Unternehmensnachfolge
Ratschläge nur noch auf Nachfrage

Altenberge -

Nachfolgeregelungen in Unternehmen sind ein großes Thema. 250 Gäste verzeichnete darum auch ein Nachfolgekongress der IHK Nord Westfalen. Beispiele wie das Unternehmen Weßling in Altenberge zeigen, wie ein guter Übergang gewährleistet werden kann.

Montag, 23.10.2017, 17:10 Uhr

Großes Gedränge herrschte beim dritten Nachfolgekongress der Industrie- und Handelskammer ( IHK ) Nord Westfalen in Münster: 250 Unternehmer wollten wissen, wie man ein familiengeführtes Unternehmen in jüngere Hände gibt.

„Bis 2025 stehen allein im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region 31 000 Unternehmen zur Übergabe an“, betonte IHK-Präsident Dr. Benedikt Hüffer . Nach einer IHK-Umfrage wollen mehr als zwei Drittel der Unternehmenslenker den Betrieb in Familienhand weiterführen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Warum die familieninterne Nachfolge nicht einfach ist, erläuterte Prof. Dr. Arist von Schlippe vom Wittener Institut für Familienunternehmen. Konflikte entstünden, weil Senior und Junior sich nicht vergegenwärtigen, auf „welchem Stuhl“ sie gerade sitzen. Sehe der eine die Abgabe des Unternehmens als hochemotionale Fortführung der Familientradition, überlege der andere, welche betriebswirtschaftlichen Maßnahmen nötig sind, um den Betrieb endlich mal auf Vordermann zu bringen.

Wie man ein Unternehmen wie die Weßling-Gruppe aus Altenberge übergibt, erläuterten Vater Dr. Erwin Weßling und Tochter Diana. Alle vier Kinder haben sich in einem langen Entwicklungsprozess entschlossen, den Betrieb mit 1600 Beschäftigten zu übernehmen. Ein Weg, mit dem der Vater sehr zufrieden ist – Ratschläge von ihm gibt es nur auf Nachfrage. Allerdings: Der Prozess hat zwölf Jahre gedauert, alle Kinder haben in einer Unternehmenscharta die Führungsprinzipien verbindlich festgelegt. „Regelbindung ist wichtig gewesen, aber auch Commitment und Einigungswillen. Nachgeben und Vergeben gehören auch dazu“, sagt Diana Weßling.

In die unternehmerische Selbstständigkeit gegangen zu sein, hat auch Dirk Kuper, Geschäftsführer der Goldbeck Wasseraufbereitung Hygiene GmbH & Co. KG (Ibbenbüren) nicht bereut. Er hat das Unternehmen gekauft, nachdem er zuvor 13 Jahre im öffentlichen Dienst als Gerichtsvollzieher gearbeitet hat. Wenngleich er seine Ausbildung im Bereich Schwimmbadtechnik erhalten hatte, so sind es doch paradoxer Weise die Konflikterfahrungen aus seiner Beamtentätigkeit, die ihm in der Geschäftsführung im Umgang mit Kunden und Lieferanten besonders helfen.

Fazit des IHK-Forums: Neigung und Eignung sollten bei Nachfolgern zusammenkommen. Das sei nicht immer Fall. „Dann sollte man es nicht mit der Brechstange versuchen“, resümiert Prof. Dr. Bodo Risch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK. Es gehe vor allem darum, den Betrieb und die Arbeitsplätze zu erhalten, da könne auch ein externer Geschäftsführer eine gute Lösung sein.

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