Private Rechner im Dienst nur eingeschränkt zulässig
Datenschutz bremst Lehrer aus: Vorwärts in die Vergangenheit

Nordwalde -

Lehrer dürfen ihren eigenen Computer nur eingeschränkt für dienstliche Zwecke nutzen. Im Lehrerzimmer der Kardinal-von-Galen-Schule stehen aber lediglich sechs Computer bereit, viele Pädagogen bringen deshalb private Laptops mit in die Schule. Die Gemeinde als Schulträger sieht sich nicht in der Pflicht, weitere Endgeräte anzuschaffen.

Freitag, 06.04.2018, 09:35 Uhr

Private Rechner im Dienst nur eingeschränkt zulässig: Datenschutz bremst Lehrer aus: Vorwärts in die Vergangenheit
Eine junge Lehrerin schreibt an eine Schultafel im Mathematikunterricht und blickt dabei auf einen Tablet-Computer. Ihr eigenes Tablet dürfen Lehrer nur unter strengen Voraussetzungen in der Schule nutzen, Foto: dpa

Während alle Welt von Digitalisierung redet, könnte für die Lehrer der Griff zum Papier besser sein als das Tippen auf dem Laptop. Zumindest wenn die Pädagogen an ihrem eigenen Computer arbeiten und sensible Schülerdaten behandeln. Für das Notieren der Notenliste gilt in dem Fall: Lieber Papier als den privaten PC nutzen. Vorwärts in die Vergangenheit.

Zwar könnten alternativ die Rechner in der Schule für solche Aufgaben verwendet werden. Wie schwierig das sein dürfte, zeigt die Zahl der Computer im Lehrerzimmer der Kardinal-von-Galen-Schule. Dort stehen genau sechs. Und das bei einem Kollegium von fast 100 Lehrern inklusive Referendaren und Praktikanten. Die Diskussion um die privaten Geräte, die für Dienstzwecke genutzt werden, legt für KvG-Schulleiterin Karla Müsch-Nittel vor allem eines offen: „Dass Lehrer schon seit Ewigkeiten mit privaten Mitteln arbeiten.“ Das betrifft nicht nur Laptops, sondern auch Lehrerbücher.

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Für die Schüler gibt es in der Kardinal-von-Galen-Schule in speziellen Computerräumen – wie auf diesem Symbolbild – PC‘s für den Unterricht. Für die Pädagogen stehen im Lehrerzimmer lediglich sechs Computer bereit. Foto: nn

Hohe Anforderungen und Haftungsrisiko

Hintergrund der Diskussion ist eine Dienstanweisung der NRW-Landesregierung. Nur unter strengen Voraussetzungen ist die Nutzung von privaten Computern für Lehrer erlaubt. Die Schulleitungen und Pädagogen sollen eine Datenschutzerklärung unterzeichnen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) rät den Lehrern aufgrund der hohen Anforderungen und des Haftungsrisikos aber von der Unterschrift ab.

Während die Unterrichtsvorbereitung am eigenen PC für Pädagogen erlaubt ist, sind die Notenlisten auf privaten Computern es nicht. „Es war schon immer sehr eingeschränkt, was erlaubt war“, sagt Müsch-Nittel. „Jetzt müssen wir noch viel genauer darauf gucken.“

Keine fiktive Matheaufgabe

Das Dilemma der Lehrer lässt sich an einem Beispiel darstellen: Für jeden Schüler, der eine Fünf auf dem Zeugnis hat, schreiben die Lehrer der KvG eine Förderempfehlung, die mit dem Zeugnis ausgehändigt wird. Zwischen Notenkonferenz und Zeugnisausgabe liegen ungefähr fünf Tage. Genau so lange hätten die etwa 80 Lehrer Zeit, um an den sechs Computern im Lehrerzimmer die Förderempfehlungen zu schreiben. Während der Unterricht normal weiter läuft, versteht sich. Was wirkt wie eine fiktive Matheaufgabe in der Schule, könnte Realität werden.

Dabei ist der Kern des Problems nicht der Datenschutz, sondern dass nicht allen Lehrern die notwendige Hardware in der Schule zur Verfügung steht. Die Gemeinde als Schulträger sieht die Verantwortung für die Lehrerausstattung nicht bei sich. „Aus unserer Sicht sind wir nicht zuständig“, sagt Bürgermeisterin Sonja Schemmann. „Das muss der Arbeitgeber machen und das wäre das Land.“

Logineo aus technischen Gründen gestoppt

Offenbar geht irgendwo in der Zuständigkeit zwischen Land und Kommune die Ausstattung der Lehrer verloren. Die Realität sieht deshalb so aus: Viele Pädagogen bringen ihre eigenen Rechner mit in die Schule. „Faktisch arbeitet jeder am Computer, allein bei der Unterrichtsvorbereitung“, sagt Müsch-Nittel.

Die Lösung hätte „Logineo“ heißen können, eine digitale Arbeits- und Kommunikationsplattform für Pädagogen. Das nordrhein-westfälische Schulministerium stoppte die Einführung im Herbst vergangenen Jahres aber aus technischen Gründen. In puncto Sicherheit und Datenschutz habe das Programm noch Mängel.

Wunschlösung: Ein Arbeitsplatz für jeden Lehrer

Bevor entschieden wird, wie an der Nordwalder Gesamtschule weiter mit dem Thema verfahren wird, will Müsch-Nittel den Rat von Experten und Kollegen einholen. Wenn die Schulleiterin einen Wunsch frei hätte, um das Problem zu lösen, wäre es dieser: „Dass wie in einem Büro jeder Lehrer mit einem Arbeitsplatz ausgestattet wird, zu dem ein Computer gehört.“

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