Transparente Tierhaltung
Schweinefenster bietet neue Einsichten

Ochtrup/Kreis Steinfurt -

„Nichts zu verbergen“ hat Ferkelzüchter Thomas Ostendorf aus Ochtrup. Im Gegenteil: Er wünscht sich mehr Kontakte zwischen Bauern und Verbrauchern, mehr Verständnis. den Abbau von Vorurteilen. Eine Weg dorthin: Ein „Schweinefester“, das Jedermann Einsichten in den Alltag der Ferkelproduktion erlaubt.

Freitag, 17.05.2013, 19:05 Uhr

Einblicke in den Alltag der Ferkelaufzucht eröffnet dieses Fenster in der Stallanlage von Thomas Ostendorf..
Einblicke in den Alltag der Ferkelaufzucht eröffnet dieses Fenster in der Stallanlage von Thomas Ostendorf.. Foto: Achim Giersberg

Wer beäugt hier eigentlich wen? Die Besucher die muntere Ferkelschar? Oder die fünf Wochen alten Mini-Schweine die Menschen auf der anderen Seite des Fensters? Neugierig verfolgen sie jede Bewegung „draußen“, flüchten erschreckt in eine Ecke, als Bauer Thomas Ostendorf ausnahmsweise das Fenster öffnet, um ein Foto ohne störende Spiegelungen zu ermöglichen, kommen aber schnell wieder näher ran, schnuppern an Ostendorfs Hand. So ein Pressetermin bringt eben Abwechslung ins Ferkelleben.

Thomas Ostendorf hat vor wenigen Tagen das erste „ Schweinefenster “ im Kreis Steinfurt gebaut. Kindergärten und Schulklassen, aber auch jeder unangemeldete Besucher können hier neue Einsichten gewinnen. Das fast bodentiefe Fenster zeigt einen ungeschönten Blick in die Ferkelstube. Zwei Info-Tafeln informieren über die Aufzucht, es gibt Flyer zum Mitnehmen.

„Wir brauchen uns nicht verstecken mit der Qualität unserer Lebensmittel", sagt Ostendorf und bedauert, dass „der Bürger viel zu weit weg ist“ von der Lebensmittelproduktion auf einem Bauernhof. Ob der Betrieb des „Schweinemobils“ oder ein Dreh von Pro7 für das Magazin „Galileo“ vor wenigen tagen – Ostendorf ist offen für jede Art von Öffentlichkeitsarbeit: „Wir müssen offensiv nach draußen gehen mit dem, was wir tun.“ Ohne mehr Transparenz drohe die Entfremdung zwischen Bauern und Verbraucher noch mehr zu wachsen. So war es keine Frage für ihn, sich auf ein Angebot des Vereins „information.medien.agrar.e.V.“ einzulassen, das den Fenster-Einbau mit 1000 Euro bezuschusst. Das habe gerade so gereicht, meint Ostendorf und freut sich über das Ergebnis. Inneneinsichten in die Ferkelzucht sind jetzt möglich, ohne aufwendig Schutzanzüge anziehen zu müssen und ohne Hygiene-Risiken einzugehen.

„Ich freue mich schon auf die ersten Gespräche, gerne auch kritische,“ sagt Ostendorf. Aber „abpassen““ werde er keinen Besucher, die Fenster-Schau laufe natürlich nur so nebenbei: „Wir sind kein Streichelzoo und keine Kirmes.“ Der an seinem Hof vorbeiführende 100-Schlösser-Radweg werde sicher einige Besucher zum Schaufenster umlenken, zumal demnächst ein Schild darauf hinweisen soll. Aber ansonsten erwarte er erst einmal „keinen Massenandrang“.

Marlies Grüter, beim WLV-Kreisverband für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, wünscht sich, dass möglichst viele Landwirte im Kreis Ostendorf nacheifern und ebenfalls solche Fenster bauen, auch in Schweine- oder Hühnermastställe. Denn auch beim WLV sei man davon überzeugt, dass mehr Transparenz, mehr Information, mehr Aufklärung das nicht immer ganz spannungsfreie Verhältnis zwischen Bauern und Verbrauchern verbessern kann.

Wer auch seinen Stall mit einem Fenster ausstatten will, kann sich einfach ans Grüne Zentrum in Saerbeck wenden.

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