Polit-Talk zur Europawahl mit sechs Kandidaten in der Steinfurter Konzertgalerie
Höflich aber bestimmt

Kreis Steinfurt -

Ob es am Ende einen Sieger gegeben hat? Die Zuhörer waren mit Antworten zurückhaltend. „Hauptsache die Demokratie gewinnt“, erhielt eine Stimme aus dem Hintergrund breite Zustimmung nach dem großen Polit-Talk zur Europa-Wahl in der Steinfurter Konzertgalerie.

Freitag, 29.03.2019, 17:48 Uhr
Symbolträchtiger Ort: Im ältesten frei stehenden Konzertsaal Europas, der Bagno-Galerie, ging es um die Zukunft Europas. Auf dem Podium (v.l.): Gregor Schäfer (FDP), Alexandra Geese (Bündnis 90/Grüne), Özlem Demirel (Die Linke), Dr. Markus Pieper (CDU), Sarah Weiser (SPD), Martin Schiller (Afd) und Moderator Prof. Dr. Thilo Harth.
Symbolträchtiger Ort: Im ältesten frei stehenden Konzertsaal Europas, der Bagno-Galerie, ging es um die Zukunft Europas. Auf dem Podium (v.l.): Gregor Schäfer (FDP), Alexandra Geese (Bündnis 90/Grüne), Özlem Demirel (Die Linke), Dr. Markus Pieper (CDU), Sarah Weiser (SPD), Martin Schiller (Afd) und Moderator Prof. Dr. Thilo Harth. Foto: Drunkenmölle

Ob es am Ende einen Sieger gegeben hat? Die Zuhörer waren mit Antworten zurückhaltend. „Hauptsache die Demokratie gewinnt“, erhielt eine Stimme aus dem Hintergrund breite Zustimmung. Nach einer Stunde instrumentaler Einstimmung durch preisgekrönte Musikschüler aus dem Zweckverbandsgebiet des Steinfurter Kulturforums und weiteren zweieinhalb Stunden politischem Schlagabtausch war die Luft raus und die Konzentrationsfähigkeit des Publikums erschöpft. Sechs unterschiedliche Ideen von sechs unterschiedlichen Kandidaten, wie das Europa der Zukunft aussehen soll, mussten erst einmal verarbeitet werden.

Das Europe Direct Center, die Europa-Union, die WESt, der Kreis und das Kulturforum hatten zu diesem Abend eingeladen, Antworten auf die Frage zu bekommen „Welches Europa wollen wir?“. Streitbare Themen gab es genug, einen offenen Streit auf dem Podium aber nicht. Der Umgang miteinander war durchaus höflich und fair, in der Sache aber bestimmt. Insbesondere immer dann, als es darum ging, dem AfD-Vertreter Martin Schiller in seine Schranken zu weisen. Der hatte sich (vom Publikum aus betrachtet) ohnehin gleich am rechten Bühnenrand positioniert. Die EU sei eine Transfer- und Schuldenunion, betreibe Etikettenschwindel, werde fremd von Brüssel regiert, beschrieb Schiller seinen Eindruck von der Gemeinschaft. Er forderte eine Politik, die den nationalstaatlichen Interessen der Bevölkerung wieder mehr Beachtung schenkt. Es gab überwiegend Kopfschütteln, manchmal auch verhaltenen Beifall.

Damit, dass Schiller auf seiner Facebook-Seite eine Fotomontage (mittlerweile wieder gelöscht) der schwedischen Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg in der Uniform des „Bundes Deutscher Mädel“, einer Teilorganisation der Hitlerjugend, gezeigt, hatte, geriet er vollends ins Abseits. Schiller rechtfertigte die Montage als Ausdruck dafür, dass die Jugend heute politisch instrumentalisiert werde. Die Empörung im Saal war groß.

Gut hat es der Runde getan, dass sich Moderator Prof. Dr. Thilo Harth von der FH Münster, Mitglied im Rednerdienst Team Europe, Dr. Markus Pieper (CDU), Sarah Weiser (SPD), Gregor Schäfer (FDP), Özlem Demirel (Die Linke) und Alexandra Geese (Bündnis 90/Grüne) nicht an den von ihnen wiederholt als „blankem Populismus“ verurteilten AfD-Positionen abgearbeitet haben. So wurden in der Mitte und am linken Bühnenrand in der Diskussion um soziale Gerechtigkeit, Armut, um Wirtschaft, Finanzen, Schuldenabbau, um Umwelt- und Naturschutz, Energiekonzepte, Verkehr, Verteidigung, Digitalisierung, Internet und natürlich auch den Brexit zwar immer wieder unterschiedliche Auffassungen darüber deutlich, Europa sicherer, sozialer, fortschrittlicher und solidarischer zu machen. Applaus gab es mal dafür, armutsfeste Mindestlöhne einzuführen, Steuerschlupflöcher für multinationale Konzerne zu stopfen, oder dafür, ein gemeinsames Außenministerium, eine gemeinsame Armee zu schaffen sowie mehr für den Klimaschutz zu tun.

Die Schnittmengen waren ebenso groß wie der Wille, dieses Europa um jeden Preis zu erhalten. Ja, viele Fehler seien gemacht worden. Sie seien aber kein Grund, an den Grundfesten zu rütteln. Allen Bewegungen und Kräften, die mit ihrer Politik die Stabilität der Union untergraben, müssten gestoppt werden.

Der abschließende Appell von Annerose Pott vom Europe Direct Informationszentrum, unbedingt am 26. Mai zur Wahl zu gehen, knüpfte an den Beginn des Abends an. Landrat Dr. Klaus Effing und Dr. Angelika Kordfelder, Vorsitzende des Kreisverbandes Steinfurt der Europa-Union, hatten betont, wie richtungsweisend die bevorstehende Abstimmung ist. Es gehe darum, den europäischen Gedanken überall noch deutlicher und erfahrbarer zu machen, es gehe um Gesellschafts- und Wertemodelle und das große Ziel, Frieden und Freiheit langfristig zu sichern. Hauptsache die Demokratie gewinnt.

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