Lesung mit Matthias Matussek
Populistisches Plädoyer

Altenberge -

Das Versprechen katholischer Priester, ehelos zu leben, ist und bleibt ein Reizthema, über das der Journalist, Bestsellerautor und beliebter TV-Talkshowgast Matthias Matussek gerne mit seinen rund 100 Zuhörern diskutieren wollte. Ins Hügeldorf war Matussek aber in erster Linie gekommen, um aus seinen beiden Büchern „Das katholische Abenteuer“ und „Die Apokalypse nach Richard“ vorzulesen.

Freitag, 25.01.2013, 14:01 Uhr

Spiegel-Kolumnist und Bestsellerautor Matthias Matussek  (l.) las am Donnerstagabend auf Einladung des Bildungswerkes in der Altenberger Hauptschule unter anderem aus seinem Buch „Das katholische Abenteuer“.
Spiegel-Kolumnist und Bestsellerautor Matthias Matussek  (l.) las am Donnerstagabend auf Einladung des Bildungswerkes in der Altenberger Hauptschule unter anderem aus seinem Buch „Das katholische Abenteuer“. Foto: Gudrun Niewöhner

Als bekennender Katholik hat es Matthias Matussek in der „kirchenfeindlichen“ Spiegel-Redaktion nicht leicht. Die allermeisten seiner Journalistenkollegen haben eine andere Meinung. Nicht nur was den Zölibat angeht, den Matussek übrigens für richtig hält. Das Versprechen katholischer Priester, ehelos zu leben, ist und bleibt ein Reizthema , über das der Journalist, Bestsellerautor und beliebter TV-Talkshowgast am Donnerstagabend in Altenberge gerne mit seinen rund 100 Zuhörern diskutieren wollte. Ins Hügeldorf war Matussek aber in erster Linie gekommen, um aus seinen beiden Büchern „Das katholische Abenteuer“ und „Die Apokalypse nach Richard“ vorzulesen. Das eine ergab später das andere.

Um´s gleich vorwegzunehmen: Auf alles hatte der manchmal etwas fahrig wirkende Matthias Matussek auch keine Antwort. Beispielsweise auf die Frage, warum Gott Leid und Ungerechtigkeit zulasse. „Da bin ich mit meinem Latein am Ende“, musste der Autor, der 1954 in Münster geboren wurde, gestehen.

Seine Thesen waren anschließend herausfordernd, teils sehr populistisch: „Nie waren Sünden so weit verbreitet wie heute.“ Matussek, selbst kein Theologe, listete die sogenannten sieben Todsünden auf: Hochmut/Eitelkeit, Gier, Wollust, Völlerei, Zorn, Faulheit und Neid. Diese würden, so der Journalist, in der Gesellschaft nicht mehr als solche wahrgenommen: „Wir leben in einer komplett sünden- und schuldenfreien Zeit.“ Schuld werde, wenn überhaupt, wegtherapiert.

Sein leidenschaftliches Plädoyer für die katholische Kirche sei auch eine Art Reflex: „Ich halte immer zu denen, die angegriffen werden.“ Kritiker und Nörgler gebe es schließlich genug: „Die größte Kirchenfeindlichkeit kommt aus den eigenen Reihen.“ Und damit war die Diskussion über den Sinn des Zölibats eröffnet.

Während viele der Zuhörer den Pflichtzölibat für den Priestermangel in der katholischen Kirche verantwortlich machten, ihn deshalb am liebsten sofort abschaffen wollten, hatte der Gast des Abends (aus seiner Sicht) gute Argumente dafür. Das evangelische Vorbild ließ er nicht gelten. Matussek hat Probleme mit der Glaubwürdigkeit, wenn ein geschiedener Pastor bei einer kirchlichen Hochzeit die Trauformel spricht: „Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht trennen.“ Zugleich forderte er die Katholiken auf, dem zölibatär lebenden Priester mit Respekt gegenüber seiner Entscheidung zu begegnen: „Für mich zeigen sie, dass es in unserem Alltag mehr gibt als wir für wichtig halten.“

Nur den Kopf schütteln kann der Spiegel-Kolumnist über den Erste-Klasse-Flug des Limburger Bischofs Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst nach Indien und den Bau eines neuen Bischöflichen Palais für den früheren Altenberger Kaplan: „Es ist schon erstaunlich, wie oft man sich selbst ins Knie schießen kann.“ Dem Bischof fehle wohl ein geeigneter Berater.

Dass Matthias Matussek den Weg nach Altenberge gefunden hat, liegt allein an der Hartnäckigkeit von Pfarrer Dr. Josef Wieneke. Der hatte nach einem Besuch im örtlichen Buchladen spontan eine Mail an den Autor geschickt. Zuerst ohne Erfolg. Doch nachdem Altenberger Firmanden Matussek beim Mannheimer Katholikentag auf die noch ausstehende Antwort angesprochen hatten, nahm Wieneke erneut Kontakt zum Spiegel-Redakteur auf – so kam schnell ein Termin zustande.

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