Altenberge
Ein Hauch von Annette

Freitag, 11.04.2008, 21:04 Uhr

Altenberge . Das Haus ist kein gewöhnliches. Das hat Karl-Heinz Plettendorf schon mit jungen Jahren gespürt. Damals gehörte es noch seiner Tante, die ihm viele Geschichten über das Haus, die Teichstraße und das alte Altenberge erzählt hat. In seiner Studentenzeit hat er angefangen, es wieder in Schuss zu bringen, 1985 hat er es gekauft, 1987 ließ er es unter Denkmalschutz stellen. Es ist das Haus von Katharina Plettendorf, der Amme von Annette von Droste-Hülshoff . Die, die mit der bekannten deutschen Dichterin ein inniges Verhältnis bis zu ihrem Tod pflegte und in zahlreichen Gedichten wiederzuerkennen ist. „Es war eine außergewöhnliche Frau. Da bin ich mir sicher“, sagt der 57-Jährige. So dachte auch wohl Annette von Droste-Hülshoff, die 1840 in einem Brief an ihre Schwester von einem Portrait berichtete: „Ich habe jetzt ihr Porträt, sehr ähnlich und große Freude daran.“ Es ist das Portrait der Ur-Ur-Ur-Großmutter von Karl-Heinz Plettendorf, 77 Jahre alt war sie damals. Eine einfache Webersfrau, die mit 33 Jahren der zu früh geborenen Annette das Leben rettete und für die die Tätigkeit als Amme großes Glück bedeutete.

„Ich möchte das Alte erhalten“, sagt Plettendorf. „Es ist ein schönes Gefühl, so jemanden in der Familie gehabt zu haben.“

Viel Geld hat er in die Sanierung des Hauses gesteckt, das 1937 nach hinten erweitert wurde, und in dem auch ein bisschen der Geist der großen deutschen Dichterin schwebt. Und selbst mit angepackt hat er auch. „Auf dem Lehmboden lagen damals Holzbretter, die total verfault waren. Ich habe den ganzen Boden per Hand einen Meter tief ausgeschachtet“, erinnert sich der Nachfahre. Verändert wurde an dem Haus aber nichts. „Das gab natürlich Schwierigkeiten bei der Mietersuche. Die Räume sind nicht so, wie es heute üblich ist, und die Türen so niedrig, dass man sich bücken muss“, berichtet Plettendorf. Dann hörte Paul Winz davon und sprach ihn an. „Ein Glücksgriff“, sagt der Hausbesitzer. Der Künstler habe mitgeholfen bei der Sanierung und ein Interesse daran, das Gebäude zu erhalten. Zwei Wohnräume, ein Bereich für die Tiere und ein Raum für den Webstuhl, so sah es zu Lebzeiten Katharina Plettendorfs dort aus. Dort, wo damals der Webstuhl stand, dort steht heute die kleine Küche des Künstlers.

Draußen im Hof ist noch ein Trog. „Ich gehe davon aus, dass es der ist, aus dem damals die Tiere tranken“, sagt Winz. Und dass seine Freunde gerne in das Haus kommen. „Es ist ein guter Geist im Haus“, meint der Künstler. Auch er hat ein gutes Gefühl, wenn er an die Geschichte denkt, die mit den Mauern verbunden ist.

Geschichten könnte Karl-Heinz Plettendorf noch viele erzählen. Über den Schuster, der dort seine Werkstatt hatte und den Versammlungsraum der NSDAP , ein paar Häuser weiter an der Teichstraße.

Aber das ist ein ganz anderes Thema.

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