Altenberge
„Kampanile“ war in drei Monaten fertig

Freitag, 02.09.2011, 17:09 Uhr

Altenberge - Als die Hanseller ihre im Jahre 1766 fertiggestellte und dem Heiligen Johannes Nepomuk geweihte Kapelle benutzen konnten, wurden sie mit einem Glöckchen über dem Eingang zum Gottesdienst gerufen. Wegen wachsender Besucherzahlen musste man die Kapelle 1900 durch einen Anbau nach Osten hin erweitern.

Bei diesem neuen Teil handelte es sich um eine im neugotischen Stil konzipierte dreijochige Saalkirche mit eingezogenem 5/8-Chorschluss. Von da an rief die kleine Glocke im „Pengeltäönken“ auf dem neuen Kirchendach die Gläubigen zum Gottesdienst. Nach der Pfarrerhebung durch Bischof Johannes Poggenburg 1921 regte sich in der jungen Pfarrgemeinde bald der Wunsch, auch neue Glocken anzuschaffen - und als Voraussetzung dazu einen Glockenturm zu errichten.

In seiner Sitzung vom 29. Mai 1931 unter Leitung von Pfarrer Christoph Döpper (1921-35) beschloss der Kirchenvorstand einstimmig, einen Kirchturm zu bauen „mit verbindendem Bogen zwischen Turm und Kirche zum Preise von 9000 Mark“. Laut Sitzung vom 26. Juni 1931 wurde der Turmbau der Altenberger Firma Karl Stening übertragen, die schon am 1. Juli 1931 mit den Bauarbeiten begann und in nicht ganz drei Monaten das Werk vollendet hatte. Während der Bauarbeiten begleiteten vor allem die zahlreichen Hanseller „Müerkes“, für die ein Projekt dieser Größenordnung in ihrer Bauerschaft etwas völlig Neues war, den langsam wachsenden Turm äußerst skeptisch.

Sie sagten auf Platt: „Wu kann de Stening ussen Taon aone Kraan un Gerüst bauen? Dat gaiht apat nich!“ Und sie meinten, „dat Stening van binnen Steen up Steen müerde un tüskendör allemaol ne Betondieke mook. Se menden , dat härren se auk wuol konnt! Aower düt ,Ei des Columbus´ häbbt se iärst ächterhiär vullstännig begriepen.“ Schließlich waren alle mit ihrem 22 Meter hohen und im Stile eines Kampanile (was für das Münsterland eher ungewöhnlich war) errichteten Glockenturm mehr als zufrieden.

Schon während des Turmbaus sind drei neue Glocken von der Firma Petit und Edelbrock in Gescher gegossen worden. Bei dem Guss am 16. Juli 1931 waren zahlreiche Hanseller, unter anderem auch die Schulkinder unter ihrem damaligen Lehrer Heinrich Essmann, anwesend. Am Samstag, 26. September 1931, wurden die Glocken auf einem geschmückten Wagen vom Lohnunternehmer Josef Hinnemann feierlich einge-holt.

Am Sonntag darauf fand bei herrlichem Altweibersommerwetter die Weihe des Turmes und der Glocken unter großer Anteilnahme der Hanseller statt. Sie wurden dem Kirchenpatron Johannes Nepomuk, der Jungfrau Maria und dem Heiligen Christophorus (Vorname des Pfarrers!) geweiht und kosteten 4500 Mark, die damals allesamt „von unbekannten Wohltätern“ aufgebracht worden waren.

Am ersten Oktobersonntag 1931 erschallten die neuen Glocken zum ersten Mal über der Bauerschaft. Erster Läuteküster war der Wegewärter Felix Hangmann, der für seine Dienste jährlich 200 Mark aus der Kirchenkasse erhielt. Das bisherige „Pengeltäönken“ übrigens, das mit der Errichtung des Turmes überflüssig geworden war, wurde in den 30er Jahren abmontiert und originalgetreu auf dem Dach des Hofes Schulze Hansell, der in Sichtweite der Kirche liegt und der Bauerschaft ihren Namen gab, wieder aufgebaut.

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