„Fußball und Kultur“
Eine beeindruckende Legende

Altenberge -

Die russische Fußball-Legende Lew Jaschin war Thema in der jüngsten Kulturwerkstatt-Reihe in Altenberge. Dort widmeten sich Dietrich Schulze-Marmeling, Autor zahlreicher Bücher über das runde Leder, und Russland-Experte Lothar Szych, ehemaliger Sozialreferent an der Deutschen Botschaft in Moskau, dem Thema. Ben Redelings moderierte.

Sonntag, 21.05.2017, 17:05 Uhr

Sprachen über Lew Jaschin und den Fußball (v.l.): Lothar Szych, Ben Redelings und Dietrich Schulze-Marmeling.  Die zahlreichen Besucher lauschten gespannt.
Sprachen über Lew Jaschin und den Fußball (v.l.): Lothar Szych, Ben Redelings und Dietrich Schulze-Marmeling.  Die zahlreichen Besucher lauschten gespannt. Foto: Rainer Nix

Er war der Russe, den man bewundern durfte, auch als der „Kalte Krieg“ zwischen Ost und West in den 1960er Jahren beunruhigende Blüten trieb. Der Fußball-Torhüter Lew Jaschin (1929-1990), „Löwe von Moskau“ genannt, war eine Legende. Allzu viele Zigaretten brachten ihn jedoch 1990 mit 60 Jahren in sein frühes Grab. So durfte er nicht mehr erleben, dass ihn der Weltfußballverband 1999 zum „Torwart des 20. Jahrhunderts“ ernannte. Bis zu seinem 37. Lebensjahr spielte er Weltklasse-Fußball.

Am Freitagabend stand in der Kulturwerkstatt Altenberge eine weitere Folge der Reihe „Fußball und Kultur“ auf dem Programm. Dietrich Schulze-Marmeling , Autor zahlreicher Bücher über das runde Leder, schildert in seiner Biografie „Lew Jaschin“ die Bedeutung des sowjetischen Torhüters. Moderator Ben Redelings und Russland-Experte Lothar Szych, ehemaliger Sozialreferent an der Deutschen Botschaft in Moskau, sprachen über das Thema.

„Die Recherchen gestalteten sich schwierig“, so Schulze-Marmeling. Quellen aus der ehemaligen DDR-Zeitungslandschaft bildeten die Wirklichkeit nicht unbedingt 1:1 ab. In einem späten Stadium des Projektes sprachen der Autor und Szych mit der Witwe des Fußballers, Valentina. „Ich wollte ein besseres Gefühl für die Persönlichkeit Jaschins bekommen“, so Schulze-Marmeling, was auch gelang.

Der Torwart, der auch im Eishockey oder Schach zu Hause war, gilt als der bedeutendste Spieler in der Geschichte des russischen Fußballs. Seine Karriere hatte auch politische Aspekte. Er sollte den neuen sozialistischen Menschen repräsentieren. Obwohl Jaschin ein starker Raucher war, der es gegen Ende seines Lebens auf 80 Zigaretten pro Tag brachte und obschon er vor jedem Spiel ein Glas Wodka trank, hatte er offiziell keine Laster. „Er war nie mit Zigarette oder einem Glas Wodka auf Fotos zu sehen“, so Szych. Das hätte dem Idealbild eines sozialistischen Menschen widersprochen. Sein Verhalten als Torwart war untypisch. Er wollte nicht auf der Linie warten, bis ein Ball kommt, sondern lief auch raus. Mit seinen schnellen Abwürfen setzte er die Spieler seiner Mannschaft des FK Dynamo Moskau stets rasch wieder in Szene.

Schulze-Marmeling sieht den Fußball generell als „janusköpfig“. Auf der einen Seite verbinde er die Menschen verschiedener Nationen, auf der anderen Seite sorge er für Spannungen. Letztlich, und das habe die Geschichte Jaschins gezeigt, könne Fußball jedoch vor allem zur Völkerverständigung beitragen. Innerhalb der Mannschaften seien Rassismus und Nationalismus kein Thema. Außerdem biete Fußball die Möglichkeit, etwas über die Gepflogenheiten in anderen Ländern zu lernen. Allerdings müssten die Medien da auch mitspielen. Bereits heute befürchte die russische Bevölkerung, die Berichterstattung über die Fußball-WM 2018 in Russland könnte sich hauptsächlich auf negative Aspekte konzentrieren.

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