Altenberge
Mit der Ente zum Geschichte schreiben

Samstag, 16.01.2010, 10:01 Uhr

Altenberge - Wigbert Stermann kann sich noch gut erinnern. Der 12. Januar 1980 war ein Samstag und der heute 70-Jährige saß zusammen mit Werner Wickenbrock in dessen „Ente“ auf dem Weg nach Karlsruhe. „Wir wollten dabei sein“, sagt Stermann. Die gut 400 Kilometer Fahrt nahmen sie gelassen, auch dass sie später nur Stehplätze in der Halle hatten. Und auch wenn Stermann nicht stimmberechtigt war, gehört er trotzdem dazu: zu den Gründungsmitgliedern der Partei Bündnis90/ Die Grünen , die sich damals einfach nur Die Grünen nannten.

„Wir wurden damals als Chaoten, Träumer und Kommunisten beschimpft“, erinnert sich Stermann. Und bei jedem größeren Treffen, auch beim Gründungsparteitag in Karlsruhe, habe die Polizei gestanden und Autonummern notiert. Auch die der Ente, in der Stermann und Wickenbrock die Nacht verbrachten, bevor am Sonntag der offizielle Beschluss zur Gründung der Grünen fiel. „Das Polizeiaufgebot war riesig“, erinnert er sich. Auch die Bilder in der Halle hat er noch gut im Kopf. Frauen mit Kindern und Strickzeug seien keine Seltenheit gewesen. „Und es war sehr heiß in der Halle“, so Stermann. Petra Kelly habe ihn damals besonders begeistert. „Von ihr kam auch der Spruch ,Frieden schaffen ohne Waffen, sagt Stermann.

Spannende Zeiten seien es gewesen, erinnert sich der 70-Jährige, der für die Grüne Liste Umweltschutz 1979 den Hanseller Wahlkreis mit 65 Prozent der Stimmen direkt gewann. „Die CDU hatte bei den Kommunalwahlen erstmals keinen Kandidaten für Hansell aufgestellt“, erzählt er. Das hätten sich die Hanseller nicht gefallen lassen wollen. Und so sei er in den Rat gekommen. Die GLU hatte auf Anhieb 6,4 Prozent und auch noch einen Platz über die Reserveliste ergattert. So saßen gleich zwei Grüne im Rat der Gemeinde.

Da man 1980 gerade erst ein Jahr im Rat gewesen sei, haben er und seine Mitstreiter mit der Umbenennung in Altenberge bis 1984 gewartet. „Am 12. Februar 1984 haben wir uns der Bundespartei Die Grünen angeschlossen“, hat Stermann in den alten Unterlagen gekramt.

Dass er dauerhaft bei den Grünen bleibe, damit hätten wohl die wenigsten gerechnet, blickt er zurück. „Alle dachten, ich sei ein CDU-Mann und würde das nur kurzzeitig machen. Einmal kamen auch ein paar CDU-Herren in unsere Gaststätte und wollten mich überreden, bei ihnen weiterzumachen“, sagt Stermann. Sie konnten ihn nicht überzeugen. „Obwohl ich vorher ein typischer Wechselwähler war und auch bei Adenauer mein Kreuz gemacht habe“, erzählt er. CDU-Mitglied sei er aber nie gewesen, auch wenn dies bis heute einige behaupten würden.

Der Eintritt bei den Grünen sei nie geschäftsschädigend gewesen. Nur ein Nienberger Kegelclub sei nicht mehr in die Gaststätte gekommen. „Ich habe sie aber auch ein bisschen provoziert“, sagt Stermann. Das CDU-Emblem des Kegelwimpels habe er durch eines von den Grünen ausgetauscht. Zu viel des Guten für einige damals. Viele Jahre später habe man gemeinsam darüber gelacht, erzählt er.

Die Zeit in der Kommunalpolitik hat Stermann nie bereut. Auch nicht 30 Jahre nach der Gründung „seiner“ grünen Partei.

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