Tiertransporte in Nicht-EU-Staaten
Peta zeigt Amtstierärzte des Kreises wegen „Beihilfe zur Tierquälerei“ an

Kreis Steinfurt -

Peta, Deutschlands größte Tierschutzorganisation, will die im Kreis Steinfurt für Tiertransporte zuständigen Amtstierärzte vor den Kadi bringen. „Beihilfe zur Tierquälerei“ lautet der Vorwurf.

Mittwoch, 07.08.2019, 15:46 Uhr aktualisiert: 07.08.2019, 17:49 Uhr
Peta kritisiert, dass insbesondere bei Tiertransporten in Nicht-EU-Staaten der Tierschutz missachtet wird. Die Amtstierärzte würden sich der „Beihilfe zur Tierquälerei“ schuldig machen, wenn sie billigen, dass Vorschriften nachweislich nicht eingehalten werden.
Peta kritisiert, dass insbesondere bei Tiertransporten in Nicht-EU-Staaten der Tierschutz missachtet wird. Die Amtstierärzte würden sich der „Beihilfe zur Tierquälerei“ schuldig machen, wenn sie billigen, dass Vorschriften nachweislich nicht eingehalten werden. Foto: Ulrich Perrey/dpa

Peta, Deutschlands größte Tierschutzorganisation, will die im Kreis Steinfurt für Tiertransporte zuständigen Amtstierärzte vor den Kadi bringen. „Beihilfe zur Tierquälerei“ lautet der Vorwurf. Er wird in Zusammenhang mit Tiertransporten in Nicht-EU-Staaten erhoben.

Lange Fahrten bei Extremtemperaturen

Peta wirft den Behördenmitarbeitern vor, vorsätzlich und verantwortungslos zu handeln, wenn sie es zulassen, dass Tiere Tausende Kilometer unter extremen Bedingungen in andere Länder gebracht werden. „Bei Tiertransporten gelten die EU-Vorschriften bis ins Zielland, können jedoch oft nicht eingehalten werden“, schildern die Aktivisten ihre Beobachtungen, dass die Tiere an den europäischen Außengrenzen wegen der langen Wartezeiten häufige Extremtemperaturen ausgesetzt seien. Zudem würden sich viele von ihnen verletzen, sich gegenseitig tot trampeln oder verdursten. Nach der Ankunft würden sie oftmals misshandelt und ohne Betäubung getötet.

Langstreckentransporte nicht mehr genehmigen

In einer Mitteilung der Organisation spricht Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Peta-Rechts- und Wissenschaftsabteilung, von „Höllenfahrten“. Er fordert alle Amtstierärzte auf, als ersten Schritt zumindest sämtliche Langstreckentransporte nicht mehr zu genehmigen.

Peta bezieht sich dabei unter anderem auf ein Grundsatzurteil des Europäischen Gerichtshofes. Darin sei bereits vor vier Jahren klargestellt worden, dass Veterinärbehörden Tiertransporte in Nicht-EU-Staaten untersagen können, wenn die im Transportplan angegebenen Transportzeiten und -bedingungen nach ihrem Ermessen keine wirklichkeitsnahen Angaben enthalten. Die Veterinäre seien verpflichtet, die Tiere zu schützen. Würden die Bestimmungen missachtet, würden sie sich strafbar machen.

Strafanzeige auch in Münster und weiteren Kreisen

Diesen Tatbestand sieht Peta nicht nur im Kreis Steinfurt, sondern auch in weiteren Fällen erfüllt. Strafanzeige ist deshalb sowohl in Münster (am Montag vergangener Woche eingegangen) als auch noch bei neun weiteren Staatsanwaltschaften, überwiegend in ostdeutschen Landkreisen, gestellt worden.

Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Münster, erklärte am Mittwoch auf Nachfrage dieser Zeitung dazu, dass, wie in jedem anderen Fall auch, die Anzeige zunächst geprüft und danach entschieden werde, ob Ermittlungen eingeleitet werden.

Steinfurter Kreishaus kennt Vorwürfe nicht

Unterdessen war im Steinfurter Kreishaus noch nichts von den Vorwürfen bekannt. Die Pressesprecherin des Kreises, Kirsten Weßling, erklärte, dass die seit vielen Jahren laufenden Transporte von Zucht- und Nutztieren aus dem Kreis Steinfurt in EU- und außereuropäischen Staaten auf Grundlage der Vorschriften der EU und der Bundesrepublik abgefertigt werden.

„Jeder Transport ins Ausland wird von unseren Amtstierärzten akribisch auf die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben überprüft. Vor jedem Transport werden unter anderem die Tiere auf ihre Transportfähigkeit, die Fahrzeuge auf die nötige Ausstattung zur Versorgung der Tiere, die Fahrer auf ihre Sachkunde sowie die Routenplanung auf ihre Konformität mit den Rechtsvorgaben geprüft“, schildert Weßling das Verfahren.

Und weiter: „Von daher tun unsere Amtstierärzte alles ihnen Mögliche und rechtlich Gebotene, um sicher zu stellen, dass die Tiere wohlbehalten an ihr Ziel kommen.“ Anabelle Lammering aus der Kreispressestelle ergänzte auf Nachfrage, dass 2018 vom Kreisveterinäramt 2292 Rindertransporte (2208 in EU-, 84 in Nicht-EU-Länder) und 97 Schweinetransporte (86/11) genehmigt worden sind.

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