Arbeiten gerade trotz Handicap
Ziel: Zurück in ersten Arbeitsmarkt

Kreis Steinfurt -

Bei all den derzeit positiven Zahlen vom Arbeitsmarkt darf nicht vergessen werden: Menschen mit Integrationshemmnissen in Arbeit zu bringen wird immer wichtiger. Warum das so ist und wie man das am besten realisieren kann, erörterten am Mittwoch 180 Teilnehmer auf der 8. Regionaltagung des Gemeindepsychiatrischen Verbund im Kreis Steinfurt, die in Emsdetten stattfand.

Mittwoch, 26.09.2018, 16:30 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 26.09.2018, 16:30 Uhr
Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales und Prof. Heinrich Greving (kleines Bild) waren die Hauptredner auf der 8. Regionaltagung.
Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales und Prof. Heinrich Greving (kleines Bild) waren die Hauptredner auf der 8. Regionaltagung. Foto: Peter Sauer

Trotz der anhaltend guten Arbeitslosenquote im Kreis von 2,8 Prozent (SGB II) gibt es mit 5500 Menschen immer noch zu viele Langzeitarbeitslose. Zu diesem Ergebnis kam am Mittwoch nicht nur Kreissozialdezernent Tillmann Fuchs auf der 8. Regionaltagung des Gemeindepsychiatrischen Verbundes im Kreis. Diese fand vor rund 180 Teilnehmern in Stroetmanns Fabrik in Emsdetten statt.

„Unter den 5500 Langzeitarbeitslosen sind 2000 Personen mit körperlichen und psychischen Handicaps“, führte Tillman Fuchs weiter aus. „Wir brauchen gerade auch für diese Menschen Maßnahmen und Unterstützung in den ersten Arbeitsmarkt.“ Das gelte grundsätzlich auch für alle Menschen mit Integrationshemmnissen. Fuchs stellte kurz das Projekt „TIME – Teilhabe im Münsterland“ vor, an dem sich neben Hamm und Münster alle Münsterlandkreise beteiligen wollen. Vorausgesetzt, die notwendigen 30 Millionen Euro werden bewilligt.

Differenzierte Teilhabe und eine faire Integration für Menschen mit Handicaps zurück in den Arbeitsmarkt ist auch das Ziel von Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann . Der Schirmherr der Tagung gab sich betont kämpferisch. „Es fehlt ein gesellschaftliches Klima in der Arbeitswelt, das schwergehandicapte Menschen auch ein wertgeschätzter Bestandteil sind.“

Arbeit sei für alle Menschen eine wichtige Tagesstrukturierung und gerade auch für psychisch Kranke wichtig. Laumann erinnerte daran, dass darunter auch viele Akademiker seien: „Bomben-Staatsexamen und dann werden sie nicht angestellt.“ Laumann spricht sich, wie später auch Prof. Heinrich Greving (Katholische Hochschule NRW) bei seinem Vortrag, dafür aus, dass es nur einen Arbeitsmarkt geben sollte und keine Sonderarbeitsmärkte und betonte: „Die Hartz-IV-Leute leben in ihrem Milieu – das ist ja das Verfluchte.“ Es sei wichtig, sie beruflich in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren und auch sozial, dass sie dort für ihre Arbeit Anerkennung bekommen und einen Bekanntenkreis aufbauen könnten.

Prof. Heinrich Greving

Prof. Heinrich Greving Foto: Peter Sauer

Ganz praktisch schlug Laumann vor: „Jedem Hausmeister im Kreis Steinfurt sollte ein Gehilfe mit Handicap zur Seite gestellt werden.“ Mit ähnlichen Teams auf Augenhöhe gebe es gute Erfahrungen. Scharf verurteilte er jene Chefs, die Menschen mit Handicap nur dann einstellen, wenn ihnen Geld vom Staat winkt. „Arbeit muss grundsätzlich so organisiert werden, dass sie Wertschöpfung ist und nicht zu 100 Prozent über Lohnzuschüsse läuft.“

Prof. Heinrich Greving forderte das Plenum auf, Inklusion gesamtgesellschaftlich offen zu kommunizieren, damit das jetzt noch Besondere irgendwann normaler Alltag wird. Dabei komme es auch auf Bildung und aktives Netzwerken an. In weiteren Referaten ging es um den Blick der Wirtschaft und das Bundesteilhabegesetz.

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