Sortieren ist das Wichtigste
Eine dankbare Aufgabe

Altenberge -

Die Kleiderkammer in Altenberge gibt es seit Februar 2015. Sie hat sich zu einem gut sortierten und preiswerten Second-Hand-Shop für alle Bürger entwickelt.

Freitag, 01.09.2017, 17:30 Uhr
Die Arbeit bewältigen ein sechsköpfiges Frauenteam um Christel Hüwe (o.3.v.l). Hinzu kommen Manfred Leuker (2.v.r.), Dolmetscher Jonny Jacob (3.v.r.) und auch Albert Velmishi. Wiltrud Eschwaltrup demonstriert, wie die Spenden überprüft werden (u.l.). Gisela Zotzki (ur.) sortiert neue Socken. Sonnenbrillen waren am Mittwoch schnell vergriffen.
Die Arbeit bewältigen ein sechsköpfiges Frauenteam um Christel Hüwe (3.v.l). Hinzu kommen Manfred Leuker Dolmetscher Jonny Jacob (3.v.r.) und auch Albert Velmishi Foto: Held

Vor der Tür der Kleiderkammer in der ehemaligen Ludgeri-Apotheke an der Boakenstiege warten schon die ersten Kunden, doch das ehrenamtliche Team ist da konsequent. „Wir öffnen jeden Mittwoch pünktlich um 15 Uhr, sonst wird das hier ein Chaos“, erklärt die Sprecherin des Team Christel Hüwe als ich eintrat, um ein wenig mitzuhelfen.

Doch wie? Mein fragender Blick wurde sofort gedeutet. „Keine Angst, wir haben genug zu tun“, sagten die anwesenen vier Frauen wie aus einem Mund, die zusammen mit dem stellvertretenden Bürgermeister Manfred Leuker („Ich bin immer hier und helfe“) mich lächelnd begrüßen.

Dass Anpacken nötig war, merkte ich sehr schnell. Die etwa 120 Quadratmeter große Verkaufsfläche war vollgepackt mit Bekleidung für Kinder, Frauen und Männer. In den Schränken und Regalen, die bis zur Decke reichen, waren Haushaltswaren vom Kochtopf über Besteck, Gläser, Handtücher u.v.m. eingeräumt, eben alles, was ein Haushalt so braucht.

Preise

Die Preise für einzelne Artikel schwanken von ein bis vier Euro, egal ob modische Sommerjacke, ein Anorak, ein Trolley oder ein schickes Kleid. Für Accessoires wie beispielsweise Sonnenbrillen oder Modeschmuck sind Centbeträge fällig. Das so eingenommene Geld wird für die Beschaffung von Unterwäsche genutzt. „Denn die nehmen wir als gebrauchte Artikel nicht an“, sagt Sprecherin Christel Hüwe.

Spielzeug wird fast immer an die Kinder kostenlos abgegeben. „Die leuchtende Augen sind ein Dankeschön“, erklären Andrea Schulze und Wiltrud Eschwaltrup, beide seit Beginn der Einrichtung ehrenamtlich im Einsatz.

Mithelfen ist eine wirkliche Sisyphus-Arbeit, wie ich im oberen Stock schnell feststelle. Hier werden die abgebenen Bekleidungsstücke auf Sauberkeit und Unversehrtheit überprüft, sortiert und dann auf Regalen gelagert oder auf Kleiderbügel gehängt. Vieles ist fast wie neu, an einigen Kleidungsstücken kleben sogar noch Preisschilder. Nach jedem Öffnungstag, werden die Regale und Kleiderständer im Verkaufsraum wieder aufgefüllt.

Sonnenbrillen waren der Renner

Sonnenbrillen waren der Renner Foto: Delef Held

Während der Öffnungszeiten werden auch Spenden angenommen. „Das Sichten und Sortieren ist nur außerhalb dieser Zeit machbar. Drei bis vier Stunden, manchmal auch mehr, sind dafür nötig. „Da machen wir alle mit“, klärt mich Christel Hüwe auf. Nicht immer ist alles auch zum Weitergeben geeignet. „Das allerdings ist eher die Ausnahme“, lobt sie die Spender. Doch es gibt auch Unmögliches. Als Beispiel nennt sie zwei Sportpokale. „Die kommen in den Müll.“ Aufwändiger ist das Zusammenstellen von Haushaltsgegenständen wie Tassen, Gläser, Teller und auch elektrische Kleingeräte, die zuvor auf Funktionsfähigkeit überprüft werden, bevor sie auf den Ladentisch kommen.

Mit dem Öffnen der Tür kommen oft Flüchtlingsfamilien, zumeist mit Kindern, in die Kammer, stöbern nach Passendem oder fragen ganz gezielt nach Dingen, die sie benötigen. „Wir können fast immer helfen und spüren dann die Dankbarkeit, die man uns entgegen bringt,“ sagt Christel Hüwe.

„Wir haben schon einige Stammkunden“, ergänzt Manfred Leuker. „Viele begrüßen uns mit Handschlag. Fast alle bemühen sich, deutsch zu sprechen.“ Wenn das nicht so klappt, hilft der aus dem Irak stammende Jonny Jakob als Dolmetscher. Er lebt seit gut zwei Jahren im Hügeldorf und ist froh, hier in der Kleiderkammer mit anpacken und helfen zu können.

Durchchnittlich 100 Menschen kommen zu den Öffnungszeiten. „Es waren schon mal mehr, doch inzwischen hat sich das eingespielt,“ so Andrea Schulze.

„Hier sind die Angebote ja besser und günstiger als in einem Second-Hand-Laden“, stellt eine zufällig vorbeikommende ältere Dame, die auf einer Suche nach eine alten Kaffeekanne ist, fest. Sie wird fündig und findet, dass man hierfür gerne 20 Euro hinlegen kann. „Solche Kunden hätten wir gerne mehr, sagt Christel Hüwe, „denn gute Unterwäsche ist teuer. Da hilft jede Geldspende“.

Mitstreiter gesucht

Beim Sortieren auf dem Obergeschoss bin ich nicht wirklich weit gekommen. Es ist mühseliger als ich dachte. „Deswegen können wir weitere Helfer(innen) gut gebrauchen“, sagt Christel Hüwe und lächelt. „Einfach mal reinschauen und mitmachen, man bekommt viel Dankbarkeit zurück“. „Schön wäre es auch, wenn mehr Altenberger unsere Angebote nutzen würden“, wundert sich das Team über die doch geringe Resonanz aus dem Ort. „Bei uns kann man auf Schnäppchenjagd gehen und zugleich ein gutes Werk tun.“

Kleiderkammer

Die Kleiderkammer, organisiert vom Lokalen Bündnis für Familien mit Unterstützung der Gemeinde, wurde im Februar 2015 zunächst im Keller der Johannes-Grundschule eingerichtet. Zwölf Frauen hatten sich zusammengetan, um die Kleiderkammer einzurichten. Schon im August 2015 erfolgte der Umzug in die ehemalige Ludgerus-Apotheke an der Boakenstiege 1, die von der Eigentümerin kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Das ausschließlich von Spenden finanzierte Projekt bietet gut erhaltene Kleidung für Frauen, Männer und Kinder an. Auch Gebrauchsgegenstände wie Küchengeräte, Geschirr, Besteck, Schulutensilien, Spielzeug u.v.m. gehören zum Angebot. Die ursprüngliche Idee war es, Flüchtlingen, mit dem Notwendigsten zu versorgen. Inzwischen ist das Angebot für alle Bürger zugänglich, ohne Berechtigungsnachweis.

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