Hauptverband des deutschen Einzelhandels sagen, dass wir bis 2020 30 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes im Internet abgewickelt haben werden. Zum Vergleich: wir liegen heute bei etwa sieben Prozent.

Sind Sie davon als Möbler und Einrichter auch betroffen?

Ottenjann: Das gilt für alle Branchen. Nehmen Sie nur das Thema Schuhe. Da hat man zunächst gesagt, die muss ich anprobieren. Das ist heute längst überholt. Und so geht es in vielen Branchen. 40 Millionen Online-Kunden insgesamt. Da wird man aufpassen müssen, die Position noch zu halten.

Sehen Sie vor dem Hintegrund überhaupt noch Chancen für Innenstädte wie in Greven?

Ottenjann: Wir müssen so weit ins Umland strahlen, dass wir unseren Kundenkreis erweitern. Da sind wir auf einem guten Weg.

Auch auf Kosten anderer Städte und Gemeinden?

Ottenjann: Ja klar. Mit spannenden Formaten in der Innenstadt sagen die Menschen etwa in Münster-Nord, da können wir statt in die münsterische Innenstadt auch nach Greven fahren.

Gefühlt sind Sie seit einer kleinen Ewigkeit GWG-Chef in Greven. Gibt es auf Dauer überhaupt mögliche Nachfolger für diese Posten?

Ottenjann: Nicht ganz einfach, aber ich würde gerne und reichlich abgeben. An dem Posten klebe ich nicht. Doch erst einmal muss man Leute finden, die ihre Freizeit für einen solchen Job opfern. Wenn das morgen einer machen will, darf er das liebend gerne.

Es gäbe noch eine schöne Position, die Sie übernehmen könnten. Greven-Marketing sucht einen neuen Vorsitzenden. Keine Lust?

Ottenjann (lacht): Im Moment reicht es mir absolut, weil es ja noch die IHK, den Einzelhandelsverband, die Deutsche Rentenversicherung, Handelsrichter, Pferde, und, und, und gibt.

Und eine süße Tochter

Ottenjann: Ja, absolut.

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