Kochen in der Umkleidekabine
Flüchtlinge boykottieren Essen

Altenberge -

Die Asylsuchenden, die derzeit in der Sporthalle leben, kochen jetzt selbst. Die Dienste des Caterers wollten sie nicht mehr in Anspruch nehmen.

Dienstag, 10.11.2015, 18:11 Uhr

Mitglieder des Schul-, Sozial-, Sport- und Kulturausschusses besichtigen die Kabinen in der kleinen Sporthalle. Dort werden in Kürze 72 Flüchtlinge leben.
Mitglieder des Schul-, Sozial-, Sport- und Kulturausschusses besichtigen die Kabinen in der kleinen Sporthalle. Dort werden in Kürze 72 Flüchtlinge leben. Foto: mas

„Ja, es hat einen Essens-Boykott gegeben“, sagte am Montagabend Bürgermeister Jochen Paus . Am 12. Oktober zogen die ersten Flüchtlinge in die umgebaute Sporthalle am Grünen Weg ein – nun stellte der Caterer Hidding aus Nordwalde seine Arbeit ein. Der Grund: Die Flüchtlinge waren nicht zufrieden. „Am Essen lag es nicht“, fügte Jochen Paus an. Schweinefleisch habe es beispielsweise nicht gegeben.

Nun erhalten die Flüchtlinge die gesetzlich vorgeschriebene 130-Euro-Pauschale und versorgen sich selbst. Dafür werden fünf Elektro-Herde in einer umfunktionierten Umkleidekabine aufgestellt. Thorsten Jokuff , der sich von Seiten der Gemeinde um die Asylbewerber kümmert, nennt einen Grund für den Boykott. „Starre Essenszeiten“ seien die Flüchtlinge nicht gewohnt, erläuterte Jokuff. So wollten sie auch zwischendurch etwas essen. In anderen Unterkünften des Kreises, wie in der Sporthalle an der Kardinal-von-Galen-Schule in Borghorst, kochen die Flüchtlinge ebenfalls im Gebäude, so Jokuff.

Mittlerweile ist die Gemeinde auf der Suche nach weiteren Unterkunftsmöglichkeiten fündig geworden. Neben den Räumen an der Tennishalle soll ein Trakt in der Ludgeri-Hauptschule, der über einen separaten Zugang zu erreichen ist, für Flüchtlinge hergerichtet werden. Vier Klassen stehen dafür zur Verfügung. „Wir suchen jede Lücke“, so Paus.

Anfang des Jahres lebten 40 Asylbewerber in Altenberge, jetzt sind es 181. Allein in der vergangenen Woche kamen 30 Personen hinzu.

Thorsten Jokuff berichtete im Schul-, Sozial-, Sport- und Kulturausschuss über seine Arbeit. Seit dem 1. Januar besetzt Jokuff die Kontaktstelle für Flüchtlinge und Asylbewerber im Sozialamt. Diese Stelle, so der Vorschlag der Gemeinde, die zunächst befristet eingerichtet wurde (auf Antrag der CDU ), soll in eine unbefristete Stelle umgewandelt werden.

Die Arbeit von Thorsten Jokuff reicht von ersten Kontaktgesprächen mit den Flüchtlingen, über die Koordination der Arbeit mit den Ehrenamtlichen bis hin zur Unterstützung im „Behörden-Dschungel“. „Natürlich gibt es auch mal Knatsch“, so Jokuff. Schließlich leben in der Sporthalle bald 72 Personen, „die nichts zu tun haben“, sagte Thorsten Jokuff.

Bürgermeister Jochen Paus hatte die Ehrenamtlichen, die sich um Flüchtlinge kümmern, jetzt zu einem Gespräch eingeladen. Dabei habe sich gezeigt, „dass die Grenze der Belastbarkeit“ schon bei einigen erreicht sei. Zudem stellte Paus „eine Anspruchshaltung“ unter den Flüchtlingen fest. Schleuserbanden würden den Flüchtlingen offenbar versprechen, „sie kommen ins gelobte Land“. Und dann werden sie in einer Sporthalle mit 72 Menschen untergebracht. Paus: „Das müssen die Flüchtlinge zunächst einmal verdauen.“

Im Zuge der Haushaltsberatungen wird es um die künftige personelle Besetzung im Sozialamt gehen. Bereits jetzt wurde deutlich, dass SPD und Grüne die Einstellung eines Sozialarbeiters favorisieren (wir berichteten).

Die Gemeindeverwaltung hat bekanntlich mit der Einrichtung von zwei 450-Euro-Jobs auf den immensen Zustrom von Flüchtlingen reagiert. Die weiteren Vorschläge: ab dem 1. Januar eine zusätzliche halbe Stelle im Sozialamt für die Leistungssachbearbeitung; eine bisher befristete Stelle, die ebenfalls für die Sachbearbeitung (nach SGB II und XII) eingestellt war, soll unbefristet fortgeführt werden.

 

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