Krüsellinde mit Doppel-L
Geschichte wird neu geschrieben

Donnerstag, 10.03.2011, 22:03 Uhr

Altenberge - Auch wenn über das Online-Lexikon Wikipedia schon oft kritisch berichtet wurde, in diesem Fall ist es der Gemeinde einen ganzen Schritt voraus. Schaut man dort nämlich nach dem Wahrzeichen von Altenberge, findet man die Krüsellinde mit Doppel-L geschrieben. So, wie sie nun auch bei der Gemeinde ab sofort geführt wird. Durch Recherchen der WN wurde Bürgermeister Jochen Paus darauf aufmerksam, dass die Schreibweise der Altenberger Heimatforscher und der Gemeinde sich in einem wesentlichen Punkt unterscheiden (die WN berichteten). Die Gemeinde führte das Wahrzeichen bisher als „Krüselinde“ mit einem L.

„Falsch“, wie Eugen Zur­holt und Karl-Heinz Stening unisono berichten. Das plattdeutsche Wort „Krüsel“ bedeute „Öllampe“ oder „Leuchte“, die man zum Abschluss der „Lichtarbeitszeit“ (Spinnzeit zwischen Oktober bis etwa Fastnacht) nicht mehr brauchte. Deshalb fand laut Stening früher das sogenannte „Krüselafdrinken“ statt, das bei Tanz und Bier festlich begangen wurde. Im übertragenen Sinne bedeute „Krüsel“ aber auch „hervorragender oder erhöhter Ort“, ergänzt Stening. Das bekräftigt auch Heimatforscher Eugen Zurholt. „Die Krüsellinde ist für alle Benutzer des Alten Münsterweges ein weithin sichtbarer Orientierungspunkt gewesen“, so Zurholt.

Und Zurholt hat noch eine weitere These, die er wissenschaftlich allerdings nicht untermauern kann. Demnach zielt die so genannte Sonnenwendlinie am 21. Juni vom Dom in Münster über die Kirche in Nienberge, die Krüsellinde und die Johanneskirche über den Paschhügel auf den tiefsten Stand der Sonne am 21. Juni. Das kann Zurholt eindrucksvoll auf einer Karte zeigen, in der er die Punkte markiert und verbunden hat: „Eine gerade Linie“, wie auch Bürgermeister Jochen Paus eingestehen muss. Zurholt berichtet von anderen Punkten in Deutschland, die auch Krüsel heißen und bei denen ähnliche Phänomene zu beobachten sind. Die Germanen lassen grüßen. Ob dies allerdings mehr als eine These ist, ist nicht nachvollziehbar.

Für die Gemeinde hält sich Bürgermeister Jochen Paus deshalb eher an die Begründung, dass Krüsel für „hervorragender Ort“ steht. Dass die Kreuzlinde „Krüse Linde“ nicht Namenspatin ist, sei auch an den Straßenbezeichnungen zu sehen. „Es heißt ja Krüselstraße und nicht Krüsestraße“, so Paus. Eingebrockt hat dem Bürgermeister die Krüsellinde mit einem L eine Nonne mit dem Namen Elisabeth Biales. Deren Aufsatz aus dem Jahr 1945 hat bisher dafür gesorgt, dass die Krüsellinde bei der Gemeinde nur mit einem L geschrieben wird. Und unzähligen Schülern der Altenberger Volksschule wurde von Lehrer Rensing, so die Recherchen des Bürgermeisters, das Wahrzeichen auch mit einem L verkauft.

Die Aufsätze der Schüler sind nicht bekannt, dafür aber der der Nonne: „Manchmal träume ich, ich läge Sommers im tiefen Gras unter der Krüselinde und Sonnenstrahlen fielen auf mich durch das Blätterdach“, schreibt sie. Und weiter: „Die Bauern der Umgebung und die Dorfbewohner sind stolz auf ihre Linde. Als nähmen sie Rücksicht auf ihr Alter, haben sie die Hauptstraße nach Münster verlegt.“ Der Aufsatz schließt folgendermaßen: „Krüselinde - Klingt der Name nicht wie eine Liebkosung? Mir ist der Baum ein Stück Heimat.“

Ein Stück Heimat ist er immer noch und steht auch in der Naturdenkmalliste des Kreises Steinfurt. Dort und in anderen Dokumenten wird der Name nun geändert und damit auch ein Stück Heimatgeschichte wieder ins richtige Licht gerückt.

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