Hospizkreis führte Viertklässler an das Thema Sterben und Tod heran
Das Leben ist endlich

Altenberge -

Die Themen Tod und Leid sind in der Borndal-Grundschule schon seit vielen Jahren für die vierten Klassen fester Bestandteil im Unterricht.

Donnerstag, 15.03.2018, 16:03 Uhr

Kinder und Eltern nahmen am Abschlussfest der Woche teil. Die Mädchen und Jungen wurden unter anderem aufgefordert, Gefühle in farbige Bilder umzusetzen.
Kinder und Eltern nahmen am Abschlussfest der Woche teil. Die Mädchen und Jungen wurden unter anderem aufgefordert, Gefühle in farbige Bilder umzusetzen. Foto: Nix

Die Konfrontation mit Vergänglichkeit macht auch vor Kindern nicht halt. Allerdings werden Tod und Leid in der Gesellschaft zumindest teilweise noch immer tabuisiert. Der Hospizkreis Altenberge geht damit ganz anders um. Seit 2013 besuchen von der Bundes-Hospiz-Akademie qualifizierte Mitglieder die Borndal-Grundschule, um einmal jährlich Schüler der vierten Klassen an die Thematik heranzuführen. Am Freitag endete die Themenwoche „Hospiz macht Schule“ mit einem Abschlussfest, an dem auch den Eltern Inhalte und Arbeitsergebnisse vorgestellt wurden.

Das Projekt gibt es bereits seit 2006, es beinhaltet die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Hospiz. Die Themenfelder umfassen „Werden und Vergehen“, „Krankheit und Leid“, „Sterben und Tod“, „Traurigkeit“, sowie „Trost und Trösten“. „Natürlich gehen wir dabei behutsam vor“, sagte die Hospizkreis-Vorsitzende Margret Hölscher . „Die Kinder lernen, dass beim Trauern auch Tränen fließen dürfen, dass sie ihre Gefühle nicht verstecken müssen“, hob sie hervor. Abschied nehmen gehört zum Leben dazu und irgendwann ist es ein Abschied für immer. „Auch die Lehrer unterstützen das Projekt engagiert“, betonte die Hospizkreis-Vorsitzende.

Zu den Programmpunkten gehörte auch der Besuch bei einer Bestatterin und beim Friedhofsgärtner. Die Mädchen und Jungen stellten viele Fragen: „Was kostet eigentlich eine Beerdigung?“, „Was ist die schlimmste aller Krankheiten“, „Wie lange dauert eine Einäscherung?“ Die Erörterung solcher Details zeigte, wie unverkrampft mit den Fragen umgegangen wurde. In der Schule setzten sich die Viertklässler durch das Gestalten von Gefühls-Bildern, dem Schreiben von Trostbriefen oder auch dem Pflanzen von Sonnenblumen mit der vielfältige Thematik auseinander.

Lars, neun Jahre alt, erinnerte sich während der Abschlussveranstaltung: „Wir haben Bilder gemalt und Sonnenblumen eingepflanzt. Ich glaube, es sollte uns zeigen, dass alles mal klein anfängt“, stellte er fest.

„Trauer entwurzelt“, erläuterte Hölscher. „Sonnenblumen pflanzen und hegen soll symbolisch zeigen; dass Pflege jedem Lebewesen gut tut“. Das gilt eben auch für Menschen“. Diese Aktion hat Lars am nachhaltigsten beeindruckt. Ebenso das Malen einer riesigen Sonnenblume, auf deren Blätter geschrieben wurde, was man tun könnte, wenn es jemandem aus der Klasse nicht gut gehe. Das umfasste auch ganz pragmatische Ratschläge wie den, ein Kühlkissen zu holen, wenn sich ein Mitschüler weh getan hat.

„Ich finde es wichtig, die Kinder mit solchen Themen vertraut zu machen“, sagte Stefan Branse, dessen Sohn die vierte Klasse der Borndalschule besucht. „Viele haben im Alter von neun Jahren noch keine Berührungspunkte mit dem Tod, was sich jedoch schnell ändern kann, wenn beispielsweise die Großeltern sterben“.

Viele Omas und Opas werden darüber hinaus viel älter als in früheren Zeiten. Da kommt es vor, dass sie ihr Leben im Hospiz beschließen. „Es ist gut, wenn man Kindern vermittelt, dass das Leben endlich ist und man keine Angst vor dem Tod haben muss“, meint Stefan Branse.

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