Postgeschichte
In der Champions League

Altenberge -

Über zehn Jahre hat Alfons Schnell recherchiert – nun liegt eine umfangreiche Sammlung über die münsterische Postgeschichte vor. Mit zahlreiche alten Briefen und einigen Briefmarken dokumentiert.

Samstag, 06.08.2016, 10:08 Uhr

Alfons Schnell beschäftigt sich täglich bis zu acht Stunden mit seinem Hobby. Das Lesen von Fachbüchern gehört auch dazu.
Alfons Schnell beschäftigt sich täglich bis zu acht Stunden mit seinem Hobby. Das Lesen von Fachbüchern gehört auch dazu. Foto: mas

Vor über 40 Jahren hat Alfons Schnell seine Leidenschaft zu Briefmarken entdeckt – doch was sich daraus im Laufe der Jahrzehnte entwickelt hat, das hätte sich der Altenberger wohl in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt. Denn es reicht ihm nicht, einfach alte Briefmarken oder Jahrhunderte alte Briefe zu sammeln. Er möchte mehr wissen, die Geschichten, die hinter den Dokumenten stecken. „Ich entdecke immer etwas Neues“, sagt der 74-Jährige. „Und dann freue ich mich wie ein kleines Kind.“

Jüngstes Resultat seiner unermüdlichen Recherchen: Alfons Schnell hat die Geschichte der Post in Münster mit alten Briefen und Briefmarken dokumentiert. Und zwar von den Anfängen im Jahr 1597 bis 1875. Und diese Exponate haben ihn in eine ganz andere Liga katapultiert. Im Rahmen seiner jüngsten Ausstellung vergab die Jury so viele Punkte, dass der „Aufstieg“ perfekt war. „Ich spiele jetzt in der Champions League “, freut sich Schnell. Das umfangreiche Werk stellte Alfons Schnell in Sponheim (Rheinland-Pfalz) aus. Platz eins das Ergebnis. Dabei musste er nicht nur seine „Funde“ zeigen, sondern in einem Fachgespräch seine Kenntnisse unter Beweis stellen. Im Rahmen einer Ausstellung in der Bezirksregierung (ab 17. Oktober) sind die besonderen Dokumente zu sehen.

Vorher tummelte er sich, so sein fußballerischer Vergleich, eher in der Regionalliga. Aber auch das äußerst erfolgreich. Der Lohn für den Erfolg: „Ich kann jetzt international ausstellen“, freut sich Schnell, der auch Vorsitzender des Philatelistenvereins in Münster ist, und täglich bis zu acht Stunden mit seinem Hobby verbringt.

Über zehn Jahre war Alfons Schnell damit beschäftigt, die münsterische Post- geschichte auf diese nicht ganz alltägliche Art und Weise aufzuarbeiten. Er wälzte Auktionskataloge, recherchierte in Büchern und im Internet und studierte alte preußische Amtsblätter. Denn was nutzt der schönste alte Brief, wenn man ihn nicht in das Geschehen der damaligen Zeit einordnen kann, betont der 74-Jährige. Aber: Schnell hat nicht den Schwerpunkt auf die geschichtliche Aufarbeitung gelegt, sondern auf die Präsentation „philatelistischer Belege in bestimmten Zeitabschnitten“, erläutert der Altenberger.

Der erste Teil der Sammlung befasst sich beispielsweise mit der kaiserlichen Reichspost (Thurn und Taxis bis 1803) und die Landespost der Stadt Münster (bis 1817). Zahlreiche Originalbriefe dokumentierten diese Zeiträume – dazu gehört auch ein Brief vom 16. November 1597, der älteste im Fundus des Experten.

Auch wenn Alfons Schnell nicht ins kleinste geschichtliche Detail gehen konnte und wollte, sind es doch zahlreiche spannende Dokumente, die Einblicke in das Post-Geschehen geben: Nachdem das erste Postamt in Münster am Roggenmarkt zu klein geworden war, zog es die kaiserliche Post 1809 an den Domplatz. Die Filiale am münsterischen Bahnhof folgte 1849.

„Briefmarken kannte man zunächst nicht“, erzählt Alfons Schnell. Meistens musste das Porto vom Empfänger bezahlt werden. Und wie lange waren Briefe unterwegs? 1816 dauerte es von Münster bis Paris etwa eine Woche. Schnell: „Das ist schon erstaunlich, wie schnell das ging.“ Im Jahr 1850 führt Preußen dann die Briefmarke ein – und zwar mit der Büste des Königs der Preußen und einem Stempel – eine dazugehörige Jahreszahl folgt erst 1862.

Es existieren jedoch nicht nur die „normalen Briefe“. Die preußische Postverwaltung betrieb auch eine Fahrpost – und dafür gab es spezielle Begleitbriefe, die für Alfons Schnell „natürlich besonders interessant sind“. Sie wurden getrennt vom Paket befördert und dem Empfänger zugestellt. „Dieser konnte das Paket dann von der Packkammer abholen“, erläutert der 74-Jährige das Prozedere. Ganz wichtig: Jeder Schritt wurde mit einem neuen Stempel festgehalten. Und beim Anblick solcher Briefe schlägt das Sammlerherz von Alfons Schnell besonders schnell. Befördert wurde auch Geld – und zwar in kleinen Säcken, erzählt Schnell weiter.

Auch in Altenberge gab es eine Post-Kutschen-Station – und zwar um 1845 in Höhe des heutigen Restaurants „Das Kartoffelhaus“. Der Fachbegriff: „Vorspann-Expeditionsstelle“. „Es musste garantiert werden, dass die Pferde dort auch versorgt werden“, sagt Alfons Schnell. Dazu gehört auch, dass Pferde dort neu beschlagen werden konnten.

Der Altenberger hat jedoch nicht nur die münsterische Postgeschichte in seinem Fundus. Gerne erinnert sich Alfons Schnell an seine Ausstellung „25 Jahre Deutsche Einheit – Tage der Entscheidung“, die er unter anderem im Düsseldorfer Landtag gezeigt hat. Zu den Ausstellungsstücken gehörte auch eine Gedenkkarte von 1990. Diese wurde auch von Michael Gorbatschow unterzeichnet – die Champions League lässt grüßen.

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