Menschenrettung
Der Hund bestimmt, wo es langgeht

Altenberge -

Michael Strunk hat sich dem Mantrailling verschrieben – einer Personensuche unter dem Einsatz von Rettungshunden.

Mittwoch, 12.10.2016, 19:10 Uhr

Haben sich dem Mantrailing verschrieben (v.l.):  Natascha Wandelt, Michael Strunk (hinten) und Ingo Röttger.
Haben sich dem Mantrailing verschrieben (v.l.):  Natascha Wandelt, Michael Strunk (hinten) und Ingo Röttger. Foto: Riese

Wer führt hier eigentlich wen Gassi?“ Diese Frage hört Natascha Wandelt häufiger, wenn sie gerade mit einem ihrer beiden Rüden an den langen Leinen unterwegs ist. In welche Richtung es geht, geben tatsächlich „Herbie“ oder „Wall  E“ vor. Sie üben Mantrailing, die Personensuche unter Einsatz von Rettungshunden , und folgen dabei ihren feinen Nasen. Derzeit ist es noch ein Hobby, bei dem die Spuren selbst gelegt werden. Doch die Ochtruperin möchte gerne auf echte Fährtensuche gehen und sich deshalb der Hundestaffel eines öffentlichen Trägers anschließen.

Trainiert wird bisher ausschließlich im privaten Rahmen – zusammen mit Michael Strunk aus Altenberge und Ingo Röttger , die Wandelt vor einigen Jahren in einer Hundeschule kennengelernt hat. Strunk ist selbst Besitzer zweier Hunde. Weil Mantrailing sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, soll es für ihn, die Labrador-Dame „Maly“ und „Theo“, einen Berner-Sennen/Golden-Retriever-Mischling, allerdings ein Hobby bleiben. „Beim Training sind wir mit jedem Hund gut eine Stunde unterwegs“, informiert Michael Strunk.

„Ich bin von dieser Arbeit total fasziniert“, sagt Natascha Wandelt. „Die Gabe, die das Tier mitbringt, ist einfach wahnsinnig beeindruckend.“ Als Wandelt auf den Hund kam, habe sie sofort gewusst, dass sie mehr als ein Schoßtier wollte. Jetzt hat sie zwei Vierbeiner mit ganz unterschiedlichen Spezialgebieten an ihrer Seite. „Herbie“, der wie der flotte Käfer aus den Filmen heißt, ist ein Therapiehund. Zusammen mit dem fünfjährigen Labrador entdeckte sie auch Mantrailing für sich und schaffte schließlich „Wall  E“ an – den zweijährigen Bloodhound, der nach dem Roboter aus dem gleichnamigen Disney-Streifen benannt ist und mit dem sie auf ehrenamtlicher Basis vermisste Personen aufspüren möchte. „Bloodhounds sind für diese Art der Spurensuche geboren“, erklärt Wandelt. „Nichtsdestotrotz benötigen sie das entsprechende Training, wie Hunde jeder anderen Rasse auch.“

Ingo Röttger fungiert als Assistent. Seit einem Unfall sitzt er im Rollstuhl. Trotz seiner starken Einschränkungen plant er eine Ausbildung zum Hundetrainer, die er bei Wandelt absolvieren möchte. „Im Rahmen seiner Möglichkeiten“, erklärt ie sie. „Er wird immer jemanden an seiner Seite brauchen, wenn er mit Tieren arbeitet. Aber so etwas wie das Apportieren mit seinem Hund schafft er auch ohne Unterstützung.“

Zum Mantrailing sind Wandelt, Strunk und Röttger in und rund um Ochtrup unterwegs, besuchen auch Workshops und Seminare. Außerdem ermöglichen sie anderen Hundebesitzern, diese Art des Trainings kennenzulernen. Mantrailing hilft nämlich nicht nur dabei, vermisste Personen zu finden. Es ist auch eine intensive Beschäftigung für Hunde – „jeder Rasse und jeden Alters“, wie die Wandelt betont. Und sie fördert das Vertrauen zwischen Tier und Besitzer. „Mantrailing ist eine der wenigen Hundesportarten, bei der nicht der Mensch bestimmt, wo es lang geht.“

„Ein schöner Nebeneffektist, dass man seinen Hund besser kennenlernt“, ergänzt Strunk. „Man lernt, seine Körpersprache zu deuten, ihn zu lesen. Die Bindung, die sich da entwickelt, ist schon enorm. Und das Vertrauen, das man schenkt, bekommt man auch zurück.“ Mantrailing ist eben echte Teamarbeit – ob im Hobbybereich oder in der Hundestaffel.

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