Neujahrskonzert im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst
Besoffen vor Glück

Kreis Steinfurt -

Für Musikliebhaber steht dieser Termin am Jahresbeginn fest im Kalender: Das Neujahrskonzert im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst. Ausführende waren diesmal Stipendiaten der Dörken-Stiftung. Der Saal war lange ausverkauft. Die Besucher erlebten ein abwechslungsreiches Programm mit allerlei Überraschungen.

Montag, 14.01.2019, 14:44 Uhr aktualisiert: 16.01.2019, 15:40 Uhr
Stipendiaten der Dörken-Stiftung (im Bild das „Eternum-Saxofonquartett“) gestalteten am Sonntagabend das traditionelle Neujahrskonzert im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst in Hörstel. Der Saal war wieder einmal restlos ausverkauft.
Stipendiaten der Dörken-Stiftung (im Bild das „Eternum-Saxofonquartett“) gestalteten am Sonntagabend das traditionelle Neujahrskonzert im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst in Hörstel. Der Saal war wieder einmal restlos ausverkauft.

Mundharmonika? Da denken Jazz-Kenner wohl an Toots Thielemans, Blueser an John Mayall, Serienfreunde an den „Landarzt“, und uns allen schrillt sogleich Morricones „Lied vom Tod“ in den Ohren. Aber Klassik? Da muss man lange suchen – oder so viel Geld sammeln, dass man bekannte Komponisten dafür bezahlen kann, dass sie was ganz Neues für Mundharmonika und Klavier in Töne setzen. Was dabei herausgekommen ist, durften die Zuhörer im Kunsthaus Kloster Gravenhorst als Allererste hören: Welt-Uraufführungen des Amerikaners Eric Roth (der extra aus Chicago nach Gravenhorst angereist ist) und des Japaners Masashi Hamauzu (der hauptsächlich Musik für Computerspiele schreibt).

Neujahrskonzert DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst

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  • Neujahrskonzert im Kunsthaus Kloster Gravenhorst mit Stipendiaten der Dörken-Stiftung Foto: Hans Lüttmann
  • Neujahrskonzert im Kunsthaus Kloster Gravenhorst mit Stipendiaten der Dörken-Stiftung Foto: Hans Lüttmann
  • Neujahrskonzert im Kunsthaus Kloster Gravenhorst mit Stipendiaten der Dörken-Stiftung Foto: Hans Lüttmann
  • Neujahrskonzert im Kunsthaus Kloster Gravenhorst mit Stipendiaten der Dörken-Stiftung Foto: Hans Lüttmann
  • Neujahrskonzert im Kunsthaus Kloster Gravenhorst mit Stipendiaten der Dörken-Stiftung Foto: Hans Lüttmann
  • Neujahrskonzert im Kunsthaus Kloster Gravenhorst mit Stipendiaten der Dörken-Stiftung Foto: Hans Lüttmann
  • Neujahrskonzert im Kunsthaus Kloster Gravenhorst mit Stipendiaten der Dörken-Stiftung Foto: Hans Lüttmann
  • Neujahrskonzert im Kunsthaus Kloster Gravenhorst mit Stipendiaten der Dörken-Stiftung Foto: Hans Lüttmann
  • Neujahrskonzert im Kunsthaus Kloster Gravenhorst mit Stipendiaten der Dörken-Stiftung Foto: Hans Lüttmann
  • Neujahrskonzert im Kunsthaus Kloster Gravenhorst mit Stipendiaten der Dörken-Stiftung Foto: Hans Lüttmann

Aber das Neujahrskonzert mit Stipendiaten der Dörken-Stiftung im voll besetzten Klostersaal begann ganz brav und bieder mit einer Mozart-Sonate, die der erst 16-jährige Wolfgang Amadeus für seine Schwester geschrieben hat. Ein kleines Meisterwerk, das die Russin Julia Polinskaja und ihr iranischer Duo-Partner Arash Rokni vierhändig auf dem Klavier zelebrierten, so spielfreudig, konzentriert und wieder ausgelassen, als säßen dort die Nannerl und der Wolfgang vor den Tasten.

Lyrisch und hell, frisch und fröhlich wallte die Sonate durch den Saal und erinnerte an Figuren aus Mozarts Opern. Dass die beiden Pianisten, die als „Duo Noema“ auftreten, auch wuchtig, wild und beinahe brachial konzertieren können, bewiesen sie mit Auszügen aus Stravinskys Klavierversion seines Skandalstücks „Le sacre du printemps“. Bei der Premiere vor gut 100 Jahren in Paris war die Musik wegen Tumulten auf den Rängen kaum zu hören, und am Ende zählte die Polizei 27 Verletzte. Die gab es am Sonntag allerdings nicht, tumultartig klang jedoch der begeisterte Applaus.

Den bekamen anschließend auch drei hübsche junge Damen und ein gestandener Herr, die sich mit ihren Saxofonen zuerst vor dem jüngsten Bach, Johann Christian, verbeugten (den man auch den „Mailänder Bach“ nennt), um die Zuhörer im zweiten Teil des Konzerts besoffen zu spielen. „Besoffen vor Glück werden Sie danach sein“, versprach Moderator Winfried Fechner, der wieder locker, sympathisch und kenntnisreich durchs Programm führte.

Ein Programm, das außer Bach und Mozart sehr moderne und daher auch sehr anspruchsvolle Musik bot. Allen voran, avantgardistisch also im reinsten Wortsinn, der erst 22-jährige Konstantin Niklas Reinfeld, der, einfühlsam von Benny Nuss am Klavier begleitet, seine Mundharmonika singen und seufzen ließ, zetern, flüstern und den Rassismus anklagen, der Eric Roth zu seiner Komposition „On Christmas?“ inspirierte. Dass so große Musik aus einem so kleinem Instrument strömen kann!

Für das abschließende musikalische Glücksbesäufnis sorgte dann das „Eternum-Saxofonquartett“ (Anna-Marie Schäfer, Eva Kotar, Ajda Antonovic und Filip Orlovic) mit kompositorischen Glanzstückchen von Johann Sebastian Bach, George Gershwin, Astor Piazzolla (ja, dieser hymnische Nonino-Tango, der auch bei der königlichen Hochzeit von Maxima und Willem Alexander zu hören war) und der Groteske „Patchwork“, die in „Huh!“-Rufe und hektisches Geschnatter mündet.

Nachdem die Zuhörer noch eine Zugabe herbeigeklatscht hatten, wurden sie mit einem eleganten Tango aus der „Dreigroschenoper“ belohnt und machten sich beschwingt (und besoffen?) auf dem Heimweg.

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