Kreis Steinfurt soll Modellregion werden
Startschuss für „Apotheke 2.0“

Kreis Steinfurt -

Wer auf dem Land wohnt und gesundheitliche Hilfe braucht, hat häufig ein Problem: Ärzte finden keine Nachfolger und schließen ihre Praxen. Nicht selten trifft es dann auch die Apotheke nebenan – und im Pflegebereich herrscht schon jetzt alarmierender Notstand. Folge: Das Leben in ländlichen Regionen wird immer unattraktiver. Das neue Projekt „Apotheke 2.0“ möchte dieser Abwärtsspirale entgegenwirken. Modellregion soll der Kreis Steinfurt werden.

Montag, 05.02.2018, 16:02 Uhr

Ein wichtige Rolle in der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung übernehmen die Apotheken. Besonders für viele ältere Menschen sind sie als Anlaufstelle unerlässlich.
Ein wichtige Rolle in der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung übernehmen die Apotheken. Besonders für viele ältere Menschen sind sie als Anlaufstelle unerlässlich. Foto: Bela Hoche

Wer auf dem Land wohnt und gesundheitliche Hilfe braucht, hat häufig ein Problem: Ärzte finden keine Nachfolger und schließen ihre Praxen. Nicht selten trifft es dann auch die Apotheke nebenan – und im Pflegebereich herrscht schon jetzt alarmierender Notstand. Folge: Das Leben in ländlichen Regionen wird immer unattraktiver. Das neue Projekt „Apotheke 2.0“ möchte dieser Abwärtsspirale entgegenwirken. Modellregion soll der Kreis Steinfurt werden. Initiatoren sind die Universität Osnabrück , der Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) und die Gesundheitsregion Euregio.

„Ziel ist es, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, um den Menschen in ländlichen Regionen sinnvolle Versorgungsangebote zu machen und damit einen Umzug ins Pflegeheim oder stationäre Krankenhausaufenthalte so lange wie möglich zu vermeiden“, erklärt Prof. Dr. Frank Teuteberg , Leiter des Fachgebiets für Unternehmensrechnung und Wirtschaftsinformatik an der Uni Osnabrück. Entwicklungsfelder könnten zum Beispiel in der Vollversorgung multimorbider Patienten oder in der IT-gestützten Dauermedikation durch Überwachen von Therapieabläufen liegen. Auch die Erweiterung des Apotheken-Serviceangebots für Pflegeeinrichtungen, pflegende Angehörige und Pflegebedürftige sei denkbar.

Eine zentrale Rolle in der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung übernehme die Apotheke vor Ort laut AVWL-Vorsitzendem Dr. Klaus Michels vor allem aufgrund ihrer Niederschwelligkeit: „Häufig ist der Apotheker im Dorf der einzige verbliebene Ansprechpartner für gesundheitliche Probleme.“ Besonders für die wachsende Gruppe der älteren, weniger mobilen Menschen, die gleichzeitig einen hohen pharmazeutischen Betreuungs- und Beratungsbedarf hätten, sei diese Anlaufstelle unerlässlich. „In Apotheken arbeiten Gesundheitsexperten, die in der Regel sehr gut einschätzen können, wann ihre Patienten weitergehende Unterstützung etwa durch einen Arzt benötigen“, ergänzt Hans-Jürgen Simacher, Geschäftsführer des Apothekerverbandes. Das Projekt „Apotheke 2.0“ möchte diese Lotsenfunktion nutzen, um die digitale Vernetzung der unterschiedlichen Akteure im Gesundheitssystem zu verbessern. Simacher: „Nur wenn sämtliche Beteiligten Hand in Hand arbeiten, vom Arzt über den Apotheker bis hin zum Pflegedienst, können wir eine möglichst hohe Behandlungsqualität erreichen.“

Im Gegensatz zu reinen Online-Angeboten bleibt der Fokus der „Apotheke 2.0“ laut den Projektverantwortlichen auf den individuellen Bedürfnissen der Patienten. „Unser Anspruch ist es, analoge und digitale Angebote dahingehend sinnvoll und intelligent zu verknüpfen, dass einer Entmenschlichung der Versorgung auf dem Land entgegengewirkt wird“, sagt Simacher. Schließlich sei der Apotheker vor Ort für viele ältere Menschen nicht nur Gesundheitsexperte, sondern auch Vertrauensperson und soziale Anlaufstelle.

Wichtig ist den Projektverantwortlichen die Übertragbarkeit der Ergebnisse: „Die Tools und Konzepte, die entwickelt werden, sollen am Ende Apotheken in sämtlichen Regionen des Landes nutzen können“, erklärt Teuteberg abschließend.

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