MdB der CDU auf Sommertour
Energiewende lässt viele Fragen offen

Saerbeck/Kreis Steinfurt -

Bei ihrer Sommerour machten gestern die Bundestagsabgeordneten und -Kandidaten der Münsterland-CDU auch im Bioenergiepark Saerbeck Station. Mit einfachen Antworten zur Energiewende und Strompreisexplosion taten sich die Politiker schwer – ein „langer Atem“ sei gefragt

Donnerstag, 15.08.2013, 16:08 Uhr

Insgesamt 29 Megawatt elektrische Leistung aus 74 Photovoltaikanlagen, zwei Biogasmeilern und sieben Windrädern; mit 199,5 Metern die höchsten Windräder im ganzen Land; Pläne für stationäre Energie-Großspeicher, die amerikanische und japanische Firmen errichten wollen; Bürger, die für 2,4 Millionen Euro Solaranlagen auf ihren privaten Dächern installiert haben: Vieles von dem, das Bürgermeister Wilfried Roos eben noch im Schnelldurchgang in der „gläsernen Heizzentrale“ über die Klimakommune Saerbeck und den Bioenergiepark auf dem Gelände eines ehemaligen Munitionsdepots erzählt hat,können die sechs Münsterland-Bundestagsabgeordneten und -kandidaten der CDU jetzt vor Ort und „live“ bestaunen.

Und natürlich sind sie beeindruckt. Sie, das sind neben Sybille Benning aus Münster, Reinhold Sendker (Warendorf) und Johannes Röring (Borken). Auch die beiden CDU-MdBs aus dem Kreis Steinfurt, Jens Spahn und Karl Schiewerling und die MdB-Kandidatin Anja Karliczek. Sechs Etappen, von Telgte bis Billerbeck, steuern sie per Fahrrad an, das Motto heißt „Fortschritt hat hier Tradition.“ Eine Wahlkampftour?

Zumindest in Saerbeck nicht. Denn die Fahrt findet nahezu ohne Bürgerkontakt statt, hat eher den Charakter einer Info-Tour. Genügend Fragen lässt die Energiewende ja offen. Was sagen Sie dazu, dass der Strompreis an der Strombörse einen Tiefststand erreicht hat, der private Verbraucher aber soviel wie noch nie für den Strom bezahlen muss? Wie wollen Sie das ändern? Doch wer glaubt, auf ein solch zentrales Wahlkampfthema hätten die versammelten MdBs fertige Antworten parat, trrt. „Wir sind alle keine Energiepolitiker“, dämpft Jens Spahn die Erwartungen. Und ja, die Einspeisevergütung für Strom aus Photovoltaik müsse gesenkt werden – aber das habe der rot-grüne beherrschet Bundesrat ja schon zweimal verhindert.

Vom „Marathonlauf“, bei dem man ja erst bei Kilometer drei angekommen sei, spricht Karl Schiewerling und davon, dass die Stromnetze zügig ausgebaut werden müssten. Und Anja Karliczek erwähnt die Entwicklung neuer Speichertechniken, die durch die Energiewende forciert werde. Aber bremst das den Strompreisanstieg? Was halten sie von der Forderung von Verbraucherschützen, die Energiewende stärker über Steuern zu finanzieren, statt über den Strompreis?

Für Karliczek ist diese Idee neu, wie sie sagt, sie hält sie aber für überlegenswert. Schiewerling ist da schon skeptischer: „Wir brauchen privates Kapital für die Energiewende“. Letztlich werde die Finanzierung der Energiewende über den Strompreis geschehen müssen, „da gibt es keine Alternative“. Man könne aber versuchen, die Kosten über mehr Jahre zu strecken.

Muss auch die Industrie auf Vergünstigungen verzichten? Schiewerling meint Ja. Ausnahme seien lediglich extrem energieintensive Betriebe,wie Aluminiumhütten, die zudem einem starken internationalen Wettbewerb ausgesetzt seien. Spahn ist da schon skeptischer, gibt zu bedenken, dass hohe Energiepreise Arbeitsplätze gefährden könnten.

„Pflöcke einschlagen“, direkt nach der Wahl, will Schiewerling, um den Preisanstieg beim Strom zu stoppen; ein Pflock soll dabei die Photovoltaik treffen. Reicht das aus? „Für die Energiewende brauchen wir einen langen Atem, da geht es auch um starke wirtschaftliche Interessen“, sagt Schiewerling. Eine konkrete Antwort ist das nicht. Immerhin: Die drei MdB machen es sich nicht leicht mit vermeintlichen Patentrezepten. Und: Nach der gestrigen Info-Tour sind sie bestimmt ein bisschen schlauer geworden.

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