„Apotheke 2.0“ setzt im Kreis Steinfurt erste Projektideen in die Praxis um
Mehr Sicherheit durch Digitalisierung

Kreis Steinfurt -

Das Modellprojekt „Apotheke 2.0“ liefert erste Ergebnisse für die Praxis, die Versorgungssicherheit für Patienten auch in Zukunft zu gewährleisten.

Dienstag, 11.06.2019, 17:04 Uhr aktualisiert: 12.06.2019, 16:40 Uhr
Wie Apotheken zukünftig die Gesundheitsversorgung auf dem Land sichern, darauf soll das Forschungsprojekt „Apotheke 2.0“ Antworten liefern Für die Modellregion Kreis Steinfurt sind am Dienstag erste Ergebnisse vorgestellt worden (v.l.): Landrat Dr. Klaus Effing, Apotheker Abed Daka, Alina Behne (Uni Osnabrück), Dr. Klaus Michels, Dr. Olaf Elsner (beide AVWL-Vorstand) sowie Christian Fitte (Uni Osnabrück).
Wie Apotheken zukünftig die Gesundheitsversorgung auf dem Land sichern, darauf soll das Forschungsprojekt „Apotheke 2.0“ Antworten liefern Für die Modellregion Kreis Steinfurt sind am Dienstag erste Ergebnisse vorgestellt worden (v.l.): Landrat Dr. Klaus Effing, Apotheker Abed Daka, Alina Behne (Uni Osnabrück), Dr. Klaus Michels, Dr. Olaf Elsner (beide AVWL-Vorstand) sowie Christian Fitte (Uni Osnabrück). Foto: Drunkenmölle

Erst macht der Hausarzt, dann auch noch der Apotheker dicht. Und die Patienten? Die schauen mancherorts ratlos in die Röhre, wenn, wie schon jetzt befürchtet, die Lücken in der medizinischen und pflegerischen Versorgung zukünftig noch größer werden. Betroffen ist insbesondere die Bevölkerung auf dem Land, weshalb unter anderem auch der Kreis Steinfurt auf unterschiedlichsten Ebenen Anstrengungen unternimmt, dem drohenden Mangel an Allgemeinmedizinern und Pflegekräften entgegenzuwirken. Dazu soll auch das Modellprojekt „Apotheke 2.0“ unter Schirmherrschaft von NRW-Minister Karl-Josef Laumann beitragen. Auf drei Jahre angelegt, vom Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL), von der Universität Osnabrück und der Gesundheitsregion Euregio initiiert und mit Bundesmitteln gefördert, wird seit Anfang 2018 das Ziel verfolgt, Konzepte auf der Grundlage wissenschaftlicher Forschung zu entwickeln, Akteure und Einrichtungen im Gesundheitssystem zu entlasten.

Die Apotheken wollen dazu beitragen, dass das Netzwerk nicht nur sicherer, sondern auch effektiver und schließlich sogar zeitsparender und kostengünstiger wird. Wie das funktionieren kann, haben die AVWL-Vorstandsmitglieder Dr. Klaus Michels und Dr. Olaf Elsner , Alina Behne und Christian Fitte von der Uni Osnabrück und der Steinfurter Apotheker Abed Daka am Dienstag in Steinfurt vorgestellt. Mit dabei auch Dr. Klaus Effing. Der Steinfurter Landrat freute sich einerseits, dass der Kreis Steinfurt als Modellregion ausgesucht worden ist. Andererseits ist auch ihm bewusst, dass sich die Zahl der Apotheken dort in den vergangenen 15 Jahren um zehn Prozent auf aktuell 112 verringert hat. Eine alarmierende Entwicklung, so schätzen die Apotheker-Vertreter die Situation ein.

Dazu, dass Apotheken als Anlaufstellen und damit eine wohnortnahe Versorgungssicherheit erhalten bleibt, soll die „Apotheke 2.0“ mit ihren digital unterstützten Dienstleistungen beitragen. Ein Beispiel ist die Arzneimitteltherapie-Prüfung. Sie wird von Daka bereits in seiner Apotheke eingesetzt. Bekommt ein Patient eine neues Mittel verschrieben, wird es von ihm auf Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die der Patient bereits einnimmt, abgeglichen. Gibt es Probleme, wird der Arzt informiert, um die Medikation abzustimmen.

Ein zweites Beispiel ist die sogenannte Verblisterung, das Portionieren von Medikamenten, die oftmals in einer bestimmten Reihenfolge, zu einer bestimmten Zeit, nüchtern oder nach dem Essen eingenommen werden müssen. „Mal wird was vergessen, mal etwas verwechselt – mit riskanten Folgen“, weiß Daka aus der Praxis. Eine digitale Plattform erlaubt es nun, für den Patienten die richtige Dosierung für die richtige Tageszeit automatisiert in einem Folienstreifen zusammenzustellen.

Darüber hinaus ist schon jetzt vorstellbar, dass ein 3-D-Drucker für jeden Patienten individuell alle Wirkstoffe in einer Tablette herstellt, lenkten Behne und Fitte die Blicke darauf, was die digitale Zukunft noch alles möglich machen kann.

Eine zentrale Funktion, davon sind alle Projektbeteiligten überzeugt, wird darüber hinaus der digitalen Gesundheitsakte zukommen. Sie soll dazu beitragen, dass der Austausch zwischen Ärzten, Pflegediensten und Apothekern verbessert wird. Prozesse sollten zielgerichtet unterstützt und vereinfacht werden. Michels dazu: „Es gilt der Grundsatz: Digitalisierung ist kein Selbstzweck.“

„Ein Mausklick ersetzt nicht den Händedruck“, verweist Elsner, dass die Beratung und Betreuung vor Ort nie verloren gehen darf. Der Apotheker sei insbesondere als Begleiter und Betreuer gefragt. Eine Leistung, die man online nicht abrufen könne, wie Michels mit Blick auf die zunehmende Konkurrenz durch den Versandhandel anmerkte. „Damit Apotheke 2.0 wirken kann, müssen wir verhindern, dass das bestehende Apothekennetzwerk weiter ausdünnt.“

Und wie geht’s weiter? Das Uni-Team in Osnabrück wird seine Studien fortsetzen. Die Ideen, die entwickelt werden, sollen weiter im Kreis Steinfurt erprobt werden, damit anschließend noch mehr Patienten profitieren können. Daka: „Wir sind bereit mitzuziehen.“ Zugleich sei die Politik gefordert, endlich die Rahmenbedingungen zu schaffen.

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